Datenbasierte Geschäftsmodelle: Deutsche Firmen haben Nachholbedarf

von Katja Schmalen

Extensiv wachsende Datenmengen in den Unternehmen, enorme Rechenpower und leistungsfähige Analysetools bieten Unternehmen und Organisationen aller Branchen und Größenklassen ausgezeichnete Rahmenbedingungen zur erfolgreichen Nutzung umfassender Analytics-Ansätze von Machine Learning und künstlicher Intelligenz. Damit verfügen sie zumindest in der Theorie über sehr gute Voraussetzungen, ihre Daten für die Optimierung interner Abläufe und zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle einzusetzen, um damit wettbewerbsfähig zu bleiben. Dass die Realität hierzulande eine andere ist, zeigt die neue IDC Studie zur aktuellen Datensituation in Deutschland.

Das aktuelle Bild: Ungebremstes Datenwachstum, mangelhafte Datenqualität

Die weltweite Datenmenge wird nach Einschätzungen von IDC bis 2024 auf 143 Zettabyte anwachsen. Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen in Deutschland verzeichnet ein jährliches Datenwachstum zwischen 31 und 60 Prozent, weitere 6 Prozent sogar deutlich mehr. Dabei handelt es sich um Daten aus vorhandenen und neuen Workloads sowie aus der Nutzung zusätzlicher Datenquellen und Datentypen. Dieses sehr dynamische und heterogene Datenumfeld erfordert neue Lösungsansätze in den Unternehmen. „Die wachsende Datenmenge und Datenvielfalt sind Fluch und Segen zugleich. Das große geschäftliche Potenzial der Daten lässt sich mit den vorhandenen Lösungen und Prozessen kaum erschließen und datengetriebene Geschäftsmodelle rücken damit hierzulande in weite Ferne. Das kann sich allerdings kein Entscheider leisten“, erläutert Matthias Zacher, Senior Consulting Manager und Projektleiter.

Die Folge ist unzureichende Datenqualität. Für 37 Prozent der Befragten zählt die Sicherstellung einer hohen Datenqualität zu den zentralen Herausforderungen. Die Aspekte sind vielfältig und komplex und reichen vom Erfassen aller relevanter Daten über das Erfassen des Datenkontexts bis hin zur Daten-Governance und Datensicherheit – um nur einige Punkte zu nennen. Aus diesen Gründen zögern die Unternehmen, ihre Daten End-to-End und für alle Geschäftsbereiche in der erforderlichen Qualität aufzubereiten und zu analysieren. Somit überrascht es nicht, dass weiterhin Lücken bei der bereichsübergreifenden Adressierung von Datenthemen vorhanden sind. Zwar nutzen bereits knapp drei Viertel der Befragten eine abgestimmte Vorgehensweise bei der Datenintegration, allerdings meist nicht unternehmensweit. Und genau hier liegt der Knackpunkt, denn der Nutzen liegt ja gerade im Abbau von Funktions- und Prozesssilos innerhalb des eigenen Fachbereichs und über Fachbereichsgrenzen hinweg. Automatisierung und Integration werden zwar von Entscheidern immer wieder beschworen, die Umsetzung hingegen lässt auf sich warten.

Flexibler Storage ist die Grundlage für eine effiziente Datennutzung

Das Datenwachstum zieht einen erhöhten Bedarf an Storage und in der Folge einen effizienten und kostengünstigen Zugriff auf die Daten nach sich. Für jeweils knapp ein Drittel der Befragten sind neue Datenquellen sowie wachsende Datenmengen in vorhandenen Quellen die wesentlichen Gründe für mehr Storage. Der Bedarf an cloudbasierten Speicherlösungen steigt aktuell überproportional und das wenig überraschend sowohl bei Primary als auch bei Secondary Workloads. All-Flash-Arrays setzen sich immer stärker durch. Mittelfristig werden die IT-Organisationen nach Einschätzungen von IDC auf unterschiedliche Lösungen setzen, wobei eine wachsende Dominanz von cloudbasierten und hybriden Ansätzen zu sehen sein wird. So verbessern die Unternehmen ihre Flexibilität und Agilität nachhaltig, und damit ihre Reaktionsfähigkeit auf Veränderungen am Markt und auf unerwartet komplexe Situationen wie etwa die der Corona-Pandemie.

