Mondi-CIO Rainer Steffl im Interview: Das hybride Arbeiten wird bleiben

von Katja Schmalen

Auch schon vor der COVID-19-Pandemie haben Führungskräfte verstanden, welche Herausforderungen dynamische und räumlich verteilte Teams mit sich bringen. In vielen Fällen sind heute Technologien und Initiativen, die noch vor wenigen Monaten als „nice to have“ galten, entscheidend für die Geschäftskontinuität – aber vor allem aufgrund von Corona. Wir haben uns mit Mondi-CIO Rainer Steffl über das Next Normal der Arbeitswelt, Stolpersteine und sein wichtigstes Learning aus der Krise ausgetauscht.

Herr Steffl, erst einmal Glückwunsch, dass Mondi bis dato recht gut durch die Krise gekommen ist. Da haben Sie doch sicher in der IT Ihren Teil dazu beigetragen?

Rainer Steffl: Vorweg: Wie viele andere Industrien und Sektoren haben wir die Herausforderungen erlebt, die die Pandemie mit sich bringt. Während der gesamten Zeit ist es unsere Priorität, die Sicherheit unserer Mitarbeiterinnen zu schützen und die Kontinuität der Versorgung für unsere Kunden sicherzustellen. Zu Gute kommt uns, dass wir in den letzten 10 Jahren sehr konsequent in die IT sowie neueste Infrastruktur und Applikationen investiert haben.

IDC: Sie haben sich die Digitalisierung des Konzerns ganz oben auf die Agenda gesetzt. Sehen Sie die Krise als Treiber oder wirft sie die Pandemie in Ihrem Vorhaben zurück?

Steffl: Wie gesagt: Auch wir stehen vor den durch die Pandemie verursachten Herausforderungen. Ungeachtet dessen verfolgen wir unsere Pläne konsequent weiter. Wir sehen das auch als Möglichkeit, nach der Krise noch stärker zu sein.

Wenn Sie zurückschauen: Was war Ihr erster Gedanke, als klar wurde, dass sie einen Großteil der Belegschaft ins Home Office schicken müssen? Waren es Sicherheitsbedenken? Mangelnde Bandbreite, fehlende Colaboration Tools?

Steffl: Das wichtigste ist die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter! Das steht immer im Vordergrund. Moderne Technologien unterstützen uns dabei miteinander in Kontakt zu bleiben:  Wir haben die letzten Jahre schon auf Laptops, Video Kommunikation und flexible, aber auch sichere Infrastruktur gesetzt. Das hat sich ausgezahlt.

Wie haben Sie die Business Continuity sichergestellt in dieser Zeit? Wie sah es in der Produktion aus?

Steffl: Mondi produziert systemrelevante Produkte – Lebensmittelverpackungen, Hygieneprodukte, Verpackungen für den Online-Handel!  Eigene Krisenmanagementteams – sogenannte „multifunction response teams“ – sorgen dafür, dass aktuelle Entwicklungen genau beobachtet, Risiken bewertet, Empfehlungen entwickelt sowie vorbeugende Maßnahmen in Übereinstimmung mit den einzelnen staatlichen Vorschriften und Empfehlungen in den Ländern, in denen wir tätig sind, umgesetzt wurden.

Wie gut war Ihre Organisation darauf vorbereitet, neue Wege zu beschreiten und unter schwierigsten Bedingungen weiterzuarbeiten?

Steffl: Mondi ist ein sehr dynamisches Unternehmen. Ich glaube, durch diese Kultur haben wir zusätzliche Fähigkeiten entwickelt, um in einer Situation wie dieser schnell und wirksam zu handeln! In dieser herausfordernden Zeit packen alle mit an.

Gab es Prozesse, die Sie anpassen mussten, weil sie „remote“ einfach nicht funktioniert haben?

Steffl: Ja, wie beispielsweise die Elektronische Signatur. Das konnten wir allerdings rasch nachholen und damit auch diese Lücke schließen .

Wie sehen Sie das Next Normal der Arbeitswelt? Wie wird Arbeit ihrer Einschätzung nach in drei Monaten und in einem Jahr aussehen? Bei Mondi, aber auch anderswo?

Steffl: Ich glaube das hybride Arbeiten wird bleiben. Wir sehen derzeit, dass es gut funktioniert. Es  sind damit allerdings auch neue Herausforderungen verbunden, wie beispielsweise ein Team remote zu führen und dabei den Team-Spirit zu erhalten. Es bedarf klarer Regeln, um das Verschwimmen der Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben und damit mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit gut im Auge zu behalten.

Sie sind bekannt dafür, neuen Technologien gegenüber offen zu sein und wie man hört, treiben sie den Einsatz von KI bei sich im Unternehmen voran. Ist das Next Normal ohne KI überhaupt noch denkbar?

Steffl: Wir haben im Rahmen unserer Digitalisierungsstrategie in allen Bereichen „Reality Checks“ erfahren. Damit meine ich, dass wir zwar sehr viel weiterentwickelt haben, gleichzeitig auch sehen, dass sich derzeit nur einige KI-Anwendungen tatsächlich über den Piloten hinaus für einen sinnvollen Business Case eignen.

Haben Sie sich während der letzten Monate regelmäßig mit Ihren CIO Kollegen ausgetauscht? Wie wichtig ist dieser Wissenstransfer für Sie?

Ja, ich tausche mich regelmäßig mit den Kollegen aus – das ist mir sehr wichtig, da man dadurch sehr interessante Einblicke bekommt und auch sehr viel lernen kann. Einige Kollegen sind mittlerweile gute Freunde – und so macht der Austausch immer Spaß.

Was ist ist beruflich gesehen Ihr größtes Learning aus der Krise?

Steffl: Das wir ein unglaublich tolles Team haben, auf das man sich voll verlassen kann.

Wir danken Ihnen für den Austausch, Herr Steffl.

 


Bildrechte: Mondi/Rainer Steffl

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