Cloud Computing: Datenschutz und Zugriffssicherheit sollten im Vordergrund stehen

von Katja Schmalen

Welche Aspekte sind in puncto Cloud in diesem Jahr ganz besonders spannend? Das wollten wir u.a. von Jens-Peter Feidner, Managing Director Deutschland bei Equinix wissen


IDC: Die Modernisierung der IT steht in vielen IT-Abteilungen ganz oben auf der Agenda. Welche Aspekte sind innerhalb des Themas Cloud aus Ihrer Perspektive in diesem Jahr besonders spannend?


Jens-Peter Feidner: Der Cloud-Bereich entwickelt sich extrem dynamisch. Das war nach unseren Erfahrungen bereits 2019 so, hat sich aber im Kontext von COVID-19 noch einmal beschleunigt. Wir gehen davon aus, dass in Deutschland künftig IT-Entscheider immer mehr ihrer Funktionen in die Cloud verlagern.


Für uns als Rechenzentrumsanbieter ist das Thema Cloud-Konnektivität besonders spannend. Wir arbeiten stetig am Ausbau unseres Verbindungsangebots zu Cloud-Anbietern und investieren in die Weiterentwicklung unserer physischen und virtuellen Interconnection Services. Ein weiteres Fokusthema sind Hyperscaler, die vor allem in den Bereichen Cloud Computing und Big Data zum Einsatz kommen. Auch hier planen wir im Rahmen eines Joint Ventures den Bau von xScale-Rechenzentren in Frankfurt und Europa, die Anwendern und Unternehmen im Ökosystem neuen Mehrwert bringen.


IDC: Viele Unternehmen betrachten eine umfassende Automatisierung von Abläufen im Rechenzentrum sowie die Integration und Orchestrierung von internen und externen IT-Ressourcen und Business Services als einen vielversprechenden Ansatz. Wie bewerten Sie diese Sichtweise?


Feidner: Die Automatisierung und Integration von Prozessen im Rechenzentrum spart Kosten und Zeit – etwa indem Anwendungen auf einer Plattform gebündelt werden oder durch automatische Monitoring-Prozesse. Durch die Nutzung von Managed Services werden Kapazitäten frei, die IT-Teams wiederum für komplexe Projekte einplanen können. Die Integration verschiedener Services auf einer Plattform ist meistens auch nachhaltiger, da Ressourcen bei großen Anbietern gebündelt und weniger ineffiziente On-Premises-IT-Kapazitäten in Anspruch genommen werden. 


Zusätzlichen Mehrwert bringt zudem ein starkes Partnernetzwerk. Bei Equinix haben wir ein Channel-Partner-Programm etabliert, das die Services und die Expertise verschiedener Service-Provider, Reseller und Cloud-Provider bündelt und Kunden individuelle Lösungen bietet.


Trotz dieses Potenzials bleibt es natürlich wichtig, den Kunden erfahrene Ansprechpartner zur Seite zu stellen, die sie bei der digitalen Transformation beraten. Wir setzen auf „Global Solutions Architects“, die über langjährige Branchen-Expertise verfügen und gemeinsam mit den Kunden die Transformation ihrer IT-Infrastruktur planen.


IDC: Sie sprechen tagtäglich mit Ihren Kunden über die Optimierung der IT und die engere Verzahnung mit den Fachbereichen. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Erfolgsfaktoren, die Unternehmen unbedingt berücksichtigen müssen, um die Cloud richtig aufzusetzen oder weiterzuentwickeln?  


