Experte Florian Winkler im Interview: Das sind die 3 Erfolgsfaktoren für die Cloud

von Katja Schmalen

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Erfolgsfaktoren, die Unternehmen unbedingt berücksichtigen müssen, um die Cloud richtig aufzusetzen oder zu optimieren? Unter anderem das wollten wir anlässlich der Vorstellung der neuen IDC Studie  „Cloud-Infrastrukturen und Cloud-Architekturen in Deutschland 2021“ von Florian Winkler, Chief Executive Officer bei NTT Global Data Centers EMEA wissen.

IDC: Cloud Computing ist im Jahr 2021 in den Unternehmen angekommen. Welche Themen sind aus Ihrer Perspektive in diesem Jahr besonders spannend und beachtenswert?

Cloud Computing Studie IDC_Interview mit Florian Winkler NTTFlorian Winkler: 2020 mussten die Unternehmen in kürzester Zeit das Arbeiten aus dem Homeoffice ermöglichen. Was lag hier näher als eine Cloud-Lösung? Spannend war es dabei zu sehen, wie die Akzeptanz der Cloud-Lösungen durch die praktischen Erfahrungen insgesamt gestiegen ist. Die Vorteile im täglichen Arbeiten führten bei vielen Firmen zu der Entscheidung, die Digitalisierung und die Cloud-Strategie voranzutreiben und zu optimieren.

2021 kam es nicht zur Rolle rückwärts, sondern zum Sprung nach vorne. Wir spüren das deutlich an der hohen Nachfrage in unseren sicheren Rechenzentren innerhalb der NTT Global Data Centers EMEA, hören das aber gleichermaßen von unseren Kollegen der anderen Geschäftsbereiche von NTT in Bezug auf IT- und Security-Services.

IDC: Sie sprechen tagtäglich mit Ihren Kunden über die bestmögliche Nutzung von IT. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Erfolgsfaktoren, die Unternehmen unbedingt berücksichtigen müssen, um die Cloud richtig aufzusetzen oder zu optimieren?

Florian Winkler: Erstens Bestandsaufnahme und Strategie. Grundlegend notwendig ist eine Bestandsaufnahme der Tools und Services, die die Unternehmen bereits nutzen bzw. zukünftig in Anspruch nehmen wollen. Abhängig von der Sensitivität der Daten und der Menge an Informationen muss definiert werden, welche Daten in welchem Umfang sinnvoll in die Cloud ausgelagert werden können. Dann wird festgelegt, welche Art Cloud genutzt wird: Public, Private oder Hybrid Cloud.

Zweitens Sicherheit, denn ein wesentlicher Bestandteil der Cloud-Strategie ist ein dediziertes Sicherheitskonzept. Die Infrastruktur muss so gewählt werden, dass die Daten vor unerlaubtem Zugriff oder Sabotage geschützt werden und der kontinuierliche Betrieb der Infrastruktur gewährleistet wird. Hier sprechen wir von Konzepten für den redundanten Zugang zur Cloud ebenso wie über Desaster Recovery.

Und drittens der Standort für die verbleibende Legacy IT. Denn bei allem Enthusiasmus um Cloud-Lösungen werden zahlreiche Legacy-Systeme in eigener Regie betrieben. Ist die Distanz zum jeweiligen Cloud Connect zu groß, werden Anwendungen durch die Latenzen verlangsamt, die Produktivität leidet. Diese Erfahrungen sammelten zahlreiche Kunden, bevor sie in einem unserer Colocation-Rechenzentren einzogen. Zudem zeigen die jüngsten Umweltkatastrophen, wie schwierig es ist, Daten in einem unternehmenseigenen Rechenzentrum zuverlässig zu schützen. Hier bietet das Hybrid-Data-Center-Konzept, bei dem Infrastruktur im eigenen Unternehmensrechenzentrum mit Infrastruktur in einem hochverfügbaren Colocation-Rechenzentrum mit Cloud-Connect-Lösungen kombiniert wird, klare Vorteile.

