Industrial IoT: Ohne Mensch und Maschine als Einheit im digitalen Prozess geht es nicht

von Katja Schmalen

Anlässlich der Vorstellung der neuen IDC Studie zu Industrial IoT in Deutschland 2020+ haben wir uns kürzlich mit Lukas Baur, Vice President IoT bei TeamViewer Germany, darüber ausgetauscht, was aus seiner Erfahrung heraus unabdingbar für erfolgreiche IIoT-Projekte ist.

IDC: Unternehmen und Anbieter konnten in den letzten Jahren viel Erfahrung bei der Umsetzung von IIoT-Projekten sammeln. Was macht aus Ihrer Sicht IIoT-Projekte besonders erfolgreich und wie tragen Sie zum Erfolg der Projekte Ihrer Kunden bei?

Lukas Baur: Einen Mehrwert bringen IIoT-Projekte meist dann, wenn sich Mensch und Maschine in ihrem digitalen Prozess als Einheit betrachten. Somit erfolgt eine erfolgreiche Digitalisierung der Produktion, sobald beide Faktoren zusammenfinden, um optimale Arbeitsabläufe und die maximale Produktivität zu garantieren. Das klassische IoT-Konzept umfasst die „Dinge“ in der realen Welt, welche Informationen produzieren und in der digitalen Welt miteinander interagieren. Der Mensch trifft Entscheidungen, basierend auf den Daten, und interagiert in der realen Welt mit der Maschine. TeamViewer bietet eine ganzheitliche Lösung und verbindet beide Welten.

Mittels Augmented Reality bietet TeamViewer eine ganzheitliche Lösung zur Unterstützung der Arbeiter. Echtzeit-Maschinendaten und Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Beheben von Problemen steigern die Effizienz und senken die Fehlerrate beim Beheben von Unregelmäßigkeiten. Dies hat einen enormen Einfluss auf die Qualität und Sicherheit der Mitarbeiter. Eine Verifizierung jedes Arbeitsschritts kann automatisch dokumentiert werden und ist auditierbar. So fließen Informationen zurück in den Prozess und der Kreislauf schließt sich. Echtzeit-Maschinendaten, Mensch, Arbeiter und Experte werden zu integralen Lösungsbestandteilen.

IDC: Edge Computing ist wegen seiner vielen Anwendungsfälle insbesondere im Industrial IoT einer der großen Technologietrends. Welche Empfehlungen zur Ausrichtung ihrer Edge-Strategie geben Sie Ihren Kunden, auch in Bezug auf verschiedene Cloud-Betriebsmodelle?

Baur: Je nach Anwendungsfall bieten sowohl stärker Edge-zentrierte Lösungen als auch Cloud-basierte Modelle ihre Vorteile. In vielen Anwendungsfällen ist es von Vorteil, die Datenverarbeitung direkt auf dem Edge-Gerät durchzuführen und Reaktionszeiten und Datenvolumen zu verringern. Container und Virtualisierung haben ein größeres Potenzial von Edge-basierten Lösungen freigesetzt. Durch Container Management kann Software sehr flexibel eingesetzt werden, ohne auf den vollen Zugriff auf Betriebssystemebene angewiesen zu sein.

In anderen Szenarien dominieren weiterhin Cloud-basierte Modelle aufgrund von Größenvorteilen bei Verarbeitung, Speicherung usw. für eine ganzheitlichere Digitalisierung von Geschäftsprozessen. TeamViewer IoT bietet eine Cloud-Lösung, die sowohl die Konnektivität und den Zugriff zu den Anlagen als auch eine Weiterverarbeitung der Daten erlaubt. Eine nahtlose Integration in ITSM-, MES- und ERP-Systeme ist problemlos möglich.

IDC: Bei der Vernetzung von industriellen Anlagen, insbesondere auch bei Edge-Anwendungen außerhalb der physischen Unternehmensgrenzen, hat IT-Security eine hohe Relevanz. Mit welchen Mitteln unterstützen Sie Ihre Kunden bei der Absicherung ihrer IIoT-Umgebungen?