Feidner: Vor allem der Umstieg auf hybride und Multi-Cloud-Modelle erfordert ein Umdenken weg von einer zentralisierten und auf Silos basierenden IT, die auf unternehmenseigene Ressourcen setzt, hin zu einer verteilten und vernetzten IT-Architektur, die offen für Kollaborationen und externe Services ist. Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor ist Flexibilität bei der Wahl der Cloud-Anbieter – einen sogenannten „Vendor Lock-in“ sollten Unternehmen möglichst vermeiden, um schnell auf neue Anforderungen reagieren zu können. Drittens sollten Datenschutz und Zugriffssicherheit im Vordergrund stehen, damit auch komplexe Cloud-Architekturen sicher genutzt werden können. Der Einsatz von Interconnection Services wie dem Software-definierten Equinix Cloud Exchange Fabric (ECX Fabric) ermöglicht die flexible Anbindung an Cloud-Anbieter und trägt so maßgeblich zum erfolgreichen Einsatz der Cloud bei.


IDC: Mit welchen Angeboten unterstützen Sie IT-Organisationen und die Fachbereichs-IT in den Unternehmen im Detail? 


Feidner: Wir bieten Kunden nicht nur Colocation, sondern vor allem eine breite Palette an Interconnection Services an, die den direkten und privaten Datenaustausch innerhalb unserer globalen Rechenzentren ermöglichen. Das Kernstück bildet die Plattform Equinix, über die Zugang zu einem umfassenden Ökosystem aus tausenden potenziellen Partnern, Cloud-Providern, Netzwerk-Providern und Services besteht. Darauf bauen unsere virtualisierten Services auf: Equinix Cloud Exchange Fabric (ECX Fabric) ermöglicht es unseren Kunden, ihre geographisch verteilten IT-Infrastrukturen miteinander zu verbinden und flexibel Daten zwischen verschiedenen Cloud-Anbietern auszutauschen. Der Dienst Network Edge erlaubt es Kunden, ihre Netzwerke virtuell und innerhalb weniger Minuten an der Edge zu optimieren, und spart so Hardware und Investitionskosten ein. Ein Beispiel aus dem Hardware-Bereich ist die Bare-Metal-Automatisierung für Server oder Netzwerkkomponenten, mit der Kunden in kürzester Zeit eine physische Infrastruktur an der Edge aufbauen können. Hinzu kommen unser technischer Support, der die Hochverfügbarkeit sicherstellt, sowie die Beratung durch unser Team aus Global Solutions Architects.


IDC: Werfen wir einen Blick voraus: Wie wird die Bereitstellung von IT-Ressourcen in den nächsten zwei bis drei Jahren idealerweise aussehen? Welche Rolle spielt die Cloud dabei? 


Feidner: Die hohe Nachfrage nach Cloud-Services wird in den nächsten Jahren noch weiter wachsen. Gerade im Mittelstand sehen wir immer weniger Vorbehalte gegenüber der Cloud. Externe IT-Anbieter und Services erfreuen sich dabei immer größerer Beliebtheit, da sie nicht nur flexibler, sondern vor allem weniger kostenintensiv als eigene IT-Kapazitäten sind. Aufgrund der starken Cloud-Nachfrage wird auch der IT-Channel immer relevanter, da Anbieter hier ihre Services bündeln und auf die individuellen Bedürfnisse der Endkunden zuschneiden können. Die Cloud ist zudem ein wesentlicher Wachstumstreiber für private Interconnection. Frankfurt sehen wir hierbei als wichtigsten europäischen Wachstumsmarkt.

Case Study: Cloud Computing bei Infront Financial Technology

Als Informationsdienstleister muss Infront (ehemals vwd) schnell und flexibel auf Kundenwünsche eingehen können. Der Betrieb eigener Rechenzentren beeinträchtigte das Unternehmen in seiner Kernkompetenz, dem Aufbau von Lösungen für Finanzinformationen. Da die Kunden zudem ein hohes Maß an Standardisierung und Compliance erwarteten, musste Infront diesen Anforderungen mit dem Betrieb eigener Rechenzentren ständig und an allen 18 Standorten  gerecht werden. Infront war daher auf eine effiziente externe Lösung angewiesen, die diesen Anforderungen entsprach. Mehr dazu lesen Sie in der Case Study.

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