Die Cloud muss transparent sein und europäische Werte verkörpern

von Katja Schmalen

Die Modernisierung der IT steht in vielen IT-Abteilungen ganz oben auf der Agenda. Wir haben Falk Weinreich, General Manager bei OVHcloud Central Europe unter anderem gefragt, was aus seiner Sicht die wichtigsten Erfolgsfaktoren sind, die Unternehmen unbedingt berücksichtigen müssen, um die Cloud richtig aufzusetzen oder weiterzuentwickeln.

 

IDC: Die Modernisierung der IT steht in vielen IT-Abteilungen ganz oben auf der Agenda. Welche Aspekte sind innerhalb des Themas Cloud aus Ihrer Perspektive in diesem Jahr besonders spannend?

 

Falk Weinreich: Cloud Computing ist zu einem wichtigen strategischen Entwicklungstreiber geworden. Unternehmen stehen vor immer größeren Herausforderungen und Cloud Computing ist ein wichtiger Baustein, um auf dem Markt erfolgreich agieren zu können. Hybrid Cloud ist dabei nach wie vor ein beliebter Ansatz. Unternehmen verlagern einen Teil ihrer Daten von der Public Cloud zurück in die Private Cloud oder gehen direkt von On-Prem in die Private Cloud, um ihre Infrastruktur auf der physikalischen Ebene nicht mit anderen Anwendern zu teilen. Andere wiederum kombinieren die Vorteile von beidem. Letztlich geht es um transparente Kostenkontrolle und ein höheres Maß an Sicherheit, verbunden mit Flexibilität und Skalierbarkeit innerhalb der Cloud.

 

Unabhängig von der Wahl des Cloud-Modells sind Datensouveränität und die Beachtung internationaler Standards wie des amerikanischen Cloud Acts oder der europäischen DSGVO ein wichtiger Aspekt, dessen sich gut informierte Kunden bewusst sind. Darüber hinaus hat sich Kubernetes deutlich als Standardtechnologie für die Orchestrierung von Containern etabliert. Hier geht es um Anwendungen, die in der Lage sind, nativ zu kommunizieren und Ressourcen in Echtzeit anzufordern – basierend auf den Anwendungsanforderungen und den Parametern zur effizienten Orchestrierung.

 

IDC: Viele Unternehmen betrachten eine umfassende Automatisierung von Abläufen im Rechenzentrum sowie die Integration und Orchestrierung von internen und externen IT-Ressourcen und Business Services als einen vielversprechenden Ansatz. Wie bewerten Sie diese Sichtweise?

 

Weinreich: Hier ist eine umfassende Strategie gefragt, die viele Variablen berücksichtigt und den Grundstein für die Automatisierung von Prozessen sowie die sinnvolle Einbindung externer Ressourcen legt, um IT-Abteilungen zu entlasten. Die Cloud-Nutzung wird von vielen IT-Managern als strategisch wichtig für ihr Unternehmen erachtet, doch die Implementierung und Wartung verläuft nicht immer reibungslos und erfordert viel Zeit und Aufwand. Cloud-Anbieter können hier entlasten, indem die Bereitstellung, das Hosting und die Wartung aller Komponenten aus einer Hand erfolgen. Services werden aber selten isoliert genutzt, weshalb die Nutzung von Diensten auf Basis von Open-Source-Technologien wie OpenStack in vielen Fällen Sinn ergibt.

 

IDC: Sie sprechen tagtäglich mit Ihren Kunden über die Optimierung der IT und die engere Verzahnung mit den Fachbereichen. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Erfolgsfaktoren, die Unternehmen unbedingt berücksichtigen müssen, um die Cloud richtig aufzusetzen oder weiterzuentwickeln?  