Baur: Sicherheit ist für uns von höchster Bedeutung. Der Datentransfer ist immer Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Dabei werden fortschrittliche SSL-ähnliche Verschlüsselungsverfahren genutzt. Die gesamte Infrastruktur wird in einem 24/7 Operation Center überwacht. Zusätzlich sind die Accounts gesichert. Es stehen verschiedene Authentifizierungsschlüssel zur Verfügung, um sich in einem User Account einzuloggen. Beispielsweise die so genannten Trusted Devices, die es ausschließlich ermöglichen, sich nur am bestätigten Gerät einzuloggen. Darüber hinaus kann der Zugriff über eine Schlüsselschalterlösung abgesichert werden und durch eine zusätzliche manuelle Bestätigung des Anwenders (Zwei-Faktor-Authentifizierung) autorisiert werden.

IDC: Daten sind Enabler für neue IIoT-Geschäftsmodelle, können aber auch ein Hindernis für die erfolgreiche Umsetzung sein, wenn Kunden die falschen Daten oder am falschen Ort analysieren. Welchen Beitrag leisten Ihre Lösungen für eine effektive und effiziente Datenverarbeitung?

Baur: Unstrukturierte Daten und verschiedene Analysewerkzeuge erschweren die Datenanalyse und -verwertung. Informationen müssen in unterschiedlichen Arbeitsprozessen nutzbar gemacht werden, um eine effektive und effiziente Datenverarbeitung zu garantieren. Demnach können durch unsere Lösung verschiedene Netzwerke und Plattformen genutzt werden, um Daten zu erheben. Diese werden über das globale Netzwerk erfasst, bereinigt und mittels moderner KI- und ML-Algorithmen aufgewertet und dem Betrieb schließlich zur Verfügung gestellt.

Im gleichen Sinne ist der Faktor Mensch entscheidend in der erfolgreichen Nutzung der Daten. Die sachgemäße Interaktion zwischen Mensch und Maschine ermöglicht eine Erweiterung aktueller Ansätze wie Predictive Maintenance und ermöglicht neue Wege zur Steigerung der OEE (Operational Equipment Efficiency). Dadurch können kurze Amortisationszeiten realisiert werden. TeamViewer realisiert diese digitalen Arbeitsprozesse in Form von Predictive Maintenance und Augmented Reality und schafft damit einen neuen Grad der Automatisierung. Die effiziente Datenverarbeitung wird somit zur Grundlage der wirksamen Einbindung des Mitarbeiters in die maschinellen Prozesse.

IDC: IIoT-Anbieter präsentieren sich am Markt entweder als Generalisten oder als Spezialisten für einzelne Branchen oder Anwendungen. Wie planen Sie Ihr IIoT-Angebot in den kommenden Jahren weiterzuentwickeln?

Baur: TeamViewer IoT ist eine ganzheitliche Lösung. Wir verstehen uns als Integrationsebene. Unsere Spezialität ist die Anbindung, Steuerung und Überwachung von Anlagen und Maschinen unabhängig vom Anbieter. Somit können wir heterogene Brownfield-Infrastrukturen abdecken und sind in diesem Zusammenhang nicht auf einzelne Hersteller oder aktuelle Produktionsanlagen eingeschränkt. Wir unterstützen die gängigen Kommunikationsprotokolle der Industrie und können nahezu jede Anlage an unsere Infrastruktur anbinden.

Dies gibt uns die Freiheit, unsere Lösung auf nahezu jedem vertikalen Markt anzubieten. Die breite Skalierbarkeit von TeamViewer IoT hinsichtlich einsetzbarer Features, wie beispielsweise der Predictive Maintenance oder digitaler Zwillinge als Schnittstelle zur übersichtlichen Visualisierung und Steuerung, bietet ein hohes Potenzial zu Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen vieler Unternehmen der verschiedensten Branchen. Hierbei arbeiten wir mit hochspezialisierten OEM zusammen, aber auch mit Unternehmen, die eher generalistische Ansätze benötigen.

 


Case Study: KELCH GmbH

Die KELCH GmbH aus Weinstadt bei Stuttgart bietet Peripherie und Dienstleistungen für Hersteller  und  Anwender von Werkzeugmaschinen für die zerspanende Fertigung. Ein Ausfall ihrer Messgeräte bedeutet, dass Werkzeuge nicht verwendet werden können und es zu teuren Stillstandszeiten kommt. Daher legt das Unternehmen höchsten Wert auf langfristige Zuverlässigkeit, bei der Mechanik wie auch der Software. Der Support von 10.000 Mess- und Einstellgeräten via Telefon und Vor-Ort-Besuchen sollte einem modernen System mit Möglichkeiten für Zugriff, Fehlerbehebung und Alarmierung aus der Ferne weichen. Wie das Projekt umgesetzt wurde, erfahren Sie in dieser Case Study.

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