Cloud Computing: Flexibilität und Agilität müssen Teil der zentralen IT-Strategie eines Unternehmens sein

von Katja Schmalen

Wir haben Christian Hesse, Director Cloud Data Services EMEA bei NetApp im Rahmen des Industry Talk gefragt, was aus seiner Sicht die wichtigsten Erfolgsfaktoren sind, um die Cloud richtig aufzusetzen oder weiterzuentwickeln.

 

IDC: Die Modernisierung der IT steht in vielen IT-Abteilungen ganz oben auf der Agenda. Welche Aspekte sind innerhalb des Themas Cloud aus Ihrer Perspektive in diesem Jahr besonders spannend?

 

Christian Hesse: Die Herausforderungen einer Pandemie zeigen uns allen, dass die IT zu den system- und unternehmenskritischen Ressourcen zählt. Die Unmittelbarkeit, mit der die Krise eintrat, hat uns die Augen geöffnet, dass Flexibilität und Agilität Teil der zentralen IT-Strategie eines Unternehmens sein müssen. Cloud Computing, hybride Infrastrukturen und IT-Ressourcen in den Rechenzentren gehören alle zu den notwendigen Bausteinen, um flexibel und agil zu agieren. Kunden mit einem hybriden Ansatz in ihrer IT konnten sehr schnell auf die veränderten Anforderungen wie Homeoffice der kompletten Belegschaft und externe Zugriffe auf die Systeme reagieren. Eine hybride Cloud-Strategie vereint das Beste von Cloud und On-Premises, weshalb sie die größtmögliche Flexibilität und Agilität schafft.


IDC: Viele Unternehmen betrachten eine umfassende Automatisierung von Abläufen im Rechenzentrum sowie die Integration und Orchestrierung von internen und externen IT-Ressourcen und Business Services als einen vielversprechenden Ansatz. Wie bewerten Sie diese Sichtweise?

 

Hesse: In der Lieferkette und Logistik setzen Unternehmen bereits seit Jahrzehnten auf die Automatisierung von Abläufen und Business-Services. Das ermöglichte, komplexe Prozesse nahezu autark zu etablieren und eine hohe Effizienz zu erreichen. Die Basis dafür legten standardisierte Schnittstellen und Formate wie EDI, XML etc., aus denen weitverzweigte Netzwerke entstanden. Dieses Potenzial, Prozesse weiter zu automatisieren, existiert auch in der IT – vor allem bei der Integration externer Ressourcen.


IDC: Sie sprechen tagtäglich mit Ihren Kunden über die Optimierung der IT und die engere Verzahnung mit den Fachbereichen. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Erfolgsfaktoren, die Unternehmen unbedingt berücksichtigen müssen, um die Cloud richtig aufzusetzen oder weiterzuentwickeln?  

 

Hesse: Zu den drei wichtigsten Erfolgsfaktoren zählen die tatsächlichen Anforderungen, die Art der ausgelagerten Daten sowie die Abhängigkeiten und Schnittstellen innerhalb der IT. Statt ein bestehendes System zu optimieren, müssen sich Unternehmen an den Ansprüchen ihrer Kunden, des Marktes und der Wertschöpfung orientieren. Nur so können sie entscheiden, ob und wie sie die Cloud einsetzen. Erlaubt mir die Cloud, Systeme zu entwickeln und bereitzustellen, die ich nicht oder schwer mit meiner bestehenden Infrastruktur abbilden kann, reagiere ich schneller auf sich verändernde Situationen.


Nicht die „Cloud Readiness“ des IT-Systems oder der Applikation ist entscheidend, sondern die Art der ausgelagerten Daten. Wenn diese klassifiziert wurden, kann das Unternehmen anhand eines Frameworks klären, welche Daten in die Cloud verlagert oder dort neu gespeichert werden sollen. Die konkrete Planung zur Migration und Neuentwicklung von Anwendungen in der Cloud schließt sich erst daran an. Wichtig ist, dass dieser Prozess mit einem definierten Framework bei neuen Anforderungen wiederholt durchlaufen wird.

Wichtig für den Erfolg ist, dass Unternehmen vor einer Cloud-Migration einen vollständigen Überblick über die Abhängigkeiten und Schnittstellen zwischen Systemen und Applikationen ihrer IT-Umgebung haben. Nur so können sie aus Cloud-, Hybrid- oder On-Premises-Modellen das optimale Deployment wählen und ihre Migrations- sowie Betriebskosten richtig einschätzen.


IDC: Mit welchen Angeboten unterstützen Sie IT-Organisationen und die Fachbereichs-IT in den Unternehmen im Detail? 

 

Hesse: NetApp unterstützt Unternehmen dabei, eine individuelle Data-Fabric-Strategie zu entwickeln, um Hybrid-Cloud-Lösungen effektiver einzusetzen, ihr Rechenzentrum zu modernisieren sowie das Potenzial ihrer Daten voll auszuschöpfen. Eine Data Fabric besteht aus einer Architektur und einem Portfolio von Datenservices, die die Endpunkte in On-Premises- und Cloud-Umgebungen miteinander verbinden und mit einheitlichen, übergreifenden Funktionen ausstatten. Dadurch lassen sich die Daten einfacher in der angebundenen Umgebung verwalten und Transformationen schneller umsetzen. Die konsistenten und integrierten Datenservices bieten Datentransparenz sowie den Zugriff auf und Kontrolle über Daten, für Back-ups und die Datensicherheit.


IDC: Werfen wir einen Blick voraus: Wie wird die Bereitstellung von IT-Ressourcen in den nächsten zwei bis drei Jahren idealerweise aussehen? Welche Rolle spielt die Cloud dabei? 

 

Hesse: Kein Modell wird die Alternativen dominieren. Vielmehr entwickelt sich die Cloud neben reinen On-Premises- und hybriden Systemen zum dritten Standbein der Unternehmens-IT. Vor allen Dingen in Bereichen, in denen klare Kostenvorteile über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren entstehen, wird die Cloud ihre Stärken ausspielen. Ebenso bei Aufgaben, die mit internen IT-Ressourcen nur aufwendig oder gar nicht umsetzbar sind. Dazu zählen Situationen, die eine hohe Skalierbarkeit verlangen oder in denen große Datenmengen aus sehr vielen Quellen verarbeitet werden. Auch für Plattformen mit viel Kundeninteraktion oder Austausch mit externen Partnern bietet sich die Cloud als Sourcing-Modell an. Hybride Ansätze werden sich durchsetzen, wenn eine hohe Agilität und Flexibilität benötigt wird, weil sich Markt und Umweltbedingungen schnell ändern.

Case Study: Cloud Computing bei Festo

Vom Engineering über Simulation und Konfiguration bis zu Betrieb und Instandhaltung einer Anlage bietet Festo zahlreiche digitale Lösungen entlang der Wertschöpfungskette  und  unterstützt  Kunden  beim  Schritt  in  die  digitale  Welt.  Ein  Beispiel ist Smartenance: digitales  Wartungsmanagement mit Hosting bei Azure, Download aus den App Stores von Apple und Google und Lizenzierung über die Festo App World. Die Cloud ist Business Enabler und elementarer Teil der IT. Der Automatisierungsspezialist  verfolgt  eine  „Cloud  First“-Strategie.  Dienste  für  interne  und  externe  Kunden werden zunehmend in die Cloud verlagert oder entstehen dort. Festo will dadurch Agilität, Applikationsbereitstellung und Ressourcennutzung verbessern –jedoch ohne Abstriche bei Performance und Funktionen und in mehr als nur einer Cloud.

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