KI: Der Umgang mit Daten entscheidet über die Zukunft von Unternehmen

von Katja Schmalen

Künstliche Intelligenz zählt derzeit zu den am intensivsten diskutierten Themen in den IT-Abteilungen, Fachbereichen und Führungsetagen. Die Vielfalt der Begriffe ist enorm. Hierzu zählen KI, AI, ML, kognitives Computing und RPA, um nur einige zu nennen. Wir haben uns mit Andreas Kunz, Director Product & Innovation bei Fusion Global Business Solutions (ehemals VIPCON)  zum Thema ausgetauscht.

IDC: Wie finden Unternehmen die richtige Lösung für ihre KI-Initiativen? Worauf müssen sie achten?

Andreas Kunz: Leider gibt es hier keine eindeutige Antwort. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Anwendung von Künstlicher Intelligenz in drei verschiedenen Ausprägungen stattfindet. Zunächst ist die Interaktion mit dem Menschen zu erwähnen. Durch den Einsatz von Chatbots können Service- und Bestellprozesse für den Anwender vereinfacht und das Fulfillment automatisiert werden. Stand heute müssen Unternehmen in diesem Einsatzgebiet vor allem darauf achten, dass ein Eingreifen bei einer derartigen Lösung durch den Menschen noch möglich und auch nötig ist. Weiterhin müssen beim Einsatz von Chatbots, und KI im Allgemeinen, die Anforderungen von Richtlinien und Regelwerken an den Umgang mit personenbezogenen Daten, beispielsweise der DSGVO, Beachtung finden.

Der zweite Einsatzbereich von Künstlicher Intelligenz betrifft das Analysieren und Auswerten von Daten oder Ereignissen und in der Folge das Erkennen von Regeln oder Anomalitäten. Hierzu werden häufig Massendaten verwendet, was einer massiven Rechenleistung bedarf. AI Ops ist hier eines der besten Beispiele: Events und Performance-Daten von Anwendungen oder ganzer Rechenzentren werden analysiert, um auf Basis erkannter Muster geeignete Maßnahmen einzuleiten. Dies stellt einen der interessantesten Einsatzbereiche von künstlicher Intelligenz dar, ist jedoch gleichzeitig auch der herausforderndste. So ist beispielsweise das Festlegen, welche Daten- bzw. Lernmenge notwendig ist, um zuverlässig Muster zu erkennen, herausfordernd und gleichzeitig maßgeblich für den Erfolg oder Misserfolg.

Der dritte Einsatzbereich von Künstlicher Intelligenz betrifft Bild, Video und Ton, wie das Erkennen und Vergleichen von Bildern. Ein Beispiel: automatisches Erkennen von Unterschriften oder Gesichtern zur Autorisierung von Geschäftsprozessen. Hier ist dann der Schritt zu KI-gesteuerter RPA nicht weit.

Alles in allem müssen Unternehmen die eingesetzten KI-Lösungen von den entsprechenden Rahmenbedingungen abhängig machen und einen klaren Umgang mit Fehlern definieren. Denn Künstliche Intelligenz ist nicht automatisch fehlerfrei und ein solcher Fehler kann gravierende Auswirkungen haben.

IDC: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Erfolgsfaktoren, die Firmen unbedingt berücksichtigen müssen, um mit KI richtig zu starten bzw. KI-Projekte erfolgreich weiterzuentwickeln?  

Kunz: Zunächst ist die Entscheidung für das geeignete Lernverfahren zu treffen, gefolgt von der richtigen Menge an Lerndaten und einer klaren Definition, wann das Ergebnis von Künstlicher Intelligenz verlässlich ist.

IDC: Woran scheitern Ihrer Erfahrung nach KI-Initiativen und warum?  

Kunz: Der wichtigste Punkt ist der Umgang mit Erwartungshaltungen. Die häufig nicht mit der Realität übereinstimmenden Vorstellungen und Erwartungen an die selbstlernende KI beeinflussen massiv die Bewertung des Projektaufwandes und der Projektergebnisse. Für ein erfolgreiches Projekt ist eine große Menge an Test- und Trainingsdaten notwendig. Weiterhin muss das System ständig überwacht und mit neuen Daten trainiert werden. Dieser kontinuierliche Prozess wird leider oft nicht eingeplant und unterschätzt, mit dem Ergebnis, dass sich das System in einer „Entscheidungsblase“ befindet, ohne neue Gegebenheiten zu berücksichtigen.

IDC: Mit welchen Angeboten unterstützen Sie IT-Organisationen und Fachbereiche im Detail?  

Kunz: Neben unserer On-Premise-Chatbot-Lösung zur Interaktion mit dem Kunden und Mitarbeitern können wir durch KI-unterstützte RPA-Lösungen und das Cognitive Service Management der Firma BMC Software schon heute erfolgreich KI bei Unternehmen etablieren. Neben den Lösungen bieten wir das notwendige Know-how, um Unternehmen bei der Entscheidungsfindung und Realisierung zu unterstützen.

IDC: Werfen wir einen Blick voraus: Welchen Risiken setzen sich diejenigen Unternehmen aus, die die aktuelle Entwicklung verschlafen und nicht auf KI setzen? 

Kunz: Unternehmen, die sich diesem Weg verschließen, werden auf kurz oder lang im Vergleich zu den unmittelbaren Mitbewerbern nicht mehr wettbewerbsfähig sein können. Es gibt schon heute kaum noch Innovationen in der IT, die ohne die Berücksichtigung oder Prüfung durch Künstliche Intelligenz auskommen. Das steigende Volumen an Daten wird ohne den Einsatz von KI nicht mehr zu bewältigen sein. Der erfolgreiche Umgang mit Daten wird über die Zukunft und den Erfolg von Unternehmen entscheiden.

IDC: Wir sagen “Dankeschön” für das interessante Gespräch, Herr Kunz!

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