Cloud Computing ist ein strategischer Entwicklungstreiber

von Katja Schmalen

Wir wollten von Florian Winkler, Chief Executive Officer bei NTT Global Data Centers EMEA unter anderem wissen, was aus seiner Sicht die wichtigsten Erfolgsfaktoren sind, die Unternehmen unbedingt berücksichtigen müssen, um die Cloud richtig aufzusetzen oder weiterzuentwickeln.

 

IDC: Die Modernisierung der IT steht in vielen IT-Abteilungen ganz oben auf der Agenda. Welche Aspekte sind innerhalb des Themas Cloud aus Ihrer Perspektive in diesem Jahr besonders spannend?

 

Florian Winkler: COVID-19 führte vielen Unternehmen vor Augen, wie wichtig eine flexible Arbeitswelt heute ist. Die nahezu vollständige Verlagerung der Mitarbeitenden ins Home-Office zeigte die Vorteile von Cloud-Lösungen für die Kollaboration auf, brachte aber gleichzeitig Engpässe in Bezug auf Bandbreite und Latenzzeiten ans Licht. Der Umsetzungsdruck auf die IT-Abteilungen war und ist in Hinblick auf die digitalen Transformation sehr hoch. Projekte werden deutlich schneller genehmigt und die Cloud-Nutzung steigt insgesamt.

Die Pandemie sorgte auch dafür, dass die Notfallpläne der Unternehmen überprüft wurden. Die Sicherung unternehmenskritischer Daten und die Aufrechterhaltung aller Kernprozesse im Rechenzentrum nehmen hier eine zentrale Rolle ein. In eigenen Rechenzentren lassen sich die hohen Sicherheitsanforderungen kaum umsetzen. Deutlich mehr Unternehmen entscheiden sich aktuell für hybride Cloud-Strategien in einem hochverfügbaren Colocation Rechenzentrum, das auch in Krisenzeiten einen professionellen Betrieb gewährleistet.

 

IDC: Viele Unternehmen betrachten eine umfassende Automatisierung von Abläufen im Rechenzentrum sowie die Integration und Orchestrierung von internen und externen IT-Ressourcen und Business Services als einen vielversprechenden Ansatz. Wie bewerten Sie diese Sichtweise?

 

Winkler: Diese Sichtweise können wir nur bestätigen. Durchgängig automatisierte Abläufe liegen aus mehreren Gründen nahe: Zum einen lassen sich Hybrid- und Multi-Cloud-Umgebungen nur mit einem entsprechend hohen Automatisierungsgrad wirtschaftlich betreiben und von Anwendern im Selfservice nutzen. Die Automatisierung ist somit ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Zum anderen treibt der Fachkräftemangel im IT-Bereich und der Kostendruck die Automatisierung voran. Die Ressourcen in den Unternehmen sind schlicht nicht verfügbar, um auf automatisierte Prozesse verzichten zu können. Standardprozesse müssen digitalisiert und automatisiert bearbeitet werden, auch um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig sicherzustellen.

 

IDC: Sie sprechen tagtäglich mit Ihren Kunden über die Optimierung der IT und die engere Verzahnung mit den Fachbereichen. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Erfolgsfaktoren, die Unternehmen unbedingt berücksichtigen müssen, um die Cloud richtig aufzusetzen oder weiterzuentwickeln?  

 

Winkler: Erstens Transparente Ziele. IT ist kein Selbstzweck, sondern unterstützt das Unternehmen bei der Erreichung der (wirtschaftlichen) Ziele. Um die entsprechende Cloud-Strategie entwickeln und aufbauen zu können, müssen diese Ziele klar kommuniziert werden. Nur so kann die grundsätzliche Entscheidung für eine Private-, Hybrid- oder Multi-Cloud-Umgebung erst getroffen werden. Zweitens eine skalierbare Umsetzung. Neue Technologien und Anwendungen verändern häufig die Anforderungen an die Cloud-Infrastruktur. Um schnell reagieren zu können, muss die Skalierbarkeit einer Lösung gewährleistet werden. Das hat uns die Pandemie gerade erst gezeigt. Unternehmen mit einer skalierbaren hybriden Cloud-Infrastruktur konnten die Kapazitäten nach Bedarf zwischen der Public und der Private Cloud verschieben. Auch die Bandbreitenanforderungen haben sich durch COVID-19 ad hoc verschoben. Plötzlich waren die Mitarbeitenden zu 90 % remote statt im Büro. Drittens strategische Standort- und Partnerwahl. Die Menge der zu verarbeitenden Daten wächst rasant und erfordert immer höhere Bandbreiten sowie den direkten Zugang zu Carriern und Connectivity-Angeboten. Der Standort und die entsprechende Anbindung des Rechenzentrums sind von entscheidender Bedeutung. Darüber hinaus müssen auch branchenspezifische Regularien beim Aufbau der Infrastruktur beachtet werden. Insbesondere für Unternehmen, die geographisch neue Märkte erschließen möchten, lohnt es sich, bei der Wahl des Rechenzentrumsbetreibers dessen globale Infrastruktur zu berücksichtigen.

