Experte Frank Siewert über intellligente Prozessautomatisierung: Das A und O ist eine gute Vorbereitung

von Katja Schmalen

In welchen Unternehmensbereichen kann Automatisierung die digitale Transformation am besten unterstützen und warum sollten sich Unternehmen gerade jetzt besonders intensiv damit beschäftigen? Das und mehr hat uns Frank Siewert, Vorstand Sales und Presales Consulting bei Comparch anlässlich der Vorstellung der IDC Studie “Intelligent Process Automation in Deutschland 2022” im Interview verraten.

IDC: Automatisierung in den unterschiedlichen Facetten gibt es schon viele Jahre. Sie steht immer wieder ganz oben auf der Agenda. Warum sollten sich Unternehmen gerade jetzt mit diesem Thema beschäftigen?

Frank Siewert: Heute sind Unternehmen mit der doppelten Herausforderung konfrontiert, dass alles schneller werden muss bei gleichzeitig steigender Komplexität. Wer es schafft, hier anzusetzen, kann gleich auf mehreren Ebenen wichtige Vorteile erzielen: Kostensenkung, Zeitersparnis durch schnellere Abläufe, Qualitätssteigerung und mehr Nachhaltigkeit. Zudem wird auch das Kundenerlebnis durch Automatisierung auf ein neues Level gehoben. Mittlerweile sind die technischen Voraussetzungen gegeben und breit verfügbar, um Probleme ganzheitlich mit IOT und Sensorik zu lösen. Zudem hat auch der Individualisierungsbedarf zugenommen: So erfordert der Markt immer kleinere Ausprägungsmengen, auch die Kunden haben ein Bedürfnis nach immer individuelleren Lösungen.

In welchen Unternehmensbereichen kann Automatisierung die digitale Transformation am besten unterstützen?

Frank Siewert: An erster Stelle denkt man bei Automatisierung an Verbesserungen der Prozesse in der Produktion, da hier ein besonders hohes Potenzial gegeben ist, schneller, günstiger und individueller zu fertigen. Dabei sollten jedoch auf keinen Fall die Möglichkeiten übersehen werden, die sich in anderen Bereichen auftun. Mit Blick auf den Kunden lassen sich Vertriebsprozesse optimieren und automatisieren, z. B. durch ein besseres Verständnis und eine smarte Führung des Kunden durch die eigene Produktwelt.

Die Auswertung von professionellen KI-Order-Sätzen bietet wiederum Mehrwerte für den Kunden, da sich dessen Wünsche und Anforderungen tiefer verstehen lassen. Daraus resultiert wiederum eine bessere Kommunikation und Kundenbindung sowie die Möglichkeit, auch weiterführende Service- oder Wartungsleistungen und Kundenerlebnisse ins eigene Angebot aufzunehmen. Mit diesen präsenten Services werden die Produkte nachhaltiger. Kundenbeziehungen lassen sich folglich umfassender und langfristiger führen. Auch im Bereich der Verwaltung bietet die Automatisierung mit Workflows große Potenziale.

Sie sprechen kontinuierlich mit Entscheidern. Was sind die wichtigsten technologischen und Prozess-Herausforderungen, die bei Automatisierungsprojekten gelöst werden müssen? Wo sollten Entscheider beginnen?

Frank Siewert: Zuerst gilt es, sich neu zu justieren. In den letzten Jahren war der Wandel so tiefgreifend, dass viele „gelernte“ Vorbehalte hinsichtlich Kosten oder Komplexität heutzutage nicht mehr zu halten sind: Es hat sich einiges getan und daraus resultiert eine breite Palette von Möglichkeiten, Prozesse zu verbessern. Dies hat auch die technologische Herausforderung verändert. Heute sind IT-Systeme vernetzt, sie sprechen miteinander. Auch ältere Maschinen sind davon nicht ausgenommen, sie können im Rahmen eines Retrofit nachträglich smart aufgerüstet und dann eingebunden werden.

Diese neuen Technologie-Bausteine müssen auch mit den klassischen Prozesstools wie ERP vernetzt werden. Basis dafür ist eine moderne, internetbasierte ERP-Plattform. Dabei sollte man sich aber nicht in der Vielfalt der Möglichkeiten und in Details verlieren, sondern strategisch und Schritt für Schritt vorgehen. Basis ist die Frage: Was bringt mein Unternehmen weiter, wo kann ich einen ROI erzielen? Wir  beraten auch anhand von entsprechenden Beispielen mit Bestandskunden, was den Blick für mögliche Vorgehensweisen schärft.

Welche sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Erfolgsfaktoren für eine umfassende Automatisierung?

Frank Siewert: A und O ist eine gute Vorbereitung: Man sollte sich umfassend informieren, was möglich ist und was davon man wirklich braucht. Dies sollte mit Blick auf die strategische Ausrichtung und begleitet von ausführlicher Beratung durch Experten und Infos aus verschiedenen Quellen umgesetzt werden. Weiter sollten Unternehmen möglichst alle Prozesse durch die Brille der eigenen Kunden betrachten. Die Frage, was sich der Kunde wirklich wünscht und wie sich Prozesse für Kunden vereinfachen lassen, ist zentral. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Zusammenarbeit mit einem IT-Anbieter mit breitem Portfolio, da so eine nachhaltige Modernisierung ermöglicht wird. Wir bieten die unterschiedlichsten Lösungen aus einer Hand, wie ERP, IOT, Industrie 4.0, Handel 4.0 und vieles mehr.

Werfen wir einen Blick voraus: Wie stark wird die Automatisierung in den Unternehmen in den nächsten zwei bis drei Jahren vorangeschritten sein?

Frank Siewert: in Blick in die Zukunft ist immer ein Blick in die Glaskugel. Idealerweise wird Deutschland enorm fortgeschritten sein in Sachen Automatisierung. Dabei gibt es andere Länder, die schon weiter sind, da sie offener und daher schneller mit dem Wandel umgehen. Unternehmen im deutschsprachigen Raum sind dagegen eher bedachter. Wenn hier aber Entscheidungen getroffen werden, dann wird das Thema sehr intensiv verfolgt. Auf Unternehmerseite ist das Thema Automatisierung schon angekommen, was sich in der Automatisierung vieler Prozesse zeigt. Gleichzeitig sind die Verbraucher in mancher Hinsicht zögerlicher. Aber auch hier ist ein Wandel hin zu mehr Digitalisierung und Automatisierung festzustellen.

 


Case Study: AVT

Allied Vision Technologies (AVT) ist ein global aufgestelltes Produktionsunternehmen für industriell einsetzbare Kameras. Das Unternehmen wollte,  dass alle Niederlassungen über ein einziges ERP-System steuerbar sind. Dies erfordert ein System mit ausgeprägter Multisite-Fähigkeit. Zudem gibt es für Hightech-Unternehmen notwendige Funktionalitäten: Stücklisten-Tiefe, Strukturierung, Gültigkeitsdaten, Versionen, Rückverfolgbarkeit und Seriennummer-Verwaltung von Bauteilen werden im ERP abgebildet. 

Wie das Unternehmen diese Herausforderung adressiert hat, lesen Sie in der folgenden Case Study.

 

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