Fabian Walder im Interview: Nachhaltige Beschaffung geht einher mit Innovation

von Katja Schmalen

Worauf Unternehmen insbesondere bei nachhaltigeren Beschaffungsstrategien achten sollten, hat uns Fabian Walder,  Head of Enterprise Business bei Samsung Electronics anlässlich der Vorstellung der IDC Studie “IT & Sustainability in Deutschland 2022” im Interview verraten.

IDC: Noch vor wenigen Jahren galt Nachhaltigkeit als ein „Nice-to-have“ – diese Perspektive haben viele Unternehmen mittlerweile komplett revidiert. Inwiefern haben Sie den Aspekt der Nachhaltigkeit in Ihren Produkten und Dienstleistungen berücksichtigt?

Fabian Waldner: Nachhaltigkeit ist für Samsung kein neues Thema – bereits 1992 hat das Unternehmen konkrete Umweltschutzrichtlinien entwickelt, die fortlaufend erweitert wurden. Nachhaltigkeit ist auch ein Thema für unsere Produktinnovationen und Produktionsprozesse, für die Energienutzung sowie die Langlebigkeit, die Wiederverwertung und sichere Entsorgung von Produkten am Ende ihres Lebenszyklus.

2022 steht das Thema Nachhaltigkeit oben auf der Agenda, wie Jong-Hee Han, unser Vice Chairman und CEO, zuletzt auch auf seiner Keynote der CES 2022 betonte. Konkret bedeutet das, dass wir unter anderem entlang der gesamten Produktionsprozesse unserer Bildschirme und mobilen Geräte CO2-Emissionen reduzieren möchten. Eine neue Generation unserer von Carbon Trust zertifizierten Speicherchips half im vergangenen Jahr, die CO2-Emissionen um fast 700.000 Tonnen zu senken. Geplant ist auch, bis 2025 alle Fernseher und Ladestationen für Mobiltelefone nahezu ohne Standby-Energie zu betreiben.

Elektroschrott ist eine weitere große Herausforderung. Seit 2009 sammelt Samsung den Elektroschrott seiner Kunden – über fünf Millionen Tonnen sind in dieser Zeit zusammenkommen. Für mobile Produkte hat Samsung im vergangenen Jahr die Initiative „Galaxy for the Planet“ ins Leben gerufen – eine Plattform, die helfen soll, den ökologischen Fußabdruck der Geräte während ihres gesamten Lebenszyklus zu reduzieren.

Zudem sind Samsung Produkte auf eine hohe Lebens- und lange Nutzungsdauer mit bis zu 5 Jahren Sicherheitsupdate-Zyklen ausgelegt. Vermarktungsmodelle wie Device-as-a-Service legen darüber hinaus die Basis für eine bedarfsgerechte Nutzung sowie Wiedervermarktung und das Recycling der Geräte.

Was aus den Gesprächen mit Ihren Kunden über Nachhaltigkeit sind die größten Herausforderungen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsinitiativen?

Fabian Walder: Die Erfahrungen sind unterschiedlich. Großkunden aus der Industrie haben in der Regel die Relevanz des Themas erkannt und beschäftigen sich meist schon länger damit. Die allermeisten haben bereits Richtlinien und Bestimmungen für Nachhaltigkeit verabschiedet. Allerdings sind die damit verbundenen Ziele und der Stellenwert des Themas in den Unternehmen und Organisationen unterschiedlich ausgeprägt. Dieser Vielfalt immer wieder gerecht zu werden, ist eine Herausforderung, ebenso wie die oft zu eng gesetzten Zeithorizonte für die Realisierung.

Die Produktion neuer Hardware ist eine große Belastung für die Umwelt. Auch die Lebenszyklen der Hardware spielen dabei eine wichtige Rolle. Worauf sollten Unternehmen bei nachhaltigeren Beschaffungsstrategien achten, ohne dabei ins technologische Hintertreffen zu geraten?

Fabian Walder: Nachhaltige Beschaffung geht fast schon automatisch einher mit Innovation. Nachhaltig können technologisch hochwertige, zuverlässige und robuste Produkte mit einer längeren Nutzungsdauer in Kombination mit einer möglichst ressourcenschonenden Verwertung sein. Weitere zentrale Kriterien sind Stromverbrauch bzw. Energieeffizienz sowie der CO2-Fußabdruck der Produkte. Ein Vergleich ist allerdings nicht immer einfach, weil es bis heute keine einheitlichen Standards gibt. Ein weiteres zentrales Kriterium ist ihr Stromverbrauch bzw. ihre Energieeffizienz. Unter die Lupe genommen werden sollte auch – zumindest bei der Produktherstellung – das Umwelt- und Energiemanagementsystem des Herstellers, ebenso wie seine Klimaschutzstrategie. Schließlich sollten die Kunststoffkomponenten gekennzeichnet sein und die Kartonagenverpackung zu einem hohen Anteil aus recyceltem Material bestehen.

Das Thema Nachhaltigkeit wird uns auch in den kommenden Jahren beschäftigen. Wie werden Sie zukünftig mit Ihren Kunden zusammenarbeiten, um gemeinsam zu mehr Nachhaltigkeit zu kommen?

Fabian Walder: Samsung ist überzeugt, dass Kollaboration und offene Innovationen Schlüsselfaktoren beim Kampf gegen den Klimawandel und für mehr Umweltschutz sind. Der fachliche Austausch, Entwicklungskooperationen und offene Systeme werden immer wichtiger, um bereits im Vorfeld von Produkteinführungen zu nachhaltigen Lösungen zu kommen. Daher legen wir unsere nachhaltigen Technologie-Entwicklungen, wie zum Beispiel die SolarCell Fernbedienung, offen für Partner und Kunden. <br>Darüber hinaus sollte auch immer die Festlegung von gemeinsamen Nachhaltigkeitszielen sowie die Identifikation von Verbesserungsmöglichkeiten, etwa bei der Materialzusammensetzung, im Auge behalten werden.

 

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