Granulare Lösungsansätze für bessere Datennutzung

Der Bedarf an Lösungen, die einen effizienten Zugriff auf Daten und ihre Nutzung im jeweiligen Business Case ermöglichen, ist immens. Der Markt reflektiert diesen Bedarf mit einer Vielzahl an neuen Lösungen in den Segmenten Data-Management-Software, Integration und Orchestration sowie Analytics and Artificial Intelligence Software. Zwar sind in vielen Organisationen neben den klassischen Data-Management-Tools auch Lösungen für Data Governance und Data Intelligence vorhanden, doch die Studie zeigt, dass die Durchdringungsrate noch viel zu gering ist. So nutzt lediglich gut ein Drittel der Unternehmen Data Mining Tools bzw. Master Data Management Tools. Offenbar besteht nach wie vor umfassender Erläuterungsbedarf bei vielen Entscheidern darüber, wie sie moderne Lösungen beim Datenmanagement nutzen können. Hier sieht IDC auch die Lösungsanbieter in der Pflicht, mit Best Practices und potenziellen Use Cases Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit zu leisten.

Daten wandern immer stärker in die Cloud

Die Cloud entwickelt sich kontinuierlich zum integralen Bestandteil der IT-Landschaft. Viele IT- und Fachentscheider in allen Branchen, im Mittelstand und in großen Unternehmen haben die Cloud als Teil- bzw. Kernelement ihrer Modernisierungsstrategie definiert und setzen sie mit wachsendem Erfolg in immer mehr Geschäftsbereichen ein. Das hat erhebliche Implikationen für die Datennutzung. Die Daten-Verantwortlichen erwarten zum einen Lösungsansätze für das Datenmanagement und für Datenauswertungen aus cloud-nativen Workloads und zum anderen passende Tools zur Datennutzung in den stark verbreiteten hybriden Szenarien. Der Weg in die Cloud ist immer stärker vorgezeichnet. Bereits heute sehen zwei Drittel der Befragten die Cloud als zentrale Instanz für alle Datenthemen – eine Sichtweise, die sich mit den Einschätzungen von IDC deckt.

Abbildung 1: Nachholbedarf bei datenbasierten Geschäftsmodellen

Die nächsten Schritte: Mehr datengetriebene Anwendungsfälle und Geschäftsmodelle

Eine bessere Datenqualität, effizienterer Storage und optimiertes Datenmanagement erleichtern den Unternehmen das Entwickeln und Umsetzen datengetriebener Cases. Die befragten Entscheider konzentrieren sich aktuell überwiegend auf Cases, die die Optimierung bestehender Prozesse zum Gegenstand haben. Hierzu zählen u. a. ein effizienter IT-Betrieb (36 Prozent) und besserer Kundensupport (29 Prozent). Innovation steht nur in geringerem Maße auf der Agenda (Planung und Umsetzung neuer Geschäftsmodelle; 25 Prozent). Letztgenannter Aspekt ist aus IDC Sicht allerdings essenziell und sollte nicht vernachlässigt werden. Aus Prozesssicht ist es für einen End-to-End-Ansatz erforderlich, Frameworks zu entwickeln, Data-Self-Services bereitzustellen und DataOps zu implementieren, um die erforderliche Flexibilität, Skalierbarkeit und Schnelligkeit zu erreichen. Die stärkere Fokussierung auf Effizienz ist u. a. der Corona-Pandemie geschuldet. Jetzt dürfen die Entscheider allerdings den Anschluss nicht verpassen. Eine Anpassung der Zielsetzungen ist also zwingend erforderlich, denn alle Zeichen stehen auf digital.

Wie geht es weiter?

Eine erfolgreiche digitale Transformation basiert auf datengetriebenen Geschäftsmodellen. Das Potenzial von Daten ist enorm. Die aktuelle Anforderung besteht für die meisten Unternehmen explizit darin, die relevanten Daten auszuwählen, zu bearbeiten und in die entsprechenden Prozesse und Pipelines einzupflegen. Zwar sind Basis-Tools in allen Organisationen vorhanden, aber es wird sehr oft übersehen, dass heute viele neue Lösungsansätze im Einsatz sind, die sowohl den IT-Verantwortlichen als auch den Business-Entscheidern das Datenhandling und die Datenauswertungen erheblich vereinfachen. Die Cloud ist für die Datenspeicherung und das Datenmanagement trotz aller Unkenrufe längst gesetzt und wird sich immer stärker durchsetzen.

Integration, Automatisierung, die Nutzung moderner Tools über die gesamte Prozesskette und eine kontinuierliche Optimierung von Daten-Prozessen über alle IT- und Business-Domains hinweg sind der Schlüssel zum Erfolg. Das muss das gemeinsame Ziel von Anbietern und Anwendern sein.  Gemessen an der aktuellen Befragung haben die meisten Unternehmen in Deutschland die Herausforderungen nach IDC Einschätzungen zwar in der Theorie erkannt, müssen aber an vielen Stellschrauben drehen, um für die Herausforderungen der digitalen Transformation gewappnet zu sein und ihre Daten umfassend für Innovationen einsetzen zu können.


IDC hat im Dezember 2020 in Deutschland IT- und Fachentscheider aus 261 Organisationen mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt und dabei detaillierte Einblicke in die Umsetzungspläne, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren bei Storage, Data Management und Data Governance erhalten.

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