 

Weinreich: Der erste Schritt, der leider in der Praxis oftmals unterschätzt wird, ist, die Anforderungen an die Infrastruktur zu kennen. Was soll sie leisten? Welche Anwendungen sind besonders kritisch und benötigen viel Speicherplatz? Wie viele Anwender wird es geben? Wenn Kunden hier selbst noch Antworten suchen, können Experten und Berater den Planungsprozess sicher begleiten. Das erspart später viel Mehrarbeit und ist die strategische Basis, um alle Vorteile der Cloud nutzen zu können. Der zweite wichtige Teil des Planungsprozesses ist die Ermittlung des tatsächlichen Zustands der Infrastruktur. Je nach Architektur des Systems sind verschiedene Schritte für eine erfolgreiche Migrationsstrategie notwendig. Dafür werden Informationen über Infrastruktur, Netzwerkdesign, Umgebungen, Anwendungen und Daten gesammelt. Hier gilt es, alle harten Abhängigkeiten zu ermitteln. Die in die Cloud zu übertragenden Daten sollten geprüft und bereinigt sein, um unnötige Kosten bei der Übertragung und für die Speicherung zu vermeiden. Das ist wie bei jedem Umzug: Man kann die Kisten des letzten Umzugs einfach mal öffnen und Unbrauchbares aussortieren, bevor diese noch einmal mitziehen.

 

Letztlich muss vor der Migration in die Cloud geklärt werden, ob die Anwendungen auch wirklich „cloud ready“ sind. Hier entdecken Unternehmen oft alle Arten an Anwendungen – von Cloud-nativen Applikationen bis hin zu solchen, deren Code überarbeitet werden muss. Schon früh eine vollständige Anwendungsinventur zu erstellen, macht sich definitiv bezahlt. Es gibt kein „One-size-fits-all“-Modell, weshalb zwischen den verschiedenen Ansätzen des sogenannten Rehostings, der Hot- und Cold-Migration, der Massenmigration und des Replatformings und Refactorings abgewogen werden muss.

 

IDC: Mit welchen Angeboten unterstützen Sie IT-Organisationen und die Fachbereichs-IT in den Unternehmen im Detail? 

 

Weinreich: Viele Kunden benötigen Unterstützung beim Ausbau oder bei der Umstrukturierung ihrer IT-Infrastruktur. Zu Beginn des Planungsprozesses arbeiten wir mit namenhaften Partnern zusammen, die diesen basierend auf langjähriger Erfahrung solide aufsetzten und begleiten. Ist der Prozess bereits fortgeschrittener, kommt OVHcloud als IaaS-Anbieter ins Spiel. Seit Jahrzehnten bauen wir Server und betreiben unsere Cloud-Dienstleistungen darauf aufbauend in unseren eigenen, patentiert wassergekühlten Rechenzentren, die sich durch eine hohe Energieeffizienz auszeichnen. Unsere Pre-Sales-Experten übersetzen dann die Kunden-Anforderungen in RAM, Storage, Cores und TB/sec. Dank unserer langjährigen und engen Partnerschaft mit wichtigen Zulieferern wie z. B. Intel betreiben wir Technologiedienste nicht nur nach neuesten Standards, sondern auch meist schneller als unser Wettbewerb.

 

IDC: Werfen wir einen Blick voraus: Wie wird die Bereitstellung von IT-Ressourcen in den nächsten zwei bis drei Jahren idealerweise aussehen? Welche Rolle spielt die Cloud dabei? 

 

Weinreich: Die Anforderungen an neueste Technologien und hohe Sicherheitsstandards steigen. Kaum ein Unternehmen kann bei diesem Tempo mithalten, geschweige denn fortwährend investieren, um stets „State of the Art“ zu sein. Cloud Computing wird ein wichtiger Bestandteil sein, um digitale Geschäftsprozesse optimal abbilden und verwalten zu können. Aber eine Cloud sollte auch transparent sein und europäische Werte verkörpern. Dabei sprechen wir nicht nur von der DSGVO. Viele wünschen sich Kostentransparenz, Freiheit beim Import und Export ihrer Daten – bei niedrigen Kosten. In Europa werden sich hoffentlich Allianzen bilden, die gemeinsam neue Programmierstandards und Innovationen etablieren, die einen solchen Mehrwert und eine attraktive europäische Alternative zu amerikanischen oder asiatischen Anbietern bieten.

Case Study: Cloud Computing bei Ravensburger

Als internationales Unternehmen muss sich Ravensburger auf die genutzte Cloud-Infrastruktur verlassen können, um Kunden und Konsumenten weltweit jederzeit Zugriff auf die E-Commerce-Plattform und die digitalen Erlebniswelten der unterschiedlichen Marken zu gewährleisten. Zu den  Herausforderungen der Spielwarenbranche zählen darüber hinaus Nachfragespitzen – etwa in der Vorweihnachtszeit. Wie diese Herausforderungen adressiert wurden, erfahren Sie in der spannenden Case Study.

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