5 Fragen, 5 Antworten: Marc Korthaus über Cloud Native und den Mut, alte Prozesse hinter sich zu lassen

von Katja Schmalen

Wie wird die Nutzung von IT-Ressourcen in den nächsten zwei bis drei Jahren aussehen und welche Rolle spielen die Cloud und Edge dabei? Unter anderen darüber haben wir uns anlässlich der Vorstellung der neuen IDC Studie  „Cloud-Infrastrukturen und Cloud-Architekturen in Deutschland 2021“ mit Marc Korthaus, CEO & Founder bei SysEleven ausgetauscht.

IDC: Cloud Computing ist im Jahr 2021 in den Unternehmen angekommen. Welche Themen sind aus Ihrer Perspektive in diesem Jahr besonders spannend und beachtenswert?

Marc Korthaus Syseleven zu Cloud ComputingMarc Korthaus: Das Thema Cloud Computing wird sich in den nächsten Jahren rasant entwickeln und vor allem auch verändern. Die aufsteigenden und relevanten Technologien, wie zum Beispiel Kubernetes, werden eine Verlagerung zu Cloud Native Computing bewirken. Die Cloud ist bereits bei einem Großteil der Unternehmen fester Bestandteil ihrer Strategie und nicht mehr wegzudenken. Der Cloud-Native-Ansatz konzentriert sich auf das Erstellen von Anwendungen in Form von sogenannten Microservices. Diese Microservices werden von Grund auf als unabhängig voneinander konzipiert und für die Cloud-Skalierung optimiert. Einige Unternehmen haben die Vorteile von Cloud Native und Kubernetes bereits erkannt.

Ein wichtiges Thema im Jahr 2021 bildet Gaia-X sowie Datensouveränität und Sicherheit. Was Europa braucht, ist ein Ökosystem von Anbietern aus dem Cloud-Umfeld, die sowohl Infrastruktur als auch Branchenlösungen anbieten, die eben aus einem Europa kommen und Gesetze als auch das europäische Wertesystem – das persönliche Daten der Person und nicht dem sammelnden Unternehmen zurechnet – verinnerlicht haben.

IDC: Sie sprechen tagtäglich mit Ihren Kunden über die bestmögliche Nutzung von IT. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Erfolgsfaktoren, die Unternehmen unbedingt berücksichtigen müssen, um die Cloud richtig aufzusetzen oder zu optimieren?

Korthaus: Die Frage sollte nicht mehr sein: „Wie setze ich die Cloud richtig auf?“, sondern vielmehr: „Wie hole ich für mein Unternehmen das Beste aus der Cloud heraus und wie bleibe ich mit Cloud-Native-Technologien am Puls der Zeit?“ Der Cloud-Markt hat sich in den vergangenen fünf Jahren rasant verändert. Container und  Kubernetes erobern die IT-Landschaft. Unternehmen, die ihre Produkte schnell entwickeln und somit einen digitalen Fortschritt ermöglichen wollen, setzen bereits auf Cloud Native. Somit besteht ein wichtiger Erfolgsfaktor für mich in dem Mut, den nächsten Schritt zu containerisierten Anwendungen zu gehen und alte, traditionelle Prozesse in die Vergangenheit zu verfrachten.

Unternehmen, die nicht selbst Kubernetes betreiben wollen, sollten nach einem vertrauenswürdigen Kubernetes-Provider Ausschau halten. Dabei ist die Bereitstellung der Kubernetes-Plattform genauso wichtig wie die Unterstützung für den Betriebsprozess und das Onboarding der Mitarbeiter. Bei der Wahl des Anbieters sollte auf direkten Kontakt zu Experten geachtet werden, die sich nicht hinter Ticketsystemen und Pauschalaussagen verstecken.

In Zusammenhang mit Cloud Native hört man immer Buzzwords wie „Schnelligkeit“ und „Agilität“. Aus Erfahrung mit unseren Kunden kann ich bestätigen, dass es sich hier nicht nur um eine Floskel handelt. Unsere Kunden haben durch den Einsatz von Kubernetes im Durchschnitt eine Steigerung der Time-to-Market von 20-30 %.

