Chaos bereinigen, Silos auflösen: So klappt es mit dem datengetriebenen Unternehmen

von Katja Schmalen

Wir haben uns kürzlich mit Markus Grau, Principal Technology Strategist bei Pure Storage darüber ausgetauscht, was Unternehmen jetzt tun sollten, um ihre Datenaufbereitung und Datennutzung zu optimieren.

IDC: Die umfassendere Nutzung der Daten steht in vielen IT-Abteilungen ganz oben auf der Agenda. Welche Aspekte sind innerhalb des Themas Daten aus Ihrer Perspektive in diesem Jahr besonders spannend?

Markus Grau: In Sachen Datenbestand herrscht vielerorts noch ein unüberschaubarer Wildwuchs. Wir sehen vielerorts ein bisher einmaliges Wachstum an Datenvolumina. Unternehmen versuchen der Datenlawine durch allerlei Storage-Ansätze Herr zu werden und die Daten bestmöglich zu sichern bzw. effizient zu speichern. Nun folgt aber die wirklich entscheidende und spannende Herausforderung: Es gilt die Daten zu identifizieren, die für eine erfolgreiche digitale Transformation von Bedeutung sind. Dies kann von Unternehmen zu Unternehmen und von Abteilung zu Abteilung ganz unterschiedlich aussehen. Der Identifizierung der Daten muss dann bereits der nächste Schritt folgen, der nicht minder anspruchsvoll ist: Unternehmen müssen – unterstützt von Experten – die bestmöglichen Architekturen entwickeln, um aus den Daten die Informationen zu gewinnen, aus denen dann nachhaltige Mehrwerte für das Unternehmen entstehen.

Damit aber nicht genug. Die Speicherung, Identifizierung und Auswertung der Daten muss nicht nur wirtschaftlich sinnvoll und schnell vonstattengehen, sondern muss in jedem Schritt die Themen Datensicherheit und Compliance berücksichtigen. Die Herausforderung für die Unternehmen wird dadurch noch komplexer.

IDC: Wie sollten Unternehmen Ihrer Meinung nach vorgehen, um die Datenaufbereitung und Datennutzung zu optimieren?

Grau: Zwei Dinge gilt es zu vermeiden – Silos und Chaos. Auf die eine oder andere Weise ist zumindest eines davon in vielen Unternehmen der Fall. Die Organisationen müssen ich einen Überblick darüber verschaffen, welche Daten überhaupt vorhanden sind – und wo sie liegen. Sie müssen also das Chaos bereinigen und Silos auflösen. Ziel muss es sein, einen Data Hub zu schaffen, der die Nutzung aller relevanten Daten für die verschiedensten Systeme und Anwendungen in einem Unternehmen erst möglich macht.

IDC: Sie sprechen tagtäglich mit Ihren Kunden über die Optimierung der Datennutzung. An welchen Fehlern scheitern Ihrer Erfahrung nach Daten-Strategien immer noch und warum?

Grau: Mit dem Ziel, das Datenwachstum in Kanäle zu lenken und Verfügbarkeit sowie Sicherheit zu gewährleisten, haben in der Vergangenheit sehr viele IT-Verantwortliche – in guter Absicht – sehr viele Datensilos innerhalb ihrer Unternehmen entstehen lassen. Diese Silos unterscheiden sich leider fast immer in der Art der Datenhaltung, den Methoden der Datenverarbeitung und auch wenn es um die mit ihnen verbundene IT geht. Sehr oft ist hier dann nur sehr wenig zentral geregelt. Für das einzelne Silo und dessen Nutzer mag dies auf den ersten Blick nicht dramatisch sein, aber nimmt man das große Ganze in den Blick, dann sind diese Silos meist der Grund für einen Innovationsstau, da Informationen nur isoliert genutzt werden.

Eine Folge der Datensilos ist oft eine wild wuchernde Schatten-IT. Diese kannte man bisher vor allem im Zusammenhang mit beruflich genutzten Notebooks und selbstinstallierter Software. Diese Schatten-IT gibt es mittlerweile aber auch im Kontext der Public Cloud, was wiederum zu Compliance- und Kostenproblemen sowie nicht zu unterschätzenden Sicherheitsproblemen führen kann. Ein Grund für die „heimliche“ Flucht in die Cloud ist der Umstand, dass vielerorts die Dateninfrastruktur für einen Zeitraum von fünf oder mehr Jahren beschafft wird und entsprechend unflexibel ist. Um einen Innovationsstau zu vermeiden, entscheiden sich dann häufig einzelne Mitarbeiter und Abteilungen für einen „heimlichen“ Umzug in die Public Cloud.

IDC: Mit welchen Angeboten unterstützen Sie IT-Organisationen in den Unternehmen im Detail?

Grau: Wir unterstützen Unternehmen, aber auch öffentliche Einrichtungen wie Ämter, Behörden, Universitäten und den Gesundheitsbereich mit einem flexiblen Hybrid-Cloud-Modell für Daten und Services, welche die Verarbeitung von Daten massiv beschleunigen. Dies ermöglicht den einfachen, flexiblen und sicheren IT-Betrieb sowie den Datenaustausch zwischen den verschiedenen Clouds, ohne dabei Kompromisse bezüglich Effizienz, Verfügbarkeit und Verwaltbarkeit eingehen zu müssen. Alle Angebote sind, ähnlich wie die Angebote der Public-Cloud-Anbieter, seit einiger Zeit auch als „As-a-Service“-OPEX-Modell für On-Prem & Cloud verfügbar.

IDC: Werfen wir einen Blick voraus: Wie wird die Bereitstellung und Nutzung von Daten in den nächsten zwei bis drei Jahren idealerweise aussehen?

Grau: Die grundlegende Infrastruktur im Rechenzentrum wird sich mehr und mehr dem grundsätzlichen Modell der Public Cloud anpassen, da dies den Anwendern sehr viele liebgewonnene Vorteile bietet. Es werden mehr und mehr Speichersysteme im „As-a-Service“-Modell bereitgestellt. Durch darüberliegende Mechanismen zur Automatisierung werden Daten nach individuellen Service Level Objectives wie z. B. Performance, Verfügbarkeit und Compliance optimal verteilt.

Man ist sich weitgehend einig, dass die von mir bereits erwähnten Datensilos unbedingt aufgebrochen werden müssen. So wird es gelingen, dass mehrere Systeme zeitgleich Zugriff auf einen wachsenden Datenpool bekommen und somit die „Time to Result“ bei erfolgskritischen Projekten deutlich reduziert wird.

 


Case Study: SmartDigital

Das in Österreich ansässige Start-up SmartDigital (Smart Digital Sales and Holding GmbH)  entwickelt  ein innovatives digitales Geschäftsmodell, das auf UAVs (Un-manned Aerial Vehicles) und Fernerkundung, Digitalisierung, Big Data, Analytics und AI basiert. Für die komplexen Bildauswertungen und Algorithmen ist eine hochperformante IT-Infrastruktur erforderlich. Wie das Unternehmen diese Herausforderung adressiert hat, lesen Sie in der Case Study.

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