So funktioniert Edge IT as a Service

von Katja Schmalen

Wie helfen Lösungsanbieter potenziellen Kunden, die sich bisher noch nicht mit Industrial IoT beschäftigt haben, dieses Thema anzugehen? Dazu haben wir uns anlässlich der Präsentation unserer Studie “Industrial IoT in Deutschland 2019/20” mit praxiserfahrenen Experten ausgetauscht. Dieses Mal mit uns im Dialog: Dr. Sebastian Ritz, Managing Director und André Theilig, Leiter Business Development von German Edge Cloud.

IDC: Industrial IoT hat in den letzten Monaten deutlich an Fahrt gewonnen. Wie helfen Sie Unternehmen, die sich bisher noch nicht mit Industrial IoT beschäftigt haben, dieses Thema anzugehen?

Dr. Sebastian Ritz: German Edge Cloud (GEC) möchte Industrial IoT jedem Industrieunternehmen so einfach wie möglich mittels einer All-in-One-Lösung zugänglich machen. Die Lösung beinhaltet eine komplette On-Premises-Edge-Infrastruktur – das bedeutet Rechenzentrum-Appliance mit IT-Hardware – sowie eine fertig vorbereitete industrielle Edge-Cloud-Plattform und die gewünschten industriellen IoT-Anwendungen. Die Lösung wird inkl. „Edge IT as a Service“ angeboten. Mit einer Bereitstellung der Edge Cloud on/near Shop-Floor bleiben alle gesammelten Daten vor Ort.

Der Kunde behält die volle Kontrolle und kann selbst entscheiden, ob und zu welchem Zweck die verarbeiteten Daten zu anderen Clouds oder Supply-Chain-Partnern gesandt werden. Datensouveränität ist ein großer Benefit der GEC-Lösung. Ein weiterer Vorteil: Die Daten können in Echtzeit verarbeitet werden und ermöglichen neue Technologien wie Virtual-/Augmented-Reality-Assistenzsysteme oder industrielle Analytics/KI, um Qualitätsverbesserung, Kosten- und Durchsatzoptimierung bis hin zu Straight Through Processing u. v. m. zu erzielen.

Im Detail beinhaltet die Lösung folgende Verarbeitungsschichten: Datenintegration, also vorbereitete Connectoren/Adaptoren, Datenharmonisierung und -aggregation, Datenanalyse und Datenvisualisierung. Ein starker Fokus liegt auf dem richtigen Datenmanagement. Connectivität, also die Integration der Daten aus unterschiedlichsten Datenquellen, ist in der Lösung optimal vorbereitet. Ebenfalls die Vorbereitung der Daten in einem verarbeitbaren, harmonisierten Zustand. Dies ist die Voraussetzung, um sie analysieren zu können. Die Analyse ist mittels vorkonfigurierter Industrial-Analytics-Lösungen von GEC oder von Partnern erhältlich. Das Datenmanagement ist mittels einer Integrationslösung und einer „Track & Trace-Lösung“ des Partners IoTOS realisiert. Damit der Kunde je nach Bedarf einzelne Daten in anderen Clouds oder auf anderen Supply-Chain-Plattformen bereitstellen kann, hat GEC mit der Fraunhofer-Gesellschaft den IDS (Industrial Data Space) integriert. So können z. B. die Digitalisierungsanforderungen in der Automobilindustrie bei voller Datensouveränität erfüllt werden.

GEC’s Industrial Edge Cloud Appliance ist offen gestaltet und bietet zudem eigene Data-Analytics- sowie KI-Anwendungen, arbeitet aber auch mit namhaften Industrie-Playern zusammen, die ebenfalls IIoT-Anwendungen auf der GEC-Plattform anbieten. Die standardisierte, voll gemanagte Lösung ist somit sicher, einfach, gesamtheitlich und sehr kostengünstig.

