Ran Sanghera im Interview: Digitalisierung kann einen sehr großen Beitrag leisten, nachhaltiges Wirtschaften zu fördern

von Katja Schmalen

Rechenzentren sind zentraler Bestandteil der Digitalisierungsstrategie der Unternehmen und haben einen hohen Energiebedarf. Wie effizientere Rechenzentren zu einem nachhaltigeren Unternehmen beitragen können, hat uns Randeep Sanghera, Head of Sustainability bei Ionos anlässlich der Vorstellung der IDC Studie “IT & Sustainability in Deutschland 2022” im Interview verraten.

IDC: Noch vor wenigen Jahren galt Nachhaltigkeit als ein „Nice-to-have“ – diese Perspektive haben viele Unternehmen mittlerweile komplett revidiert. Inwiefern haben Sie den Aspekt der Nachhaltigkeit in Ihren Produkten und Dienstleistungen berücksichtigt?

Ran Sanghera von Ionos im Interview über NachhaltigkeitRandeep Sanghera: Nachhaltigkeit hat viele Aspekte: Es geht dabei natürlich um Fragen des Umgangs mit Natur und Umwelt, aber auch darum, wie Unternehmen verantwortlich mit Mitarbeitern und Stakeholdern und in unserem Fall auch mit Daten im Rahmen der Digitalisierung umgehen.

Die Studienlage lässt erkennen, dass nachhaltige Unternehmen auch profitabler sind. Das liegt natürlich daran, dass ein nachhaltiges Wirtschaften weniger teure Ressourcen verbraucht. Es gibt aber noch andere Aspekte: Gesetzliche Vorgaben lassen sich einfacher erfüllen, was Compliance-Risiken reduziert. Nicht zuletzt hilft es auch im War for Talents. Arbeitnehmer erwarten heutzutage von ihrem Arbeitgeber Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Gesellschaft. Zudem spielt das Thema auch bei Investoren, Kunden oder bei Ausschreibungen öffentlicher Auftraggeber eine immer größer werdende Rolle.

Entsprechend haben wir uns dem Thema verschrieben. Als Teil unseres Engagements im Kampf gegen den Klimawandel nutzen wir– wo dies möglich ist – Energie aus erneuerbaren Quellen für den Betrieb der Rechenzentren. An allen anderen Standorten gleichen wir das emittierte CO2 per Zertifikate aus. Auch unsere Produktions- und Entsorgungsketten hierzulande sind konsequent auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Im Jahr 2020 konnten wir z. B. durch das verantwortungsvolle Recycling von alten Servern und Bürogeräten mehr als 973 Tonnen CO2 einsparen.

In Sachen digitaler Verantwortung spielt Datenschutz eine große Rolle. Als deutscher Cloud-Anbieter sind wir zu 100 % DSGVO-konform. Zusätzlich engagieren wir uns stark bei Gaia-X, welches ein Daten-Ökosystem auf Basis europäischer Werte schaffen wird..

Was aus den Gesprächen mit Ihren Kunden über Nachhaltigkeit sind die größten Herausforderungen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsinitiativen?

Sanghera:  Wir haben im vergangenen Jahr einige unserer Kunden befragt, wie wichtig ihnen das Thema Nachhaltigkeit bei der Auswahl eines Cloud- und Hosting-Providers ist. 76 Prozent der Befragten gaben an, dass sie das Thema als wichtig erachten. Jedoch wussten nur etwas mehr als ein Drittel der Befragten überhaupt, dass Ionos sich in dem Bereich engagiert. Es gibt also eine Kommunikationslücke. Für Kunden ist es insofern nicht einfach, herauszufinden, ob und wie sich Unternehmen nachhaltig aufstellen und wie ernst sie es damit meinen.

Zweitens sehen wir, dass Nachhaltigkeit fast ausschließlich mit Umwelt-Engagement gleichgesetzt wird. Dabei hat der Bereich noch sehr viel mehr Facetten. Und auch die gilt es engagiert und ehrlich anzugehen.

Rechenzentren sind zentraler Bestandteil der Digitalisierungsstrategie der Unternehmen und haben einen hohen Energiebedarf. Wie (ggf. warum) können effizientere Rechenzentren zu einem nachhaltigeren Unternehmen beitragen?

Sanghera:  Der Betrieb von Rechenzentren in Deutschland ist ein großer Energieverbraucher. Daher ist es natürlich wichtig, regenerative Energieträger einzusetzen und auch mit effizienten Rechenzentren-Designs für eine optimale Nutzung zu sorgen.

Auf der anderen Seite können Rechenzentren auch einen wichtigen Teil zur Lösung beitragen, sofern sie CO2-neutral betrieben werden. Sie verringern Doppelstrukturen. Nicht jedes Unternehmen und jede Behörde braucht heutzutage eine eigene IT-Infrastruktur. Vielmehr können sie ihre Daten und Workloads in die Cloud migrieren und sich dafür einen Lieferanten suchen, der nachhaltig arbeitet. Betreiber größerer Rechenzentren können das besser gewährleisten als kleinere Unternehmen, deren eigentliche Aufgabe nicht das Design und der Betrieb von Rechenzentren ist.

Das Thema Nachhaltigkeit wird uns auch in den kommenden Jahren beschäftigen. Wie werden Sie zukünftig mit Ihren Kunden zusammenarbeiten, um gemeinsam zu mehr Nachhaltigkeit zu kommen?

Sanghera:  Digitalisierung kann auch einen sehr großen Beitrag leisten, nachhaltiges Wirtschaften zu fördern. Gerade die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wir mittels Digitalisierung eine deutliche Entlastung der Umwelt erreichen können: Videokonferenzen und Homeoffice statt Dienstreisen und Pendelverkehr, virtuelle Konferenzen statt Flugreisen auf andere Kontinente. Aber gerade auch Anwendungen wie Künstliche Intelligenzen und Machine Learning können helfen, energieeffizient zu arbeiten. Ein Beispiel: Auf Basis von Machine-Learning-Algorithmen analysieren wir Daten, um den Ressourcenbedarf der Anwendungen unserer Kunden vorherzusagen. Dadurch minimieren wir Leerstände und sparen zwischen zehn und 20 % Energie ein.

All diese Erfahrungen können wir mit unseren Kunden weiterentwickeln. Einerseits, um gemeinsam den Betrieb des Kunden effizienter zu gestalten. Andererseits, um Innovationen des Kunden zum Leben zu erwecken. Auch hier habe ich ein konkretes Beispiel: Wir sind stark engagiert bei einem Projekt, das mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz und Big-Data-Analysen den perfekten Standort für Seegraswiesen ausfindig machen kann. Mit der Anpflanzung solcher Pflanzen unter Wasser können große Mengen an CO2 gespeichert werden.

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