Erfolgsfaktor Shared Operations: Geteilten Prozessen und Expertise gehört die Zukunft

von Katja Schmalen

Wir alle wissen, dass betriebliche Flexibilität und Widerstandsfähigkeit angesichts eines gewaltigen, unerwarteten und globalen Ereignisses oder anderer Beeinträchtigungen wie Unwetter, Nachfrageschwankungen, geopolitische Instabilität oder Lieferengpässe ein absolutes Muss sind. – wir haben bereits mehrfach zu diesem Thema berichtet. Organisationen aus verschiedenen Branchen gehen dazu über, ihre Betriebsabläufe und ihr Fachwissen – Shared Operations and Expertise – gemeinsam zu nutzen, indem sie enger mit Partnern aus dem Ökosystem innerhalb und sogar außerhalb ihrer Branche zusammenarbeiten.

In den ersten Tagen der Pandemie arbeitete General Motors beispielsweise mit Meditech zusammen, um Beatmungsgeräte zu entwickeln und zu produzieren; in jüngster Zeit ging Johnson & Johnson eine Partnerschaft mit dem Branchenkonkurrenten Merck ein, um zusätzliche Produktionskapazitäten und -kapazitäten sowie Fachwissen in den Bereichen Qualitätssicherung und Compliance zu gewinnen.

Laut der IDC-Supply-Chain-Studie aus dem Jahr 2020 geben Hersteller und Einzelhändler an, dass die Entwicklung von und der Zugang zu unternehmensübergreifenden Netzwerken – für On-Demand-Beschaffung, -Handel, -Gewerbe und -Dienstleistungen – derzeit zu den wichtigsten Themen gehört. Unternehmen aller Branchen nutzen zunehmend Verfahren der offenen Innovation, um bei der Ideenfindung und Problemlösung auf Expertennetzwerke zurückzugreifen.

Aber werden die engen operativen und innovativen Partnerschaften, die im letzten Jahr während der Pandemie entstanden sind und sich beschleunigt haben, auch nach dem Übergang zur ” neuen Normalität ” fortbestehen?  Wir denken ja.

Laut der IDC Future Enterprise Resiliency Survey vom Februar 2021 räumen CEOs Investitionen zur Unterstützung der digitalen Transformation und von Branchenökosystemen Priorität ein. Der neuere IDC Future of Industry Ecosystem Global Survey  aus dem Mai 2021,bestätigt die Bedeutung von Shared Operations und Expertise als Teil einer Industrie-Ökosystem-Strategie.

Shared Operations: Geteilte Abläufe und Fachwissen sind heute schon Realität

Organisationen, die zusammenarbeiten, um Werte zu schaffen, Kunden-, Bürger- oder Patientenbedürfnisse zu befriedigen und ihre jeweilige Aufgabe im Rahmen des Branchenökosystems zu erfüllen, gibt es bereits heute in jedem Wirtschaftszweig. Während in einigen Fällen die Motivation für die gemeinsame Nutzung von Betriebsabläufen oder Fachwissen eher situationsbedingt war, erkennen die Partner des Ökosystems schnell den gegenseitigen Nutzen und setzen diesen Ansatz als Teil ihrer regelmäßigen Zusammenarbeit und Interaktion mit anderen Teilnehmern als Ergänzung ihrer eigenen Kapazitäten und Fähigkeiten fort.

Geteilte Betriebsabläufe und gemeinsames Fachwissen sind für ein Unternehmen von entscheidender Bedeutung, um belastbar zu sein und Kapazitäten und Innovationen flexibel zu skalieren, um den Marktanforderungen gerecht zu werden, Probleme zu lösen und Kunden/Bürgern je nach Bedarf Unterstützung und Ressourcen zur Verfügung zu stellen. In der Fertigungsindustrie hat sich Manufacturing as a Service (MaaS) im Laufe der Jahre von einem Netzwerk von Fertigungsbetrieben über Full-Service-Auftragsfertiger bis hin zu Manufacturing-Marktplätzen entwickelt. I

DC definiert “Manufacturing as a Service” als dezentralisierte, gemeinsame Nutzung von Fertigungsinfrastruktur, F&E und technischen Fähigkeiten zur Unterstützung von Design, Entwicklung, Produktion, Lieferung und Betrieb von Produkten und damit verbundenen Dienstleistungen.

