Sechs Tipps: CIO-Strategien für das Next Normal

von Katja Schmalen

COVID-19 wird für den europäischen ITK-Sektor wegweisend. CIOs müssen die tiefgreifenden und langfristigen Auswirkungen der Krise auf ihre Strategie im Bereich der digitalen Technologie berücksichtigen. Die Umstände während der Pandemie haben große Veränderungen im Verhalten und der Investitionsbereitschaft der Anwender, in der Geschäftsabwicklung als solches und in der Interaktion der Gesellschaft nicht ganz freiwillig hervorgebracht. Diese strukturellen Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft werden bis mindestens 2025 anhalten. Letztendlich wird diese neue „aufstrebende Digital-Gesellschaft“ in der Zeit nach COVID-19 die Transformationsstrategien der Unternehmen untermauern und fördern. Zudem werden CIOs auch von der “neuen Normalität” profitieren, was die Paradigmen des Remote Operating und die standortunabhängige Gewinnung von neuen Technologie-Talenten betrifft.

IDC sieht eine Reihe von wichtigen Implikationen von COVID-19, die die digitale Strategie und Umsetzung von CIOs unweigerlich beeinflussen werden:

Die digitale Verhaltensrevolution. Vor allem wird COVID-19 zu einem Katalysator oder Beschleuniger der digitalen Transformation im IKT-Sektor werden. Die gute Nachricht ist, dass die auferlegten Maßnahmen Endanwender, Unternehmen und Regierungen dazu gezwungen haben, die Digitalisierung endlich auch anzunehmen.

Lockdowns, Remote-Arbeiten und -Aktivitäten sowie die eingeschränkte Bewegungsfreiheit haben eine große Nachfrage nach neuen Technologien und Dienstleistungen für die Digitalisierung von Geschäftsmodellen ausgelöst. Wir haben eine enorme Verbreitung und Inanspruchnahme von Online-Diensten (Online-Shopping, digitale Zahlungen, digitale Identitäten, digitale Kanäle) erlebt. Neue digitale Geschäftsmodelle entstanden innerhalb kürzester Zeit, wie z.B. im Bereich der Telemedizin, des Ambient Screening oder der Echtzeitanzeige von Krankenhausbetten.

Digitale Geschäftsmodell-Innovation: Bei der Planung ihrer digitalen Strategie bis 2025 erkennen die CIOs jedoch auch, dass die Digitalisierung nicht ohne neue Geschäftsmodelle funktionieren wird, wie z.B. die Umstellung auf digitale, ereignisgesteuerte Konsummodelle, die sich durch Transaktions-, Interaktions- und kognitive Abläufe auszeichnen.

Wir werden eine Beschleunigung neuer digitaler Industriezweige wie Multi-Tenancy-oder B2B2C  Geschäftsmodelle erleben… Gleichzeitig wird die Krise einige etablierte Wirtschaftszweige wie etwa den Einzelhandel, Fluggesellschaften, das Gastgewerbe oder die Veranstaltungsbranche) transformieren, wie z.B. das digitale Shopping, die Rückverfolgbarkeit von Sicherheitsvorkehrungen bei Pandemien, Video-Fernüberwachung, IoT Vernetzungenund Smart Cities.

Beschleunigung der Digitaltechnologie: Die oben erwähnte Verschmelzung neuer Geschäftsmodelle und Innovationen im Unternehmenssektor wird den Einsatz von KI, Cloud- und datengesteuerten Software-Verfahren mehr oder weniger erzwingen. Das Datenvolumen für Digital Services wird riesig sein, was die Bandbreiten-Upgrades der IT-Infrastruktur (Netzwerk, privates 5G-Netzwerk, Public Cloud) vorantreibt.

Die Konkurrenz von Internet- und OTT-Akteuren wie Google, Facebook, Amazon wird zunehmen, neue Technologien wie 5G, IoT und AI forcieren die Einführung der digitalen Wirtschaft bis 2021. CIOs müssen eine agile Führungsrolle übernehmen bei dem Versuch, ihr Unternehmen in der neuen Ära nach COVID-19 neu zu erfinden.

