CIO Advisor Marc Dowd: Der Nutzen von ERP und worauf Unternehmen achten sollten

von Katja Schmalen

ERP gehört mit zu den größten Investitionen, die ein CIO in seiner Laufbahn tätigt. Das heißt, dass es auch eine der bedeutendsten Entscheidungen für ein Unternehmen ist – eine falsche Entscheidung kann durchaus katastrophale Folgen haben. Die gute Nachricht ist, dass die meisten Firmen ihre ERP-Reise schon vor Jahrzehnten begonnen haben – einige sogar bereits in den 1960er Jahren. Die schlechte Nachricht ist, dass jetzt die meisten dieser Systeme ausgetauscht oder erheblich erweitert werden müssen. Die Gründe dafür liegen in einem sich schnell verändernden Geschäftsumfeld bzw. in technologischen Fortschritten bei der Cloud, dem IoT und auch in Zukunft der KI.

Dabei geht es nicht nur um die Frage „Soll ich das ERP in meinem Unternehmen austauschen”.  Es geht vielmehr auch darum, worauf man achten muss und wie man das Ganze angeht.

Spannend ist, warum Sie einen Wechsel in Betracht ziehen. Möglicherweise stehen Sie unter dem Druck des Anbieters Ihres derzeitigen ERP-Systems, ein Upgrade durchzuführen. Vielleicht interessiert es Sie in diesem Kontext, dass IDC-Studien zeigen, dass der Anteil der Kunden, die diesem Upgrade-Druck nachgeben, viel geringer ist, als die Anbieter glauben machen wollen?

Der Geschäftswert von ERP

Ein weiterer Beweggrund wäre die Erzielung eines Geschäftswerts, der im Moment nicht erfasst wird. Es könnte sein, dass das alte System faktisch nicht länger für diesen Zweck geeignet ist. Es könnte sein, dass Sie nicht alle Module implementiert haben, die Ihr Unternehmen jetzt benötigt. Die Frage ist dann: Erweitern Sie die Module Ihres derzeitigen Anbieters oder entscheiden Sie sich für eine “Best-of-Breed”-Funktionalität, die von einem Drittanbieter bereitgestellt wird? Früher war diese Frage ganz leicht zu beantworten, denn Sie hatten schlicht keine Wahl und die ERP-Integration war Ihr alleiniges Ziel. Heutzutage ist die Integration von Best-of-Breed für viele durchaus machbar und eine überdenkenswerte Option.

Welchen neuen Nutzen können Sie also aus ERP ziehen? Bei ERP geht es um integrierte Daten und Prozesse. Das war schon immer so. Was sich geändert hat, ist, dass wir mit der zunehmenden Nutzung des Internets der Dinge (IoT) eine Explosion der Datenerfassung erleben. Wie mein guter Freund Andrew Vorster kürzlich sagte: “IoT sollte eigentlich IoD heißen – das Internet der Daten”. Hinzu kommen signifikant mehr Daten aus den Ökosystemen, die wir gemeinsam mit Partnern und Kunden schaffen.

Wollen Sie wegen einer schlechten ERP-Entscheidungen Ihre Zukunft beschneiden?

Sie werden mir zustimmen, dass das Sammeln von statischen Daten nicht sinnvoll ist, solange sie nicht genutzt werden. Dank KI/ML und robotergestützter Prozessautomatisierung (RPA) fangen wir an zu erkennen, wie Daten effektiver genutzt werden können. Ich sage bewusst “anfangen”, weil KI/ML bisher nur in Ansätzen vorhanden ist. In naher Zukunft bedeutet die Zunahme von Low-Code/No-Code-Entwicklung (dazu veranstalten wir am 22. Juli eine IDC DLC-Session) und Advanced Analytics, dass die Datennutzung in Unternehmen zunehmen wird.

