Im Rampenlicht: Wie die IT ihre neue Position im Unternehmen ausbauen kann – Teil 2

von Katja Schmalen

Die IT steht – dank Corona – mehr denn je im Rampenlicht. In unserer neuen Artikelserie wollen wir Impulse geben, wie die IT-Abteilungen ihre frisch gewonnene Position in ihren Unternehmen festigen können. Während es im ersten Teil um die Disziplinen IT-Grundversorgung und Support Services ging, beschäftigt sich dieser Beitrag mit Projektpartnerschaft, IT-Security und der Frage, wie die IT eine mentale Führungsrolle übernehmen kann.

Disziplin #3: Die IT als genereller Projektpartner

Häufig müssen Unternehmensbereiche neue Software-Anwendungen einführen oder Upgrades an bestehender, intern entwickelter Software vornehmen. Wenn der IT in der heutigen Cloud-dominierten Welt kein Vertrauen entgegengebracht oder in ihrem Einsatz kein Nutzen gesehen wird, lässt man sie häufig außen vor – die Verantwortlichen wenden sich dann nicht selten direkt an die Anbieter von Cloud-Anwendungen. Dieser Aspekt hat unter anderem zur Einführung und Aufstieg des Chief Digital Officers (CDO) als Teil des internen Marketings geführt. Historisch gesehen gab es wenig Bestrebungen für das Marketing, eng mit der IT zusammenzuarbeiten – wozu auch? Daher gab es nur in wenigen Fällen enge Bindungen zwischen der IT und anderen Fachabteilungen.

Generell sind Projekte wegen ihrer häufig hohen Sichtbarkeit und des Einflusses auf die Geschäftsentwicklung ebenfalls ein zweischneidiges Schwert. Erfolgreich abgeschlossene Projekte steigert die Reputation der IT in den Augen der Auftraggeber und erhöht deren Einfluss. Projektmisserfolge haben doppelt-negative Folgen: Sie schwächen das Ansehen und verhindern einen zweiten Versuch, weil zukünftig Projekte logischerweise gleich an Cloud- oder Drittanbieter vergeben werden.

Diszipin #4: IT-Sicherheit gewährleisten

IT-Sicherheit ist von größter Bedeutung, und es ist aus einer Reihe von speziellen Gründen eine Herausforderung für IT-Führungskräfte:

  • Erfolgreiche Sicherheit ist nicht offensichtlich. Es kann schwierig sein, den Unterschied zwischen purem Glück, nicht angegriffen worden zu sein, und starken Sicherheitsvorkehrungen zu erklären.
  • Es braucht nur einen erfolgreichen Angriff, der den CIO im besten Fall nur das Vertrauen des Unternehmens, im schlimmsten Fall aber auch den Job kostet.
  • Gelder und Ressourcen für sicherheitsrelevante Funktionen werden leicht als Budget-Kürzungen zuungunsten von businessrelevanten Projekten betrachtet und weniger als Risikoabsicherung gegen Angriffe.
  • Externe IT-Prüfer, Prüfinstitutionen oder sogar ein CISO können außerhalb der IT-Abteilung Probleme aufwerfen, die Situationen gegebenenfalls überbewerten oder gar verschlimmern, die der CIO selbst anders bewertet – was zu Verwirrung und Zweifeln an der IT führen kann.

Disziplin #5: Mentale Führung übernehmen

Wenn die Dinge in den vier vorigen Disziplinen gut laufen, kann die IT eventuell auch als technischer und Business-Ratgeber fungieren, die über den rein technischen Bereich hinausgehen und sich auf neue Geschäftschancen und mögliche Folgen beziehen. Mit anderen Worten: Der CIO sitzt auch am Tisch, wenn es um Geschäftsstrategien und -entscheidungen geht. Der Einfluss und die Vordenkerrolle des CIO beruhen jedoch nicht allein auf seiner Fähigkeit und der des IT-Teams, die vier zuvor besprochenen Aktivitäten dauerhaft fehlerfrei zu gewährleisten.

Gerade auch die Einstellungen des oberen Managements, insbesondere des CEO, haben einen großen Einfluss auf das Standing des CIO innerhalb des Unternehmens, auf die Finanzierung und die Reputation der IT in den unteren Organisationsebenen. Dies lässt sich am besten anhand der folgenden Punkte beurteilen:

  • Die Ausstattung der IT mit Finanzmitteln im Vergleich zu anderen Unternehmensteilen
  • An wen der CIO berichtet (CEO, COO, CFO, etc.)
  • Ob die Firma eher Vorreiter oder Nachzügler bei neuer Technologie ist
  • Ob Technologie eher als strategischer Vorteil oder als notwendiges Übel begriffen wird
  • Das Niveau der Technologie-Ausgaben im Vergleich zu anderen Unternehmen der Branche
  • Ob die Rolle des CISO und CDO außerhalb der IT angesiedelt ist

Wenn der CEO und andere Führungskräfte in der Firma die Bedeutung von Technologie gering einschätzen, können die besten CIO- und IT-Mitarbeiter dieses Manko nicht überwinden. Dazu braucht es einen Wechsel in der Unternehmensführung, disruptive Kräfte in der Branche, den Verlust von Marktanteilen an einen technisch weiterentwickelten Konkurrenten oder die entsprechende Kundennachfrage.

Wie wichtig die Persönlichkeit des CIOs dabei ist und welche Maßnahmen der IT dabei helfen,  ihren Einfluss beim CIO und in der gesamten IT-Organisation aufrechtzuerhalten und zu verstärken, lesen Sie im dritten und letzten Teil unserer Artikelserie.

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