 

IDC: Mit welchen Angeboten unterstützen Sie IT-Organisationen und die Fachbereichs-IT in den Unternehmen im Detail? 

 

Winkler: Der Bereich Global Data Centers von NTT Ltd. betreibt weltweit 160 Rechenzentren und expandiert weiter. Wir bieten Unternehmen und Behörden eine sichere, hochverfügbare Umgebung zum Betrieb Ihrer IT-Systeme. Großen Wert legen wir auf die Konnektivität zu Public-Cloud-Anbietern wie AWS, Microsoft oder Google und zu Carriern wie auch Internet-Austauschknoten. Welche Hard- und Software auf den Colocation-Flächen eingesetzt wird, entscheidet allein der Kunde. Auf Wunsch bieten wir aber gemeinsam mit NTT Ltd. auch Full-Stack-Lösungen an. In den letzten Jahren kristallisierte sich das Thema Proof of Concept als wichtiges Thema für die IT-Abteilungen heraus: Wie lassen sich Cloud-Angebote, neue Technologien und Anwendungen risikolos und ohne zu hohen finanziellen Aufwand testen? Dazu konzipierten wir unsere Innovation Labs, die mittlerweile unter dem Namen Technology Experience Lab bekannt sind. Mehr als 150 Partnerunternehmen beteiligen sich daran und ermöglichen es, neben Cloud-Services oder neuen Hardware-Systemen auch innovative Anwendungen u. a. aus den Bereichen Künstliche Intelligenz, IoT, Blockchain, Robotics oder Future Mobility zu testen. Die signifikante zeitliche und finanzielle Einsparung daraus zeigt: Wird bei Projekten zur digitalen Transformation eine fertige Testumgebung genutzt, verkürzt sich die Projektlaufzeit um neun Monate.

 

IDC: Werfen wir einen Blick voraus: Wie wird die Bereitstellung von IT-Ressourcen in den nächsten zwei bis drei Jahren idealerweise aussehen? Welche Rolle spielt die Cloud dabei? 

 

Winkler: Aus unserer Sicht werden zukünftig immer mehr IT-Services in der Cloud bereitgestellt. Beide Bereiche, die Private Cloud wie auch die Public Cloud, werden weiterwachsen. Befeuert wird dieses Wachstum auch von neuen Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz und Machine Learning, die temporär hohe Rechenleistungen erfordern. Gerne auch in Hinblick auf die volatilen Services, die saisonal genutzt werden, erwarten wir eine Verschiebung hin zur Public Cloud. Befinden sich heute zahlreiche gemanagte Anwendungen noch in einer Private Cloud, werden diese zukünftig immer häufiger in Public-Cloud-Umgebungen zur Verfügung gestellt. Die Zahl der Hybrid- bzw. Multi-Cloud-Umgebungen wird demzufolge steigen.

Case Study: Cloud Computing bei der gridscale GmbH

Die gridscale GmbH,  Anbieter für Infrastructure-as-a-Service (IaaS) oder Platform-as-a-Service (PaaS) in der Cloud, suchte 2019 einen Anbieter für ein neues Colocation-Rechenzentrum. Sicherheit war dabei die Hauptanforderung: das RZ muss Tier-3-Standards erfüllen, in entsprechender Entfernung einen  zweiten  Standort  als  Dual  Site  mit  Georedundanz  bieten  und  relevante  Zertifikate vorweisen können. Warum die Wahl auf den NTTs Geschäftsbereich Global Data Centers, vormals e-shelter, fiel und wie wichtig dem Unternehmen Flexibilität und Innovation waren, lesen Sie in der Case Study.

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