Jens-Peter Feidner im Interview: Wie effizientere Rechenzentren zu einem nachhaltigeren Unternehmen beitragen können

von Katja Schmalen

Rechenzentren sind zentraler Bestandteil der Digitalisierungsstrategie der Unternehmen und haben einen hohen Energiebedarf. Wie effizientere Rechenzentren zu einem nachhaltigeren Unternehmen beitragen können, hat uns  Jens-Peter Feidner, Managing Director von Equinix Germany anlässlich der Vorstellung der IDC Studie “IT & Sustainability in Deutschland 2022” im Interview verraten.

IDC: Noch vor wenigen Jahren galt Nachhaltigkeit als ein „Nice-to-have“ – diese Perspektive haben viele Unternehmen mittlerweile komplett revidiert. Inwiefern haben Sie den Aspekt der Nachhaltigkeit in Ihren Produkten und Dienstleistungen berücksichtigt?

Jens-Peter Feidner von Equinix über Cloud und EdgeJens-Peter Feidner: Digitalisierung und Dekarbonisierung müssen Hand in Hand gehen. In unserer Branche möchten wir eine Vorreiterrolle bei Innovationen und Effizienzsteigerungen für besseren Klimaschutz einnehmen – sowohl bei neuen als auch bestehenden Rechenzentren. So haben wir dieses Jahr als erster Anbieter weltweite wissenschaftsbasierte Ziele bekannt gegeben und uns verpflichtet, bis 2030 klimaneutral zu werden. Zudem haben wir mit anderen Partnern im Januar den Climate Neutral Data Center Pact ins Leben gerufen, der diese Verpflichtung in Europa unterstreicht.

Darüber hinaus stammt der Strom, den wir für unsere deutschen Rechenzentren von unserem Versorger Mainova einkaufen, zu 100 % aus erneuerbaren Quellen. Dies garantiert seit 2014 ein Ökostrom-Zertifikat, das uns in Deutschland fast klimaneutral macht. Nachhaltigkeit endet für uns aber nicht beim Klimaschutz, sondern umfasst weitere wichtige Themen wie die Arbeitswelt und soziales Engagement. Die Ausbildung von Mitarbeiter*innen über alle Funktionen hinweg ist eine wichtige Grundlage für nachhaltiges Wachstum! Die Digitalbranche in Deutschland ist ein Jobmotor, der sichere und zukunftsfähige Karrieren bietet, auch und vor allem für Quereinsteiger. Als Ausbildungsbetrieb tragen wir aktiv zum nachhaltigen Wachstum des Digitalsektors bei und schaffen langfristige Perspektiven. Wir sehen uns auch den Gemeinden verpflichtet, in denen unsere Rechenzentren stehen, und unterstützen daher verschiedene soziale Projekte in Frankfurt und andernorts.

Was aus den Gesprächen mit Ihren Kunden über Nachhaltigkeit sind die größten Herausforderungen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsinitiativen?

Jens-Peter Feidner: Rechenzentrumsbetreiber stehen vor der Herausforderung, den nachhaltigen Betrieb von Rechenzentren zu gewährleisten und gleichzeitig die höchste Performance und Zuverlässigkeit unserer Services zu bewahren. Maßnahmen, welche bereits jetzt, aber auch in den kommenden Jahren an Aufmerksamkeit gewinnen werden, sind die Prüfung des großflächigen Einsatzes emissionsarmer Brennstoffzellen in der Primär- sowie Notstromversorgung sowie das Thema Abwärme. Als Teil der städtischen Wärmeversorgung sollte Abwärme aus Rechenzentren eine kostengünstige und nachhaltige Alternative zur konventionellen Wärme aus Kohle und Gas sein, allerdings wird der großflächige Einsatz oft noch durch fehlende Abnehmer aufgrund eines unzureichenden Netzausbaus sowie Unterschiede zur Netztemperatur erschwert. Hier ist in Zukunft eine engere Zusammenarbeit zwischen Betreibern und städtischen Entscheidern nötig. Wir selbst prüfen Optionen zur Nutzung der Abwärme unserer Rechenzentren in Nahwärmenetzen, um z. B. nahe gelegene Wohn- oder Industriegebiete zu versorgen.