IDC: Wir haben festgestellt, dass viele IoT-Projekte nach der Proof-of-Concept-Phase (PoC-Phase) nicht weiterverfolgt werden. Was sind Ihrer Erfahrung nach wichtige Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung von Industrial-IoT-Initiativen und wie unterstützen Sie die Unternehmen dabei?

André Theilig: Daten-Integration sowie Daten-Harmonisierung sind die Voraussetzungen für die sinnvolle Datennutzung mittels intelligenter Industrial-Analytics-Anwendungen. Die Edge-Cloud-Infrastruktur ist somit für den Einsatz von IIoT- sowie KI-Anwendungen vorbereitet und optimiert. Eine gesamtheitliche, standardisierte Lösung inklusive vollem Service gemäß „Plug & Produce“ bietet Unternehmen den schnellen Einstieg und ermöglicht die einfache Umsetzung von IoT-Anwendungen.

IDC: Mit welchen Angeboten im Bereich Industrial IoT unterstützen Sie IT-Organisationen und Fachbereiche im Detail?

Dr. Ritz: GEC bietet Kunden und Partnern private Edge-Cloud-Infrastrukturen (IaaS), Plattformen für Datenanalyse (PaaS) und industriespezifische KI-Anwendungen (SaaS) als fertige Industrial Edge Cloud Appliance inklusive vollem Service. So werden Daten in vernetzten Fabriken schnell und einfach verfügbar gemacht und der Kunde hat die Datenhoheit. Mit Edge Computing kann die Verarbeitung der Datenmengen an den Rand der Cloud („Edge“) – verlagert werden, was die Verfügbarkeit von Daten in Echtzeit gewährleistet und z. B. die Voraussetzung für KI-Anwendungen ist.

IDC: Welche Vorteile sehen Ihre Kunden in der Praxis beim Einsatz von Industrial-IoT-Lösungen?

Theilig: Der Automatisierungsgrad in den Fabriken wird ständig erhöht, mittelfristig wird „Software Defined Production“ als Ziel der autonomen Produktion erreicht. Das GEC „Edge IT as a Service“-Angebot ist die Basis hierfür. GEC-Kunden sehen folgende Vorteile: Sie können Prozesse automatisieren und Engpässe erkennen, bevor sie entstehen. Daraus ergeben sich Kostenvorteile sowie neue Daten- und Service-basierte Geschäftsmodelle. Die Wertschöpfungskette wird um digitale Services erweitert: vom Produkt-Design über die Produktion bis hin zum fertigen Produkt und die spätere Kundennutzung. Wertschöpfung durch Daten ist der entscheidende Vorteil.

IDC: Werfen wir einen Blick in die Zukunft: IoT-Ökosysteme werden immer komplexer und umfassen viele Komponenten und eine Fülle von Daten. Wie positionieren Sie sich innerhalb solcher Ökosysteme und wie werden Sie Ihren Kunden helfen, diese Komplexität zu beherrschen?

Dr. Ritz: Bei unseren IoT-Produkten ist es uns besonders wichtig, dass unsere Kunden ihre Maschinendaten schnell und einfach nutzen können und dabei auf unsere nun fast fünfzehnjährige Expertise als deutsches Unternehmen mit umfangreicher Sicherheitsinfrastruktur vertrauen können. Unser benutzerfreundliches IoT-Dashboard hilft Unternehmen dabei, den Status und die Leistung von Maschinen in Echtzeit auszuwerten und auf die Endgeräte zuzugreifen. Als Software-Anbieter arbeiten wir allerdings auch an dem Aufbau unseres eigenen Ökosystems: Unser Produkt lässt sich beispielsweise problemlos in Plattformen von Drittanbietern integrieren. Des Weiteren arbeiten wir auf der Hardware-Seite mit namhaften Partnern wie zum Beispiel Bosch, Dell, Sys Tec oder GFR zusammen. Unsere Mission ist es, für unsere Kunden den Einstieg in die IIoT-Welt massiv zu erleichtern und dabei die höchsten Sicherheitsstandards zu gewährleisten.

IDC: Vielen Dank für den interessanten Austausch, die Herren!

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