IDC: Das Rechenzentrum und die Cloud verzahnen sich immer stärker miteinander. Viele Entscheider verfolgen in diesem Zusammenhang einen Cloud-First-Ansatz. Wie bewerten Sie diese Sichtweise?

Korthaus: Der Cloud-First-Ansatz ist unumgänglich für den Einsatz von Cloud-Native-Technologien. Nur so kann sich das volle Potenzial von Containern und Kubernetes voll entfalten.

Wir nehmen wahr, dass Unternehmen mit dem gegensätzlichen Ansatz von On-Prem-Szenarien ihre hauseigene IT zunehmend überfordern. Stattdessen ist der für uns richtige Ansatz, die dort verorteten Mitarbeiter zu Change-Managern und Botschaftern einer Cloud-First-Strategie zu machen. Auf diese Weise können sie die internen – und externen – Entwickler an GitOps, Day 2 Operations und Continuous Deployment heranführen.

IDC: Mit welchen Cloud-Angeboten unterstützen Sie IT-Organisationen und Fachbereichs-IT in den Unternehmen im Detail?

Korthaus: Bei SysEleven konzentrieren wir uns auf IaaS- und Kubernetes-Services, die sich auf den Betrieb verteilter und geschäftskritischer Systeme sowie die schnelle Skalierung von Workloads spezialisiert haben. Wir unterstützen Unternehmen, die ihre Transformation hin zu Cloud Native vollziehen wollen und Wert auf Geschwindigkeit, Flexibilität und Autonomie legen. Das Leistungsportfolio besteht aus umfassenden Serviceleistungen – angefangen bei der Konzeptberatung und dem Aufbau von Testumgebungen über Trainings bis hin zum Full-Managed-Betrieb – auch „Day 2 Operations“ genannt.

Herzstück unseres vertikalen Technologie-Stacks ist „MetaKube“, ein Managed-Kubernetes-Angebot, mit dem Organisationen webbasierte Software-Produkte entwickeln, ausrollen und betreiben können. Wir legen großen Wert auf Datenschutz und digitale Souveränität. Alle Lösungen werden deshalb ausschließlich in ISO27001-zertifizierten deutschen Rechenzentren gehostet und ermöglichen unseren Kunden und Partnern die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), sodass im Falle eines Audits keine Probleme auftreten sollten. Zum Leistungsspektrum gehören: Managed Cloud Services, eine OpenStack Public Cloud, Managed Kubernetes sowie verschiedene Netzwerk- und Carrier Services.

IDC: Werfen wir einen Blick voraus: Wie wird die Nutzung von IT-Ressourcen in den nächsten zwei bis drei Jahren idealerweise aussehen? Welche Rolle spielen Cloud und Edge dabei? Welche Themen sehen Sie hier?

Korthaus: Der deutsche Markt ist noch am Anfang von Cloud Native und wir werden in den kommenden zwei bis drei Jahren eine großen Ansturm auf Cloud-Native-Technologien sehen. Der Reifegrad der Unternehmen wird sich anpassen und der Einsatz von GitOps und SREs wird sich verstärken.

Edge Clouds wollen unsere Kunden in der Regel nicht – das Argument der Latenz sehen wir nicht. Technisch möglich ist es jederzeit, aber die geringen Vorteile stehen einem hohen Maß an Kosten gegenüber und die Mischung aus On-Prem und Cloud-Workload macht den Betrieb einer solchen Umgebung nicht einfacher.

Des Weiteren werden sich Multi-Cloud-Strategien neu konzipieren. Mit dem Einsatz von containerisierten Anwendungen werden Workloads zwischen unterschiedlichen Infrastrukturanbietern portabel. Unternehmen können nun entscheiden, auf welchen Infrastrukturen Daten verarbeitet werden ohne Beeinträchtigung der Compliance-Richtlinien für geschäftskritische Anwendungen. So können personenbezogene und geschäftskritische Daten bei Providern hierzulande verarbeitet werden und nicht personenbezogene Daten auch bei Anbietern aus Amerika oder Asien.

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