IT/OT-Konvergenz und die Cloud: Das sind die Top 3 Kriterien

von Katja Schmalen

Unternehmen müssen den Nutzen und Wert der Cloud evaluieren, um festzustellen, ob sie ein sicherer Ort für ihre betrieblichen Workloads ist.  IDC hat ein Framework entwickelt, das IT-Fachleuten dabei helfen kann, die Rolle jedes dieser Modelle für gängige industrielle Workloads zu bewerten, um die Komplexität der IT/OT-Konvergenz zu bewältigen.

Die digitale Transformation ist ein ansatzweise schwammiger und vielschichtiger Begriff, der in den letzten Jahren für jedes Unternehmen eine ganz eigene Bedeutung bekommen hat. Da verschiedene Branchen und Funktionen digitale Anwendungsfälle und Arbeitsmodelle verfolgen, haben sich im Laufe der Zeit Technologien und Architekturen herauskristallisiert, die am besten zur jeweiligen Geschäftsanforderungen passen. Für viele IT-Abteilungen, die mit der Umsetzung dieser Initiativen betraut sind, ist die digitale Transformation zum Synonym für die Cloud geworden. Laut der IDC-Studie “Future of Operations 2021” steht die Cloud bei den Investitionen von Unternehmen an erster Stelle, mit einem Vorsprung von fast 5 % gegenüber der zweithöchsten Priorität.

Unternehmen müssen jedoch aufpassen, dass sie nicht dieselbe Strategie, die sich für Wissensarbeit und Back-Office-Funktionen bewährt hat, auf Arbeitsumgebungen und Workloads in Bereichen wie Produktionsstätten, Bohrinseln, Versorgungsunternehmen und anderen anlagenintensiven Bereichen anwenden. IDC definiert „Operations“ als die Aktivitäten, die für die sichere, zuverlässige und effiziente Ausführung eines physischen Prozesses verantwortlich sind, der für das Geschäftsmodell eines Unternehmens von zentraler Bedeutung ist.

Zu diesen Prozessen gehören beispielsweise die Produktion von Waren oder Dienstleistungen, der Transport von Gütern oder Dienstleistungen wie die Wartung von Anlagen, Infrastruktur oder Einrichtungen. Im operativen Bereich kommen spezifische Überlegungen ins Spiel, die bei der Bewertung der Anwendbarkeit und des Werts der Cloud im Vergleich zu Hosting-Optionen am Edge oder vor Ort eine zentrale Rolle spielen müssen.

Cloud und Latenz

Betriebsumgebungen bestehen aus Automatisierungssystemen und voneinander abhängigen und miteinander verknüpften Anlagen. Seit Jahren besteht der Weg zu Wettbewerbsvorteilen wie Kosteneinsparungen und höherem Durchsatz in der Geschwindigkeit. Industrielle Steuersysteme und damit verbundene Prozesse und Anwendungen laufen im Millisekunden- und in einigen Fällen im Sub-Millisekundenbereich.

Ein Ausfall der Konnektivität innerhalb des Systems kann zu Ausschuss, Anlagenschäden und Sicherheitsrisiken führen. Auch wenn die Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit der Internetverbindungen zunimmt, muss die Latenzzeit bei der Bewertung der Realisierbarkeit eines betrieblichen Workloads, der auf die Cloud angewiesen ist, an erster Stelle stehen.

Cloud und Zuverlässigkeit

Cloud und Betriebssysteme in der IndustrieGenauso wie die Latenz ein Faktor ist, der ein hohes Risiko und hohe Ausfallkosten mit sich bringt, hat die Zuverlässigkeit eines bestimmten Systems dieselben schwerwiegenden Folgen. Dies ist einer der Gründe, warum die industriellen Automatisierungssysteme der Vergangenheit vertikal integriert und gegen den Einfluss externer Systeme abgeschottet waren. Während viele Systeme immer offener werden und Technologien wie die Containerisierung nutzen, um Flexibilität und eine einfache Fernverwaltung von Anwendungen und Arbeitslasten zu ermöglichen, müssen Unternehmen einsehen, dass es für einen solchen Ansatz eine gewisse Berechtigung gibt.

In einigen Fällen kann ein Workload durch die Verteilung auf verschiedene Geräte oder sogar durch eine Verbindung mit der Cloud zuverlässiger werden. In anderen Fällen kann dies das Unternehmen einem erheblichen Ausfallrisiko aussetzen. Diese Überlegungen müssen von Fall zu Fall in Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung bewertet werden.

Cloud und Sicherheit

Der operative Betrieb war in der Vergangenheit eine “Air-Gapped”-Umgebung, d. h. das Netzwerk war lokal und von den Unternehmensnetzwerken sowie dem Internet isoliert. Dies ist in den meisten Unternehmen nicht mehr der Fall, und die Cloud ist jetzt auf die eine oder andere Weise mit dem Unternehmen verbunden. So wie die IT-Abteilungen vor einigen Jahren aus Sicherheitsgründen der Cloud gegenüber misstrauisch waren, steht der operative Bereich an der Schwelle zu dieser Bewertung und ist risikoscheuer als andere Geschäftsbereiche, da die Kosten eines Ausfalls den Verlust von Leib und Leben oder die Gefährdung der öffentlichen Infrastruktur bedeuten können.

Es ist durchaus möglich, dass sich im Laufe der Zeit herausstellt, dass die Cloud ein sicherer Ort für viele betriebliche Arbeitslasten ist, doch für welche und zu welchem Zeitpunkt, bleibt eine dynamische Bewertung, die jedes Unternehmen individuell vornehmen muss.

Letztendlich werden sich alle zukünftigen Betriebsarchitekturen über das Hosting auf der Geräteebene erstrecken, verteilt auf Edge Devices wie Gateways und robuste Server und PCs, vor Ort in zentralen oder verteilten Serverräumen und in der Cloud – in vielen Fällen sogar in mehreren Clouds. Die IT-Abteilung steht also vor der Aufgabe, dieses System zusammenhängend zu gestalten und Lecks auf dem Weg dorthin zu flicken.  Eine nicht kleine Herausforderung, die es zu adressieren gilt.

Der Autor dieses Beitrags ist IDC Experte Jonathan Lang, Research Manager für Worldwide IT/OT Convergence Strategies.


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