4 Fragen, 4 Antworten: Hannes Schwaderer über den Erfolg von Nachhaltigkeitsprojekten

von Katja Schmalen

Durch die voranschreitende Digitalisierung von Prozessen steigt unter anderem auch der Energiebedarf und damit der CO2-Fußabdruck der Unternehmen. Wie IT zu einem nachhaltigeren Unternehmen beitragen kann und welche Rolle die Mitarbeitenden dabei spielen, hat uns Hannes Schwaderer, Country Manager Germany bei Intel anlässlich der Vorstellung der IDC Studie “IT & Sustainability in Deutschland 2022” im Interview verraten.

IDC: Noch vor wenigen Jahren galt Nachhaltigkeit als ein „Nice-to-have“ – diese Perspektive haben viele Unternehmen mittlerweile komplett revidiert. Inwiefern haben Sie den Aspekt der Nachhaltigkeit in Ihren Produkten und Dienstleistungen berücksichtigt?

Hannes Schwaderer Intel von im InterviewHannes Schwaderer: Für uns ist Nachhaltigkeit weder ein neues noch ein „Nice-to-have“-Thema. Wir haben schon kurz nach der Jahrtausendwende freiwillig riesige Mengen Energie aus erneuerbaren Quellen bezogen, das Recycling unserer chemischen Abfälle ist seit Jahrzehnten im Fokus und im Jahr 2009 haben wir unseren Umgang mit sogenannten Konfliktmineralien von Grund auf neugestaltet. Wir wollen in Sachen Nachhaltigkeit eines der weltweit führenden Unternehmen sein. Letztlich sollen unsere Kunden dank unserer Anstrengungen und Produkte ihren Umweltfußabdruck verkleinern können.

Die RISE-2030-Strategie, kurz für Responsible, Inclusive, Sustainable und Enable, macht unseren ganzheitlichen Ansatz zur Nachhaltigkeit noch nachvollziehbarer. Dieser Ansatz umfasst Punkte wie Klima und Energie, Müllvermeidung, Reduktion des Wasserverbrauchs, Konfliktmineralien, Menschenrechte, Arbeitsschutz und Diversität. RISE 2030 ist eine ganzheitliche Strategie, die vom Einkauf über die Produktion bis hin zur Entwicklung umweltfreundlicherer Produkte sämtliche Aspekte unseres Geschäfts umfasst. Uns ist bewusst, dass wir im Alleingang niemals den angestrebten Einfluss auf die Gesellschaft haben können. Daher binden wir unsere Zulieferer ebenso in RISE 2030 ein wie unsere Kunden und andere Stakeholder.

Was aus den Gesprächen mit Ihren Kunden über Nachhaltigkeit sind die größten Herausforderungen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsinitiativen?

Hannes Schwaderer: Unserer Erfahrung nach sind die zentralen Herausforderungen unserer Kunden das Recycling von Altgeräten, der Energieverbrauch von Rechenzentren und der CO2-Fußabdruck. Produkte wie Prozessoren oder Motherboards fallen unter Elektroschrottverordnungen. Daher arbeiten wir mit ihnen sowie mit OEM-Partnern und Händlern an Lösungen zum Umgang mit Altgeräten. Zudem bedenken wir die Folgen für die Umwelt bereits beim Design unserer Produkte. Fehlt es an gesetzlichen Regelungen, erarbeiten wir mit Lieferanten und Kunden Öko-Design-Standards oder Selbstverpflichtungen, um beispielsweise den Einsatz toxischer Flammschutzhemmer zu vermeiden.

Unseren eigenen CO2-Fußabdruck wollen wir unter anderem durch das Speisen sämtlicher Produktionsprozesse mit Strom aus erneuerbaren Quellen verkleinern. Für Rechenzentrumsbetreiber bieten wir Produkte, die die Infrastruktur besser auslasten und so die Energieeffizienz verbessern. Laut Studien sollen Rechenzentren im Jahr 2030 gut 20 % der weltweiten Energieaufnahme ausmachen. Optimierte Rechenzentrumstechnik hat daher einen riesigen Stellenwert.

Der Erfolg von Nachhaltigkeitsprojekten steht und fällt mit der Motivation der Mitarbeitenden sämtlicher beteiligter Unternehmen. Intel motiviert die eigene Belegschaft seit Jahren, Vorschläge für solche Projekte zu machen. Außerdem sind die Gehälter von Management und Belegschaft an Nachhaltigkeitsziele gekoppelt.

Durch die voranschreitende Digitalisierung von Prozessen steigt unter anderem auch der Energiebedarf und damit der CO2-Fußabdruck der Unternehmen. Wie kann die Informationstechnologie Ihrer Ansicht nach zu einem nachhaltigeren Unternehmen beitragen?

Hannes Schwaderer: Wichtige Schritte sind der Wechsel zum Cloud Computing und der Einsatz von IT in Wissenschaft und Gesundheitswesen. Ersteres hilft, weil Cloud-Infrastrukturen ressourceneffizienter und damit umweltfreundlicher zu betreiben sind als lokale Rechenzentren. Cloud-Provider wollen die jeweils energieeffizientesten Komponenten verwenden, diese mit so viel Strom wie möglich aus erneuerbaren Energien versorgen und besonders lastintensive Workloads zu den Tageszeiten abarbeiten, zu denen es am meisten nachhaltig produzierte Energie gibt.

Dazu kommt, dass Cloud-Anbieter ihre Infrastruktur besser auslasten können als Betreiber einzelner Rechenzentren. Wissenschaft ist der Schlüssel zum Lösen von Nachhaltigkeitsproblemen. Halbleiter sind unabdingbar für Künstliche Intelligenz und KI ist unabdingbar für Klima- oder Medizinforschung. IT-Produkte ermöglichen die Innovationen, die zum Lösen der dringlichsten Nachhaltigkeitsprobleme nötig sind.

Das Thema Nachhaltigkeit wird uns auch in den kommenden Jahren beschäftigen. Wie werden Sie zukünftig mit Ihren Kunden zusammenarbeiten, um gemeinsam zu mehr Nachhaltigkeit zu kommen?

Hannes Schwaderer: Überaus relevant ist das Erreichen von Carbon-Neutral-Computing, das wir im Zusammenspiel mit Kunden bis zum Jahr 2030 anstreben. Hierzu müssen unsere Anwender IT-Produkte mit erneuerbaren Energiequellen speisen und diese Produkte möglichst lange einsetzen – und Komponenten-Produzenten und ihre OEMs müssen ihre Produkte so CO2-arm wie möglich herstellen. Außerdem wollen wir unseren eigenen Energie- und Wasserbedarf drastisch senken. Dank der hierzu entwickelten Innovationen können wir Expertise und Lösungen mit Dritten teilen – mit dem Ziel, dass Regierungen, Nicht-Regierungsorganisationen oder unsere Kunden ihren eigenen CO2-Fußabdruck verkleinern können.

Zudem messen wir unsere Lieferanten an den gleichen Standards, denen wir uns selbst unterwerfen. So sind entlang der gesamten Lieferkette Menschenrechte zu wahren, egal, wo diese Menschen beschäftigt sind. Wir gehen auch gegen Zwangsarbeit vor und haben so die Rückzahlung von über 20 Millionen US-Dollar erreicht, die Lieferanten zu Unrecht von Angestellten verlangt haben. Natürlich arbeiten wir mit unseren Zulieferern auch an Umwelt- und Wasserschutz, Müllreduzierung, Einsatz umweltverträglicher Chemikalien und suchen nach Möglichkeiten, eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren.

 

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