So sinnvoll die Nutzung von Abwärme für die Gesellschaft ist, so hat diese Nutzung einen kleineren Effizienzeinfluss auf den Energiebedarf von Rechenzentren als gemeinhin gedacht. Deswegen arbeiten wir konstant daran, auch ohne Abwärmenutzung unsere Rechenzentren noch effizienter zu gestalten. Wir sehen beispielsweise bei der Kühlung von Rechenzentren in den nächsten Jahren weiteres Einsparpotenzial. Wir investieren kontinuierlich in die Entwicklung innovativer Lösungen und Technologien, etwa mit dem Einsatz von KI beim Monitoring des Betriebs und gezielter lokaler Kühlung statt von großen Datenhallen, um die Kühlleistung bedarfsgerecht zu optimieren. In Frankfurt haben wir zum Beispiel ein Pilotprojekt mit dem Darmstädter Start-up etalytics gestartet, das mittels KI-basierter Software die Kühlleistung im Rechenzentrum optimiert. Wir können bereits heute feststellen, dass die Equinix-Rechenzentren in Deutschland durch unsere Maßnahmen einen um 20–25 % geringeren Energiebedarf haben als der kolportierte Branchenschnitt.

Rechenzentren sind zentraler Bestandteil der Digitalisierungsstrategie der Unternehmen und haben einen hohen Energiebedarf. Wie (ggf. warum) können effizientere Rechenzentren zu einem nachhaltigeren Unternehmen beitragen?

Jens-Peter Feidner: Als Colocation-Anbieter leisten wir generell einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Digitalisierung, indem wir Kunden helfen, eigene Hardware einzusparen, Betriebskosten zu senken und die Energieeffizienz zu erhöhen. In den letzten Jahren hat sich schon einiges getan, insbesondere im Bereich der Energieeffizienz. Zahlen des Borderstep Instituts und des eco-Verbands zeigen, dass der Energiebedarf pro Gigabit in Rechenzentren inzwischen zwölfmal niedriger ist als im Jahr 2010, während sich der Bedarf an Rechenleistung im gleichen Zeitraum verzehnfacht hat. Vor allem der Wechsel von kleinen und meist ineffizienten unternehmenseigenen Rechenzentren hin zu hocheffizienten großen Rechenzentren trägt zu einer positiven Klimabilanz bei, da Colocation-Anbieter, die Kunden Server-Flächen zur Verfügung stellen, in der Regel weitaus effizienter im Betrieb sind, da sie Services bündeln und regelmäßig in umweltfreundliche Upgrades investieren.

Das Thema Nachhaltigkeit wird uns auch in den kommenden Jahren beschäftigen. Wie werden Sie zukünftig mit Ihren Kunden zusammenarbeiten, um gemeinsam zu mehr Nachhaltigkeit zu kommen?

Jens-Peter Feidner: Wir werden weiter in unsere Standorte investieren, um Kunden eine digitale Infrastruktur bereitzustellen, die den Grundstein für künftige Effizienzsteigerungen und digitale Innovationen legt. Unser globales Klimaziel sieht neben dem klimaneutralen Betrieb unserer Rechenzentren auch die deutliche Reduktion von Emissionen bei unseren Zulieferern vor. Zudem überprüfen und optimieren wir kontinuierlich das Design unserer Rechenzentren und investieren in Nachhaltigkeitsmaßnahmen, damit neue Anlagen nachhaltig und effizient betrieben werden können. Im Rahmen unseres Channel-Programms bieten wir Endkunden zusammen mit unseren Partnern maßgeschneiderte Infrastrukturlösungen, die es ihnen erlauben, eine hocheffiziente und leistungsstarke digitale Infrastruktur aufzubauen.

 


Case Study: Axians

Axians Deutschland ist Teil von VINCI Energies. Mit einem ganzheitlichen ICT-Portfolio unterstützt die Gruppe Unternehmen, Kommunen und öffentliche Einrichtungen, Netzbetreiber sowie Service Provider bei der Modernisierung ihrer digitalen Infrastrukturen und Lösungen. Das Unternehmen ist Teil von Equinix’ Partnerprogramm. Zusammen unterstützen Axians und Equinix Endkunden im Rahmen dieser Partnerschaft mit maßgeschneiderten ICT-Services.

Im Zuge der COVID-19-Pandemie ist der Bedarf an leistungsstarker digitaler Infrastruktur weiter gewachsen. Der massenhafte Wechsel zur Remote Work und zu Cloud Services erfordert den Zugang zu einem breit gefächerten digitalen Ökosystem mit Anbindung an führende Cloud- und Netzwerk-Provider. Gleichzeitig spielt die Nachhaltigkeit der IT eine immer zentralere Rolle für Unternehmen. Denn mehr Digitalisierung impliziert auch mehr Energieverbrauch, weshalb effiziente und klimafreundliche Lösungen gefragt sind.

IT & Sustainability Studie

 

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