Experte Peter Stanjeck im Interview: Cloud Services müssen aktiv überwacht werden, um die Kostenfalle zu vermeiden

von Katja Schmalen

Das Rechenzentrum und die Cloud verzahnen sich immer stärker miteinander. Viele Entscheider verfolgen in diesem Zusammenhang einen Cloud-First-Ansatz. Wie Peter Stanjeck, Senior Vice President und Geschäftsführer bei USU, diese Entwicklung bewertet, hat er uns exklusiv bei der Vorstellung der neuen IDC Studie  „Cloud-Infrastrukturen und Cloud-Architekturen in Deutschland 2021“ verraten.

IDC: Cloud Computing ist im Jahr 2021 in den Unternehmen angekommen. Welche Themen sind aus Ihrer Perspektive in diesem Jahr besonders spannend und beachtenswert?

USU Chef Peter Stanjeck im InterviewPeter Stanjeck: Unsere Erfahrung zeigt, dass Cloud Services Unternehmen mittlerweile in einem Maß durchdringen, das es schwierig macht, diese nebenher zu orchestrieren, zu kontrollieren und zu managen. Entscheider*innen sehen sich mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert, die die Effizienz des IT-Betriebs beeinträchtigen. Längst haben sie sich auf den Weg gemacht, diesen mit Maßnahmen zu begegnen. Wir stellen fest, dass ein überwiegender Teil der Unternehmen hierzu neue Software Tools für das Cloud Management beschaffen möchte, um Transparenz über die Cloud-Nutzung herzustellen, die explodierenden Cloud-Kosten in den Griff zu bekommen und den ungesteuerten Wildwuchs zu verhindern.

IDC: Sie sprechen tagtäglich mit Ihren Kunden über die bestmögliche Nutzung von IT. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Erfolgsfaktoren, die Unternehmen unbedingt berücksichtigen müssen, um die Cloud richtig aufzusetzen oder zu optimieren?

Peter Stanjeck: Um tatsächlich Kostenvorteile zu erzielen, muss vor jeder Migration der Business Case überprüft werden. Grundsätzlich ist es vorteilhaft, einen Multi-Provider-Ansatz zu fahren, d. h. je nach Einsatzzweck den günstigsten Provider und das beste Betriebsmodell auszuwählen – Reserved- vs. On-demand-Instanzen. Bei Migrationen sollte man auch berücksichtigen, ob die Technologie der zu migrierenden Anwendung überhaupt die Nutzung der flexiblen Cloud-Skalierungsmöglichkeiten und damit auch deren Kostenvorteile ausnutzen kann.

In der Praxis gibt es häufig Cloud Services, die einmal bereitgestellt, aber nicht kontinuierlich genutzt werden. Das erzeugt unnötige Kosten. Die Cloud Services müssen also aktiv überwacht werden, um diese Kostenfallen zu vermeiden.

Letztlich spielen bei der Nutzung von Cloud Services auch Faktoren wie Datensicherheit und Datenschutz eine Rolle. Welche Daten dürfen aufgrund gesetzlicher Vorgaben in der Cloud gespeichert werden? Entsprechende Vorgaben sollten im Vorfeld in Governance-Richtlinien festgezurrt werden. Wenn Cloud Services dann nur noch über den firmeneigenen IT-Service-Shop bezogen werden können, kann man die Einhaltung dieser Vorgaben auch erzwingen.

IDC: Das Rechenzentrum und die Cloud verzahnen sich immer stärker miteinander. Viele Entscheider verfolgen in diesem Zusammenhang einen Cloud-First-Ansatz. Wie bewerten Sie diese Sichtweise?

Peter Stanjeck: Wenn der Betrieb in der Cloud Vorteile bringt, ist dagegen nichts einzuwenden. Unsere Erfahrungen zeigen aber, dass Unternehmen noch eine ganze Weile mit hybriden Umgebungen rechnen, ihr Rechenzentrum also nicht so schnell aufgeben wollen. Das hat vielfältige Gründe. Manchmal ist die Auslagerung geschäftskritischer Daten in die Cloud untersagt. Häufig erlauben auch Altsysteme, die im eigenen RZ betrieben werden, aufgrund der monolithischen Architektur keine flexible Skalierung und damit auch keinen kostengünstigen Cloud-Betrieb. Ein reiner Lift-and-Shift-Ansatz ohne Anpassung der Technologie kann dann mit Mehrkosten verbunden sein. Und manchmal ist das eigene RZ einfach noch zu neu, um es abzuschalten. Der Cloud-Anteil wird zwar kontinuierlich wachsen, der hybride Betrieb wird uns aber noch viele Jahre erhalten bleiben.

IDC: Mit welchen Cloud-Angeboten unterstützen Sie IT-Organisationen und Fachbereichs-IT in den Unternehmen im Detail?

Peter Stanjeck: USU ist ein ganzheitlicher Anbieter von Software-Lösungen und Managed Services für das IT Service Management. Speziell für den Cloud-Betrieb bieten wir Lösungen für das Cloud Lifecycle Management, also die Verwaltung von Cloud-Ressourcen über den gesamten Lebenszyklus von der Beantragung über die automatisierte Bereitstellung und den Betrieb bis hin zur Abschaltung. Unsere Software für das Cloud Discovery identifiziert automatisch genutzte Cloud-Ressourcen bei Public- und Private-Cloud-Anbietern und verschafft somit Transparenz über sämtliche genutzte Cloud Services. Die USU-Software für das Cloud License Management hilft, die Lizenzkosten zu überwachen, die Lizenz-Compliance sicherzustellen und für Audits der Hersteller vorbereitet zu sein.

Ein weiterer Schwerpunkt stellt die Kostenoptimierung durch die Identifizierung der günstigsten Lizenzmodelle, des License Reharvesting und der Nutzung von Bring-your-own-License-Rechten (BYOL), dar. Unsere Software für das Cloud Monitoring ermöglicht die automatisierte Überwachung einzelner Cloud-Ressourcen (inkl. Container) sowie kompletter Business Services und das End-to-End-Monitoring aus Anwenderperspektive. Außerdem erkennt die USU Software, welche Cloud-Ressourcen zwar bezahlt, allerdings nicht aktiv genutzt werden. Und last, but not least unterstützt unsere Software auch das Cloud Financial Management mit der Planung, dem Controlling, der Verrechnung und der Vorhersage (Forecast) von Cloud-Kosten.

IDC: Werfen wir einen Blick voraus: Wie wird die Nutzung von IT-Ressourcen in den nächsten zwei bis drei Jahren idealerweise aussehen? Welche Rolle spielen Cloud und Edge dabei? Welche Themen sehen Sie hier?

Peter Stanjeck: Der Anteil der Workloads, die Firmen in der Cloud betreiben, wird immer weiter wachsen, und das eigene RZ wird immer weiter schrumpfen. Wie erwähnt ist das aber ein langsamer Prozess, der sich noch über viele Jahre hinziehen wird. Das Edge-Computing wird sicherlich auch ein großes Wachstum ausweisen, weil eben nicht nur autonom fahrende Fahrzeuge, sondern auch Maschinen, Anlagen, Home Automation und weitere Konsumgüter über immer mehr Rechenpower verfügen und ihre Daten in die Cloud senden.

 

 

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