Die neue Art der Arbeit: Die flächendeckende Ausbreitung der Digitalisierung erfordert in erster Linie tiefgreifende Veränderungen im Geschäfts- und Betriebsmodell des Unternehmens, die mit den Fähigkeiten und dem organisatorischen Change Management verflochten sind. Die Art und Weise, wie man arbeitet sowie die Schaffung, Gestaltung und Bereitstellung von Diensten werden sehr viel näher am OTT-Modell liegen, bei dem die Art der Dienstleistungen eher transaktionaler und kognitiver Natur ist.

Remote Everywhere: Remote-Arbeit wird der wahrscheinlich größte strukturelle „Machtwechsel“ sein und in jedem Fall forbestehen. Sie wird sich als unsere “neue Normalität” etablieren: einige Unternehmen haben bereits angekündigt, sie zu einer dauerhaften Politik zu machen (z.B. Facebook). Während der COVID-19-Krise haben die Unternehmen innerhalb kürzester Zeit fast alle Aktivitäten ins Home-Office verlegt. Neue, innovative Collaborative Communication-Plattformen, Kommunikationslösungen und sichere VPN-Technologie sind entstanden. CIOs werden schnell erkennen, dass die Arbeit im Home-Office langfristig erhebliche skalierbare Auswirkungen auf Kosten und Effizienz haben.

Der standortunabhängige Zugang zu Fachkräften wird für viele Branchen die vielleicht größte Veränderung mit sich bringen, da sich Remote-Operationen etablieren werden (z.B. im Zusammenhang mit Cloud-Spezialisierung oder Remote-Softwareentwicklung). Unternehmen finden ihre digitalen Talente möglicherweise außerhalb ihrer Landes- oder Staatsgrenzen. In dem Maße, wie sich die Ortsunabhängigkeit etabliert, wird der Firmenstandort als solches eine immer untergeordnetere Rolle spielen.

Die Neugestaltung der Beziehungen zu externen Lieferanten zugunsten lokaler Lieferanten bzw.   Kundenbetreuungsteams wird an Bedeutung gewinnen, ebenso sehen wir eine Tendenz zum Insourcing. Zu den offensichtlichsten Veränderungen im Business gehören die Anpassung der Beschaffungskriterien für Lieferanten, die Verlagerung auf Near- und Local Shoring sowie digitale KPIs, die strategische Technologieinvestitionen unterstützen. Die Lieferanten müssen im gleichen Modus zusammen mit den Design- und Deploymentteams der internen Operationen arbeiten.

Smarte CIOs sollten sich auf diesem neuen digitalen Markt frühzeitig einen Vorteil verschaffen:

  1. Positionieren Sie sich als Innovator der digitalen Technologie, der sich immer vorwärts bewegt. Führen Sie eine neue “Normalität” ein, die verbesserte Automatisierung, Zusammenarbeit und Intelligenz bietet, untermauert durch umfassende, flächendeckende Konnektivität und fortschrittliche digitale Kundeninteraktion und Omni-Channel-Erfahrung.
  2. Etablieren Sie ein Planungs- und Umsetzungsteam für die Zeit nach COVID-19, das Erkenntnisse aus den Erfahrungen aus der Krise und den damit verbundenen Anforderungen an die digitale IT-Strategie zieht. Die multidisziplinären Teams bestehen dabei optimalerweise aus den Fachbereichen, IT und Netzwerk sowie HR.
  3. Arbeiten Sie in einem konstanten iterativen Innovations- und Inkubationsmodus, um der Entwicklung der Digitalisierung in der neuen Welt Rechnung zu tragen.
  4. Positionieren Sie sich in den neuen digitalen Wertschöpfungs-Ökosystemen in der von OTT dominierten digitalen Wirtschaft.
  5. Nutzen Sie vorkonfigurierte digitale Infrastrukturlösungen. Sie können dazu beitragen, die Operationalisierung und Monetarisierung in großem Maßstab zu beschleunigen und die OPEX zu senken.
  6. Denken Sie daran, anpassungsfähige Organisationsmodelle, die Entwicklung von Kompetenzen und das Management des kulturellen Wandels zu fördern, denn sie werden die wichtigsten Katalysatoren für CIOs sein, um in der neuen Ära eine agile Führung zu demonstrieren, die den Erfolg der digitalen Technologietransformation maßgeblich vorantreibt.

Die Autorin dieses Beitrags ist Martina Kurth, Research Thought Leader and Associate Vice President, Head of European Telco 2025 Research.

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