Cloud Computing: Identifizierung von Kostenfallen ist entscheidend für den Erfolg

von Katja Schmalen

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Erfolgsfaktoren, die Unternehmen unbedingt berücksichtigen müssen, um die Cloud richtig aufzusetzen oder weiterzuentwickeln? Das wollten wir u.a. von Michael Plehm, System Architect in Operations bei The unbelievable Machine Company wissen.

 

IDC: Die Modernisierung der IT steht in vielen IT-Abteilungen ganz oben auf der Agenda. Welche Aspekte sind innerhalb des Themas Cloud aus Ihrer Perspektive in diesem Jahr besonders spannend?

 

Michael Plehm: Aus unserer Sicht sind es vier Themen: Allen voran die Containerisierung, die mit der zunehmenden Cloud-Nutzung, dem Trend zu Software-orientierten Architekturen und Ansätzen wie Agile und DevOps massiv in den Fokus rückt. Sie wird die Entwicklung und Verteilung von Software beschleunigen. Ein weiteres Thema sind die Serverless-Anwendungen, weil es einfach ein unschlagbarer Vorteil ist, Services in der Cloud ausführen zu können, ohne sich um die Infrastruktur kümmern zu müssen. Und schließlich die Hybrid Cloud und auch die Multi Cloud. Denn sowohl die Verbindung von On-Premises- und Cloud-Umgebungen als auch die anbieterübergreifende Cloud-Anwendung machen das Data Management sehr komfortabel und zudem anbieterunabhängig.


IDC: Viele Unternehmen betrachten eine umfassende Automatisierung von Abläufen im Rechenzentrum sowie die Integration und Orchestrierung von internen und externen IT-Ressourcen und Business Services als einen vielversprechenden Ansatz. Wie bewerten Sie diese Sichtweise?

 

Plehm: Automatisierung ist von jeher ein zentrales Element der IT. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass sich Unternehmen von einem hohen Automatisierungsgrad mehr Flexibilität, reduzierte Kosten und vor allem schnellere Produkteinführungszeiten erhoffen. 

Auch hier steht das Thema Hybrid Cloud oder Multi Cloud im Fokus. Denn Unternehmen wollen ihre Umgebungen durch Automatisierung schnell und einfach starten oder migrieren. Am besten unabhängig vom darunterliegenden System. Dieser Wunsch wird durch mehrere Faktoren getrieben – multiregionale Verfügbarkeit, Outscaling, Offsite-Backups oder Disaster Recovery zählen definitiv dazu. Funktionieren kann das aber nur, wenn sich Unternehmen beim Design eigener Anwendungen an selbstdefinierte Standards halten. Die größte Herausforderung bei einer umfassenden Automatisierung ist letztlich der initial benötigte Aufwand. Mittlerweile existieren zahllose Tools oder Frameworks, die eine Automatisierung im Rahmen von Infrastructure-as-Code, Orchestrierung und Konfigurationsmanagement ermöglichen. Wie die zum Einsatz kommen, hängt jedoch vom individuellen Engagement des Unternehmens ab. Ist der Einsatz gut geplant und durchdacht, ist das Ergebnis alle Aufwände wert.


IDC: Sie sprechen tagtäglich mit Ihren Kunden über die Optimierung der IT und die engere Verzahnung mit den Fachbereichen. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Erfolgsfaktoren, die Unternehmen unbedingt berücksichtigen müssen, um die Cloud richtig aufzusetzen oder weiterzuentwickeln?  

 

Plehm: Der wesentliche Faktor ist die Anpassung der eigenen Software-Architektur. Nur wenn diese auf Cloud-Dienste ausgelegt ist, lassen sich die Vorteile nutzen und Kosten reduzieren. Ein bloßes Übertragen der Anwendungen von herkömmlichen Systemen in die Cloud ist weder praktikabel noch effizient.


Ein zweiter Faktor ist die Identifizierung von Kostenfallen. Gerade bei Public-Cloud-Diensten lassen sich zukünftig auftretende Kosten im Vorfeld kaum im Detail berechnen. Es braucht viel Erfahrung, um die Kosten transparent darlegen und alle notwendigen Komponenten im neuen Design abschätzen zu können. Wurde einmal eine Migration durchgeführt, ist es zeit- und kostenaufwendig, den Schritt in eine andere Richtung erneut vorzunehmen, da die Kosten möglicherweise deutlich höher sind als erwartet.


Ein dritter Faktor ist die Organisation von Software-Entwicklung und -Betrieb und die Ausbildung der Mitarbeiter. Durch die enge Verzahnung dieser Aufgaben – Stichwort DevOps – herrscht schon lange Bedarf an interdisziplinären Teams und Abteilungen. Um Cloud-Dienste effektiv einsetzen zu können, müssen jedoch alle beteiligten Mitarbeiter umfangreiches Wissen und viel Erfahrung in den spezifischen Cloud-Angeboten haben. Reguläres IT-Wissen reicht hier nicht mehr aus, weil es in erster Linie zum grundlegenden Verständnis dient. Also ist der Ausbildungsaufwand deutlich erhöht, wird aber zumeist unterschätzt.


IDC: Mit welchen Angeboten unterstützen Sie IT-Organisationen und die Fachbereichs-IT in den Unternehmen im Detail? 

 

Plehm: The unbelievable Machine Company ist einer der führenden Full-Service-Provider für komplexe und komplette digitale Projekte. Wir haben den gesamten Data Lifecycle auf dem Schirm und begleiten Unternehmen „from idea to cable“ – von der Idee (Data Thinking) und den Consulting Services über die Architektur- und Lösungsentwicklung (Data Science), Managed Services und Implementierung (Data Engineering) bis zum sicheren, Cloud-übergreifenden Datenbetrieb (Data Operations). IT-Organisationen und die Fachbereichs-IT der Unternehmen unterstützen wir also in jedem Detail und, fast noch wichtiger, in den Zusammenhängen.


IDC: Werfen wir einen Blick voraus: Wie wird die Bereitstellung von IT-Ressourcen in den nächsten zwei bis drei Jahren idealerweise aussehen? Welche Rolle spielt die Cloud dabei? 

 

Plehm:  Das große Thema bleibt die flexible Nutzung und vor allem die Abrechnung von Diensten und Ressourcen. Unternehmen sind immer seltener bereit, feste und langfristige Vertragslaufzeiten zu akzeptieren. Deshalb werden alle Cloud-Dienste weiter an Bedeutung gewinnen. Trotzdem spielt bei allem die tatsächliche Anwendung eine entscheidende Rolle. Es wird auch weiterhin Software geben, die nicht oder nicht ausschließlich durch Virtualisierung oder Cloud-Dienste betrieben werden kann. Also spielen heterogene Umgebungen auch weiterhin eine wichtige Rolle. Idealerweise ändert sich aber die Art und Weise der Bereitstellung: Ressourcen sollten immer nach Nutzung angeboten und zur Verfügung gestellt werden können. Dieses Modell muss also über Clouds hinaus etabliert und auf klassische Ressourcen wie Server oder Netzwerkgeräte übertragen werden.

Case Study: Cloud Computing bei unimyra

Für den Betrieb der SaaS-Lösung Knowledge Connect, des Softwareprodukts der unymira – einem Geschäftsbereich der USU GmbH-  für Kundenservice auf Social-Media-Kanälen, wurde ein Partner für den Betrieb gesucht. Mehr dazu lesen Sie in der Case Study.

Das könnte Sie auch interessieren