Dieser Ansatz kann zur Unterstützung der gesamten Fertigungsprozesskette oder bestimmter Bereiche, Initiativen und Projekte wie Design-Rendering und Prototyping, CNC-Bearbeitung oder additive Fertigung verwendet werden. Die Nutzung und die Möglichkeiten der Fertigung als Dienstleistung werden aufgrund des Wachstums der digitalen Technologien der dritten Plattform weiter zunehmen. Auch andere Branchen gehen zu einem Konzept der gemeinsamen Nutzung von Betriebsabläufen und Fachwissen über.

Im Gesundheitswesen haben Krankenhäuser und Pharmaunternehmen während der Pandemie digitale “Challenges für Beatmungsgeräte” organisiert und offene Innovationswebsites für die Pandemieimpfstoffforschung eingerichtet. Mit der Umstellung auf den digitalen Handel und die kontaktlose Lieferung haben Einzelhändler die Nutzung einer gemeinsam genutzten Cloud-Infrastruktur vorangetrieben, um den benötigten digitalen Datenaustausch und die entsprechende Kommunikation zu ermöglichen.

Shared Operations und Expertise: Was spricht dafür?

Eine externe Quelle für Betriebskapazitäten und Fachwissen ist für Unternehmen in jeder Branche von entscheidender Bedeutung, um flexibel und widerstandsfähig zu sein. Daher liegt der Schwerpunkt nicht nur auf der Ausweitung der Vielzahl und Art der verschiedenen Partner, sondern auch auf der Optimierung der Zusammenarbeit zwischen bereits bestehenden Partnern. Von einer starren, gelegentlichen Zusammenarbeit zu einem dynamischen, iterativen Ansatz, bei dem der Partner, Lieferant oder Dienstleister eine Erweiterung des eigenen Teams wird.

Dieser Ansatz bietet die Möglichkeit, den Betrieb je nach Bedarf zu skalieren, sei es in den Bereichen Innovation, Produktion, Lieferkette, IT-Support, Kundendienst oder Service/Kundenzufriedenheit. Geteilte Betriebsabläufe und gemeinsames Fachwissen bieten auch einen wichtigen Pool von Talenten und Fähigkeiten, auf die man bei Bedarf und je nach Notwendigkeit zugreifen kann.

Shared Operations und Expertise sind eindeutig eine Schlüsselinitiative für Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Branchen-Ökosystem-Strategie – heute und in Zukunft. Allerdings ist dies nur ein Aspekt eines Future of Industry Ecosystem-Ansatzes: Die erfolgreichsten Unternehmen werden das Teilen von Abläufen und Fachwissen durch ein optimales Gleichgewicht von gemeinsam genutzten und gemeinsam entwickelten Daten, Erkenntnissen und Anwendungen ergänzen.

Für jede Branche und jedes einzelne Unternehmen ist dieses Verhältnis anders. Im Laufe des letzten Jahres ist deutlich geworden, dass es für eine Organisation sehr schwierig ist, im Alleingang auf massive Umwälzungen zu reagieren, da es oft an Fähigkeiten, Wissen und operativen Kapazitäten mangelt. Branchenökosysteme spielen eine wichtige Rolle bei der Schließung dieser Lücken, und das erkennen auch zunehmend führende Unternehmen.


Weitere Informationen über den Ansatz der gemeinsamen Nutzung von Abläufen und Expertise,  drei Anwendungsbeispiele für diesen Ansatz sowie seine Bedeutung für das Future of Industry Ecosystems-Framework finden Sie in IDCs neuem, kostenlosem eBook “Future of Industry Ecosystems“.

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