Betrieb, Wachstum, Transformation: So finden CIOs die richtige Balance im digitalen Zeitalter

von Katja Schmalen

IDC CIO Advisor Chris Weston teilt in seinem neusten Beitrag seine Gedanken dazu, wie IT-Entscheider das richtige Gleichgewicht herstellen können zwischen operativen Betrieb,  dem Wachstum und der Transformation des Unternehmens.

Führungskräfte stehen jeden Tag vor der Herausforderung, ihre Zeit und Energie in drei Bereichen zu priorisieren:

  • Das Tagesgeschäft, um sicherzustellen, dass die Kunden zufrieden sind und die Arbeit profitabel ist
  • Wachstumschancen, z. B. durch den Ausbau der bestehenden Kundenbasis, die Suche nach neuen Kunden in bestehenden Märkten oder die Expansion in neue Märkte
  • Umstrukturierung und Umgestaltung des Unternehmens, um die Kundenanforderungen besser zu erfüllen, Prozesse zu verbessern oder sogar die Vorteile neuer Technologien oder Anbieter auf dem Markt zu nutzen

Die IT-Welt hat diese drei Aspekte schon vor geraumer Zeit erkannt. Es hat sich die Auffassung durchgesetzt, dass CIOs ein Gleichgewicht zwischen diesen drei Punkten herstellen müssen, um das Unternehmen entsprechend zu unterstützen, aber zunehmend auch, um das Management über die effektivste Kombination dieser Bemühungen zu informieren – sei es durch Möglichkeiten der Effizienzsteigerung durch Automatisierung oder durch eine neue Technologie, die eine Expansion in angrenzende Märkte ermöglicht. Das Tempo des Wandels in jüngster Zeit hat jedoch – auch ohne die Auswirkungen der Corona-Pandemie – die Grenze zwischen den Investitionen in Wachstum und Transformation so verwischt, dass es fast töricht anmutet, vom einen ohne das andere zu sprechen.

Wachstum und Transformation: Warum das eine ohne das andere nicht geht

Unternehmen stellen fest, dass eine enge Integration mit ihren Lieferketten und Kunden nicht länger ein nettes Experiment ist, sondern zu einem wesentlichen Aspekt ihrer Wettbewerbsfähigkeit geworden ist. Das Wachstum eines Unternehmens erfordert neue Wege der Zusammenarbeit mit allen Beteiligten sowie die Nutzung sich rasch verändernder digitaler Kanäle, die zu einem ständigen Wandel führen. Es lohnt sich also, die eigene Situation dahingehend zu überprüfen und darüber nachzudenken, ob diese beiden Aspekte von Wachstum und Transformation getrennt oder eng miteinander verbunden sind.

Im Rahmen unserer Beratungstätigkeit bei IDC haben wir festgestellt, dass viele Unternehmen einen Produktmanagement-Ansatz wählen, um das Rätsel zu lösen, wie man diese beiden Aufgaben bewältigen kann. Das Produktmanagement konzentriert sich auf die Kundenbedürfnisse und hilft dabei, alle Stakeholder auf den tatsächlichen Nutzen eines Produkts auszurichten – unabhängig davon, ob es sich um ein internes System oder um etwas handelt, das von Kunden oder Lieferanten genutzt wird.

Wirklich gute Produktteams warten nicht darauf, dass ihnen die Anforderungen von oben vorgegeben werden. Sie arbeiten ständig mit allen Beteiligten zusammen, um zu verstehen, wie sich ihr Produkt weiterentwickeln lässt und erstellen die Business Cases für diese Aufgabe, um sowohl die Wachstums- als auch die Transformationsagenda für ihr Unternehmen zu unterstützen.

IDC CIO Advisor Weston über die Lösung des Puzzles Betrieb Wachstum Transformation

CIO Advisor Weston: Die Lösung liegt immer in der Priorisierung

Das ist natürlich nicht der einzige Weg, diese Aufgaben zu bewältigen, und es ist sicherlich kein Patentrezept. In traditionelleren Strukturen muss der CIO einen Schritt zurücktreten und offene Gespräche mit den Menschen führen, die er in allen Teilen des Unternehmens betreut, vom Endanwender mit Kundenkontakt bis hin zu den Kollegen auf C-Level, um wirklich zu verstehen, welche Auswirkungen und welchen Wert sein Run-Service hat und welche Möglichkeiten oder Anforderungen für Wachstum und Transformation bestehen.

Oftmals wird ein Unternehmen eine Strategie formulieren, die durch ein gewisses Finanzierungsvolumen gestützt wird, das von der IT genutzt werden kann. Umgekehrt sagen mir einige CIOs, dass sie nicht über das entsprechende Budget verfügen, um bestmöglich zu agieren, was ich durchaus nachvollziehen kann, da ich selbst schon in dieser Situation war. Die Lösung liegt immer in der Priorisierung, einem manchmal schmerzhaften Prozess, der sich aber auch nach dem tatsächlichen Wert der diskutierten Prioritäten richten muss – Basistechnologie ist oft unsexy, aber ohne sie können die glänzenden, kundenorientierten Investitionen ins leere Laufen und damit schnell ihren Reiz verlieren.

Es ist nicht immer möglich, die Herausforderung zur Zufriedenheit aller zu lösen

Wenn Sie mit diesem Spagat zu kämpfen haben, ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass Sie damit alles andere als ein Einzelfall sind und dass das Spannungsverhältnis zwischen diesen Anforderungen ein ganz natürlicher Bestandteil eines wachsenden und sich weiterentwickelnden Unternehmens ist. Es ist nicht immer möglich, die Herausforderung zur Zufriedenheit aller zu lösen. Um dieses Ziel zu erreichen oder sich ihm auch nur anzunähern, muss das gesamte Unternehmen und seine Führung zusammenarbeiten und sich auf einen gemeinsamen Plan und einen Zeitplan einigen, der umgesetzt werden soll. Ein erfolgreicher CIO kann der Katalysator für eine solche Einigung sein, indem er alle Fäden in seiner eigenen Roadmap zusammenführt.


Chris Weston, CIO Advisor bei IDC über Low-Code und No-CodeDer Autor dieses Beitrags ist Chris Weston, CIO Advisor bei IDC. Chris ist ein erfahrener IT-Leader und -Berater auf C-Level-Niveau. Die Umsetzung von Veränderungen in Unternehmen durch Technologie sind seine Passion. Der sympathische Brite hat mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Auswahl und Implementierung von Technologielösungen in vielen Industriezweigen und beschäftigt sich in jüngster Zeit intensiv mit  Zukunftstechnologien und Themen wie IoT, KI und Blockchain.

Mehr über seine Arbeit als CIO Advisor lesen Sie in diesem Beitrag.

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