IDC: Das Rechenzentrum und die Cloud verzahnen sich immer stärker miteinander. Viele Entscheider verfolgen in diesem Zusammenhang einen Cloud-First-Ansatz. Wie bewerten Sie diese Sichtweise?

Florian Winkler: Aus unserer Sicht ist Cloud First der richtige Weg. Es hat sich gerade in den letzten Monaten gezeigt, wie wertvoll es ist, unabhängig von Zeit und Raum auf Daten zugreifen zu können. Allerdings sprechen wir nicht nur von der Nutzung der Public-Cloud-Angebote, sondern auch von Private-Cloud-Modellen. Entscheidend beim Cloud-First-Ansatz ist der sichere und zuverlässige Betrieb der Infrastruktur.

IDC: Mit welchen Cloud-Angeboten unterstützen Sie IT-Organisationen und Fachbereichs-IT in den Unternehmen im Detail?

Florian Winkler: NTT Global Data Centers bietet hochverfügbare, vernetzte und sichere Rechenzentren in der ganzen Welt an – NTT Digital Backbone. Unternehmen erhalten hier einen geschützten Raum für ihre IT-Infrastruktur, kombiniert mit dem direkten Zugang zu einer Vielzahl an Cloud-Angeboten. Gleichzeitig hält NTT den Status eines weltweiten Tier-1-Netzwerk-Service-Providers und liefert umfassende IT-Services, darunter Managed Cloud Services. Auf dem Weg hin zu einer umfassenden Cloud-Lösung profitieren die Kunden von diesem ganzheitlichen Ansatz von NTT: Sie erhalten schlüssige Konzepte, eine zuverlässige Umsetzung und das umfassende Management der IT-Infrastruktur in hochverfügbaren Rechenzentren.

IDC: Werfen wir einen Blick voraus: Wie wird die Nutzung von IT-Ressourcen in den nächsten zwei bis drei Jahren idealerweise aussehen? Welche Rolle spielen Cloud und  Edge dabei? Welche Themen sehen Sie hier?

Florian Winkler: Die Datenmengen steigen – getrieben durch Anwendungen wie Internet of Things (IoT), Machine Learning und Robotics, aber auch Smart Cities – weiter an. Gleichzeitig bietet 5G neue Optionen, diese Daten zu nutzen. Cloud-Lösungen bleiben aus unserer Sicht die erste Wahl, um den wachsenden Bedarf an IT-Ressourcen zu decken. Doch gerade für Anwendungen wie IoT oder autonomes Fahren wird Edge Computing, sprich die schnelle, lokale Verarbeitung der Daten am Rand des Netzwerks getrieben durch 5G, spannend. Es gilt einerseits, die Kapazität der vorhandenen Rechenzentren zu erhöhen. Andererseits ist die Lokation der Rechenzentren für den Anwender kritisch, so dass die Standorte auf Regionen bzw. Länder verteilt werden sollten.

Für uns heißt das konkret, wir planen bis 2023 den weltweiten Ausbau der NTT-Rechenzentrumsfläche um 20 % in über 20 Ländern. Allein in der EMEA-Region entstehen aktuell 10 weitere Rechenzentren. Speziell bei den Neubauten ist die Nachhaltigkeit zentrales Thema. So setzen wir beispielsweise im neuen Rechenzentrum München 2 auf eine innovative Grundwasserkühlung, nutzen Abwärme zum Heizen und Schwemmbecken zur Entlastung der Kanalisation.

 


Case Study: matrix technology GmbH

Die matrix technology GmbH setzte in der Vergangenheit auf nur ein Colocation-Rechenzentrum als Partner. Um die Sicherheit der IT-Infrastruktur weiter zu erhöhen, entschied sich das Unternehmen für eine Multi-Provider-Strategie. Ein zweites Colocation-Rechenzentrum der Hochverfügbarkeits-Klasse 3 sollte in entsprechender Entfernung bezogen werden, um die Georedundanz zu sichern. Wie die Herausforderung adressiert wurde, lesen Sie in der Case Study.

IDC Studie Cloud Computing in Deutschland 2021

 

Das könnte Sie auch interessieren