Jens-Peter Feidner im Interview: Digitale Ökosysteme und Cloud Provider rücken immer näher an den Netzwerkrand

von Katja Schmalen

Mit Jens-Peter Feidner, Managing Director, Deutschland bei Equinix Germany GmbH, haben wir uns kürzlich anlässlich der Vorstellung der neuen IDC Studie  „Cloud-Infrastrukturen und Cloud-Architekturen in Deutschland 2021“ darüber ausgetauscht, was Cloud-Projekte aus seiner Sicht besonders erfolgreich machen.

IDC: Cloud Computing ist im Jahr 2021 in den Unternehmen angekommen. Welche Themen sind aus Ihrer Perspektive in diesem Jahr besonders spannend und beachtenswert?

Jens-Peter Feidner von Equinix über Cloud und EdgeJens-Peter Feidner: Besonders spannend ist das Thema Cloud-Konnektivität und -Interoperabilität. Hier sehen wir weiterhin einen wachsenden Bedarf an sicheren und direkten Anbindungsmöglichkeiten zu den führenden Providern. Wir arbeiten stetig am Ausbau unseres Verbindungsangebots zu Cloud-Anbietern sowie an der „Verzahnung“ dieser Services und investieren in die Weiterentwicklung unserer physischen und virtuellen Interconnection Services, wie z. B. Equinix Fabric.

Wir investieren außerdem im Rahmen eines Joint Ventures verstärkt in den Ausbau von Hyperscaler-Kapazitäten, um den Bedarf unserer Retail-Kunden für diese Services zu decken. So haben wir in Frankfurt den Bau von fünf Hyperscale-Rechenzentren angekündigt, wovon das erste im September in Betrieb genommen wird. Gerade die lokale Anbindung der Hyperscaler an unser digitales Ökosystem im benachbarten Colocation-Rechenzentrum schafft spannende neue Synergien zwischen der Cloud und Unternehmen.

IDC: Sie sprechen tagtäglich mit Ihren Kunden über die bestmögliche Nutzung von IT. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Erfolgsfaktoren, die Unternehmen unbedingt berücksichtigen müssen, um die Cloud richtig aufzusetzen oder zu optimieren?

Jens-Peter Feidner: Die drei wichtigsten Faktoren sind Sicherheit, Skalierbarkeit und Flexibilität. Je mehr IT in die Cloud bewegt wird, desto wichtiger wird es, sensible Daten vor externen Zugriffen zu schützen. Private Interconnection im Rechenzentrum bietet den Vorteil, dass Daten abseits des öffentlichen Internets übertragen und gespeichert werden und damit vor Cyberattacken oder Ausfällen viel besser geschützt sind.

Die Vernetzung mit lokalen Servern ermöglicht zudem, dass dies datenschutzkonform passiert. Bei rasch wachsenden Datenvolumen ist zudem die Skalierbarkeit der Cloud-Lösung enorm wichtig. Die private Cloud stößt hier schnell an ihre Grenzen. Daher sollten Unternehmen auf hybride Lösungen mit Cloud Services setzen, die sie bei Bedarf schnell aufstocken können. Grundlage dafür ist die Flexibilität bei der Anbieter-Wahl und dem Aufbau der Infrastruktur. Als Carrier-neutraler Betreiber bietet Equinix Kunden eine neutrale Plattform mit der größtmöglichen Bandbreite an Cloud Providern und Anbindungen zu 63 globalen Märkten.

IDC: Das Rechenzentrum und die Cloud verzahnen sich immer stärker miteinander. Viele Entscheider verfolgen in diesem Zusammenhang einen Cloud-First-Ansatz. Wie bewerten Sie diese Sichtweise?

Jens-Peter Feidner: Der Umstieg auf hybride und Multi-Cloud-Modelle erfordert ein Umdenken weg von einer zentralisierten IT hin zu einer verteilten und vernetzten IT-Architektur. Neben der Devise „Cloud-First“ sollte auch die der Cloud zugrundeliegende digitale Infrastruktur nicht aus dem Blick gelassen werden. Colocation-Rechenzentren bieten Unternehmen neben dem Zugang zu Cloud Services auch direkte Interconnection-Möglichkeiten zu Partnern, Kunden oder weiteren Services im Ökosystem an. Die Cloud ist eine wichtige Grundlage für die Digitalisierung, mit dem Prinzip „Interconnection-First“ lässt sich jedoch ein noch größerer Mehrwert realisieren, der die Cloud dabei mit umfasst.

IDC: Mit welchen Cloud-Angeboten unterstützen Sie IT-Organisationen und Fachbereichs-IT in den Unternehmen im Detail?

Jens-Peter Feidner: Wir bieten Kunden Interconnection Services an, die den direkten Datenaustausch mit Cloud Providern innerhalb unserer Rechenzentren ermöglichen. Das Kernstück bildet Platform Equinix, über die Zugang zu einem umfassenden Ökosystem aus tausenden Partnern, Cloud Providern und Services besteht. Darauf bauen unsere virtualisierten Dienste auf: Equinix Fabric ermöglicht es Kunden, ihre geographisch verteilten IT-Infrastrukturen miteinander zu verbinden und flexibel Daten sowohl zwischen verschiedenen Cloud-Anbietern als auch zwischen unseren Datacentern weltweit auszutauschen.

Der Dienst Network Edge erlaubt es, Netzwerke virtuell am Edge zu optimieren, und spart so Hardware und Investitionskosten ein. Ein Beispiel aus dem Hardware-Bereich ist die Bare-Metal-Anwendung Equinix Metal, mit der Kunden in kürzester Zeit eine physische Infrastruktur am Edge aufbauen können, um Cloud Deployments am Netzwerkrand zu beschleunigen. Abgerundet wird dies durch eine Vielzahl gemeinsamer Lösungen im Rahmen unseres Partner-Programms. Wir arbeiten im Channel eng mit Service Providern, Systemhäusern und Resellern zusammen, mit denen wir verschiedene maßgeschneiderte Cloud-Lösungen anbieten.

IDC: Werfen wir einen Blick voraus: Wie wird die Nutzung von IT-Ressourcen in den nächsten zwei bis drei Jahren idealerweise aussehen? Welche Rolle spielen  Cloud und Edge dabei? Welche Themen sehen Sie hier?

Jens-Peter Feidner: Die Cloud-Nachfrage wird auch in Zukunft nicht nachlassen und den weiteren Ausbau und die Diversifizierung der digitalen Infrastruktur vorantreiben. Im Kontext von IoT und 5G werden wir in den nächsten Jahren einen starken Ausbau von Edge-Kapazitäten erleben. In diesem Kontext rücken auch digitale Ökosysteme und Cloud Provider immer näher an den Netzwerkrand. Rechenzentrumsbetreiber wie Equinix reagieren darauf etwa mit modularisiert aufgebauten Rechenzentren, die auch in kleineren Städten gebaut werden. Daneben entstehen mehr große Hyperscaler-Rechenzentren, die auf die Anforderungen großer Cloud-Anbieter zugeschnitten sind.

 


Case Study: Arvato Systems

Aufgrund des zunehmenden Volumens und der Komplexität von DDoS-Angriffen (Distributed Denial of Service) musste Arvato Systems den Umfang des Schutzes seines Rechenzentrums und seiner Sicherheitsarchitektur ausbauen. Ein weiteres Ziel war es, die Ausfallsicherheit der Netzwerke und Systeme zu verbessern sowie die Administration der Hybrid-Cloud-Architekturen zu vereinfachen.. Wie die Herausforderung adressiert wurde, lesen Sie in der Case Study.

IDC Studie Cloud Computing in Deutschland 2021

 

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