Cloud First beim Medienunternehmen Holtzbrinck: CIO Harald Greiner im Interview

von Katja Schmalen

Unternehmen treten in die nächste Phase der Cloud-Nutzung ein, in der Unternehmensanwendungen in die Cloud verlagert werden und IT-Organisationen sowohl mehrschichtige Anwendungen in komplexen Multi Cloud-Betrieben, als auch dynamische Cloud-native Anwendungen auf derselben Plattform betreiben. In Vorbereitung des IDC Digital Summit Multi Cloud für IT-Entscheider aus der DACH-Region am 16. März haben wir uns mit Harald Greiner, Vice President IT, Technology & Sourcing bei der Holtzbrinck Publishing Group und Mitglied unseres CIO Advisory Boards zum Thema ausgetauscht.

IDC: Herr Greiner, Holtzbrinck ist einerseits ein Medienunternehmen mit dem Puls an der Zeit und andererseits ein Haus mit einer großen Historie und langen Tradition. Hat das Ihre Entscheidung „pro Cloud“ beinflusst und wenn ja, wie?

Harald Greiner: Zum Glück heißt bei uns große Historie und lange Tradition nicht, dass wir nicht auch in der Lage sind, früh auf moderne Technologie zu setzen. Das sieht man ja z.B. auch daran, dass wir schon 2000 mit Holtzbrinck Venture begonnen haben uns an Startups zu beteiligen. Dazu kommt, dass wir ein Unternehmen sind, das sehr international aufgestellt ist mit einem großen Schwerpunkt in den USA. Das hat sicher geholfen, frühzeitig das Thema Cloud anzugehen.

IDC: Wie ordnen Sie Ihren aktuellen „Cloud Status“ ein? Würden Sie sich eher als fortgeschrittenes Unternehmen auf der Cloud-Reise sehen oder stehen Sie noch am Anfang?

Greiner: Wir sind sehr früh in die Cloud gestartet. Wir haben bereits 2014 eine Cloud Governance für unsere unterschiedlichen Bereiche mit dem Vorstand und Aufsichtsrat diskutiert und verabschiedet. 2015 haben wir weltweit Google für E-mail und Collaboration eingeführt. Unser Higher Education Bereich in den USA ist seit 2017 praktisch komplett in der Public Cloud und wir entwickeln unsere Kunden-Lösungen dort Cloud-Native.

IDC: Wenn Sie zurückdenken: Was hat Sie am Anfang Ihrer Überlegungen abgehalten, den Weg in die Cloud zu gehen? Waren es Sicherheitsbedenken, der drohende Vendor Lock-in, mangelnde Transparenz und Kostenkontrolle? Wie bewerten Sie Ihre Vorbehalte heute rückblickend?

Greiner: Als wir unsere Reise 2014 begannen, war insbesondere in Deutschland das Thema Cloud noch sehr verknüpft mit Sicherheitsbedenken. Diese waren weniger auf objektive Dinge zurückzuführen, sondern mehr so ein Gefühl. Es waren viele Gespräche notwendig um aufzuzeigen, dass die großen Hyperscaler das Thema Sicherheit viel besser angehen können als wir selbst.

IDC: Gibt es einen speziellen Cloud-Anwendungsfall, den Sie als echten Erfolg feiern und der vielleicht auch intern die letzten Vorbehalte in puncto Cloud ausräumen konnte?

Greiner: Die Corona Krise hat sicher nochmal allen aufgezeigt, dass unser Weg mit Google Workplace genau der richtige war. Das hat nochmal einen großen Push gegeben, Videokonferenzen, Chat und das gemeinsame Arbeiten an Dokumenten in der Cloud zu nutzen. All das wurde vor der Krise nicht von allen Mitarbeitern gleichermaßen genutzt.

IDC: Nehmen wir die letzten 12 Monate und stellen uns vor, Sie wären den Weg in die Cloud nicht gegangen. Wo stünden Sie heute nach einem Jahr Pandemie – sowohl in der Produktion als auch in den Fachabteilungen?

Greiner: Der Weg in die Cloud begann bei uns ja zum Glück deutlich früher und nicht erst durch die Pandemie. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen wieder in die”alte Welt” on premise zurückzukehren.

IDC: Hand aufs Herz: Sind Sie eher Team Cloud Frist oder Team Cloud Only?

Greiner: Ich würde mich im Team Cloud First einordnen. Wir haben immer noch ein paar Legacy-Systeme, die wir nicht einfach in die Cloud bringen können, sondern durch neue Lösungen ablösen müssen. Aber bei der Auswahl von Software muss es schon gute Gründe geben um nicht auf eine SAAS-Lösung zurückzugreifen oder die Lösung in der Cloud zu hosten.

Ein Beispiel dafür ist bei uns unser SAP HANA System. Wir haben das Projekt 2015 begonnen und da war die Cloud Lösung einfach noch nicht weit genug.

IDC: Welche Ratschläge würden Sie aus Ihrer heutigen Erfahrung heraus anderen IT-Chefs mitgeben wollen, die noch ganz am Anfang ihrer Cloud-Bemühungen stehen?

Greiner: Nicht warten sondern starten!

IDC: Da schliessen wir uns an, Herr Greiner. Vielen Dank für den Austausch, wir freuen uns auf Sie bei unserem Kamingespäch beim IDC Digital Summit Multi Cloud am 16. März!

 

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