Damit Entscheidungen auch gute Entscheidungen sind, müssen sie auf guten Daten beruhen. An dieser Stelle kommen ERP und Cloud ins Spiel. Warum Cloud? Weil sie das Sammeln und Nutzen von Daten erleichtert. Wir werden am 19. August übrigens diskutieren, wie man die Fallstricke der Cloud vermeidet.

Aber zurück zum Thema ERP: Erfasst Ihr aktuelles ERP-System die richtigen Daten in ausreichender Menge und unterstützt es die Prozesse, die Ihr Unternehmen jetzt und in Zukunft benötigt? Wir hören von vielen Entscheidern aus allen Branchen, dass ERP zwar für zentrale Elemente wie z.B. Finance wunderbar und ausreichend ist, aber es jetzt an der Zeit ist, die technischen und vor allem die funktionalen Beschränkungen abzulegen, die das alte ERP den Anwendern auferlegt hat. Ist es vielleicht eine gute Idee, eine Bestandsaufnahme dessen zu machen, was Ihre Organisation ausbremst?

Dann ist wahrscheinlich jetzt ein guter Zeitpunkt, sich folgendes vor Augen zu führen: Verglichen mit der Vergangenheit, in der Initiativen oftmals Jahre brauchten, um zum Fliegen zu kommen, hat die Corona-Pandemie Unternehmen gelehrt, dass signifikante Veränderungen in Monaten und sogar Wochen erreicht werden können.

Die Erkenntnis, dass Sie eigentlich keine andere Wahl haben, als sich zu verändern, und zwar schnell, löst hoffentlich keine Schockstarre in Ihnen aus. Ich möchte Ihnen raten, ganz genau zu prüfen, was ein ERP-Wechsel für Ihr Unternehmen bedeuten könnte. Und ja: Sie können das Ganze vielleicht noch eine Weile hinauszögern, aber die rasenten Fortschritte, die die Datennutzung mit sich bringt, sollten Sie für sich abschöpfen. Bewerten Sie zumindest Ihre Optionen. Sie haben sich als Unternehmen gewandelt, genauso wie sich die Gründe für einen Wechsel verändert und weiterentwickelt haben.

Wenn Sie Ihre Pläne mit Gleichgesinnten diskutieren oder hören möchten, welche Prioritäten Ihre Kollegen aus anderen Unternehmen setzen, laden wir Sie ein, der IDC Digital Leadership Community beizutreten, um über diese und viele andere wichtige Themen zu sprechen.


 

Marc Dowd leitet die CIO Advisory Practice bei IDC. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Führungskräften der Unternehmens-IT in einer Vielzahl von Branchen. Dazu gehören neun  Jahre als Principal für EMEA, in denen er für Forrester Research CIOs großer internationaler Unternehmen und staatlicher Einrichtungen beriet. In jüngster Zeit konzentriert er sich auf die Digitale Transformation (DX) und die Nutzung aufstrebender Technologien wie KI, IoT und Blockchain zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Geschäftsfähigkeiten. Seine Erfahrung ermöglicht es ihm, CIOs und strategische Geschäftsplaner in Organisationen, die Technologie einsetzen, mit Markt- und Kundeneinblicken, Analysen, taktischen Ratschlägen, Prognosen und Technologietrend-Intelligenz für Senior Management Teams auf lokaler, regionaler und weltweiter Ebene zu versorgen.

Dowd nutzt sein Wissen über aufkommende Technologien und seine langjährige Erfahrung bei der Steigerung des Unternehmenserfolgs durch Innovation und Technologieausrichtung, um Technologieführer beim Übergang zu neuen und beschleunigten DX-getriebenen Geschäftsmodellen zu unterstützen. Dazu gehören Erfahrungen aus der branchenspezifischen Service- und Lösungsentwicklung bis hin zur breiteren Unterstützung bei der Technologie- und Innovationsimplementierung und -optimierung durch persönliche Beratung einzelner Führungskräfte, Workshops und Moderation von Führungskräfteveranstaltungen.

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