IIoT-Projekte müssen nicht an der Proof-of-Concept-Phase scheitern

von Katja Schmalen

IoT-Ökosysteme werden immer komplexer und umfassen viele Komponenten und eine Fülle von Daten. Wie Microsoft sich innerhalb solcher Ökosysteme positioniert und seine Kunden unterstützt, diese Komplexität zu beherrschen, wollten wir von Sebastian Seutter, Industry Lead Manufacturing bei Microsoft wissen.

IDC: Industrial IoT hat in den letzten Monaten deutlich an Fahrt gewonnen. Wie helfen Sie Unternehmen, die sich bisher noch nicht mit Industrial IoT beschäftigt haben, dieses Thema anzugehen?

Sebastian Seutter: Es ist eine Mischung mehrerer Maßnahmen: Wir versuchen, Unternehmen von den Vorteilen einer vernetzten Produktion und von durchgehend digitalisierten Prozessen zu überzeugen, bei denen wertvolle Daten als Basis völlig neuer Erkenntnisse erzeugt werden. Diese „Insights“ bringen Unternehmen nach vorne, machen sie wettbewerbsfähig oder helfen ihnen, ihre Position am Markt zu halten. In diese Überzeugungsarbeit gehen wir mit einer sehr klaren Position: Ohne moderne, über die Cloud vernetzte Technologien sind zukunftsfähige Lösungen nicht möglich.

Bei der Entwicklung, der Implementierung und dem produktiven Einsatz dieser Technologien unterstützen wir die Unternehmen, egal, von wo aus sie starten. Wir bieten On-Premises- und Cloud-Lösungen ebenso an wie hybride Mischformen, die sich jeder vorhandenen IT-Infrastruktur und -Strategie anpassen, aber alle Möglichkeiten für eine tragfähige Weiterentwicklung bieten. Dafür können Unternehmen unseren umfassenden Technologie-Stack nutzen, der sie mit der notwendigen IT-Infrastruktur – „IaaS“ – ebenso ausstattet wie mit den Plattformen für die Entwicklung eigener Lösungen – „PaaS“ – und mit direkt einsetzbaren Services – „SaaS“ – für alle Anwendungen rund um das Internet der Dinge und Industrie 4.0.

IDC: Wir haben festgestellt, dass viele IoT-Projekte nach der Proof-of-Concept-Phase (PoC-Phase) nicht weiterverfolgt werden. Was sind Ihrer Erfahrung nach wichtige Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung von Industrial-IoT-Initiativen und wie unterstützen Sie die Unternehmen dabei?

Seutter: Microsoft hat im Juli 2019 in einem Forschungsbericht einen globalen Überblick über die Verbreitung des Internet of Things (IoT) in Unternehmen gegeben. Demnach führen immer mehr Unternehmen eigene IoT-Projekte durch. Die Akzeptanz in den Unternehmen ist also ein erster wichtiger Erfolgsfaktor. Darüber hinaus sehen wir bei den Unternehmen die Notwendigkeit, sich mit der Komplexität und der Sicherheit sowie mit der Implementierung von IoT-Lösungen umfassend auseinanderzusetzen, um IoT-Projekte erfolgreich umsetzen zu können. Genau an diesen Punkten setzen wir an: Die Komplexität von IoT-Sicherheitslösungen etwa vereinfachen wir mit integrierten Schutzmechanismen, die in jeder Phase ihrer Bereitstellung greifen. Mit unseren vorkonfigurierten Azure-IoT-Lösungen für die diskrete Fertigung bieten wir einen bewusst niedrigschwelligen Einstieg in Industrie-4.0-Projekte. Und mit dem Azure IoT Solution Accelerator für vernetzte Fabriken ist es einfach, vorhandene Fabrikanlagen und Maschinen verschiedener Fertigungsstrecken und -standorte miteinander zu vernetzen. Damit lassen sich leicht gängige IoT-Szenarien wie Remoteüberwachung, IoT-Geräte in der Industrie, Predictive Maintenance und Gerätesimulation realisieren.

IDC: Mit welchen Angeboten im Bereich Industrial IoT unterstützen Sie IT-Organisationen und Fachbereiche im Detail?

Seutter: Microsoft bietet einen umfassenden und hochintegrierten Technologie-Stack für das Industrial IoT. Er beginnt mit Desktop- und Server-Betriebssystemen – inklusive Windows 10 IoT Core speziell für Geräte im Internet der Dinge. Es geht weiter über Technologien für die Vernetzung von Maschinen und Anlagen über die Cloud und am Edge. Unsere Technologien für Analytics und künstliche Intelligenz, mit denen die Daten aus dem IIoT aufbereitet und produktiv genutzt werden können, runden diesen Stack ab.

IDC: Welche Vorteile sehen Ihre Kunden in der Praxis beim Einsatz von Industrial-IoT-Lösungen?

Seutter:  Diese Frage können natürlich unsere Kunden am besten beantworten. So hebt zum Beispiel Michael Cesarz, CEO MULTI bei thyssenkrupp Elevator, hervor, dass Microsoft sehr viel in die Sicherheit seiner IoT-Lösungen investiert und zudem bei Azure sehr viele Regularien und Compliance-Richtlinien berücksichtigt hat. Tatsächlich ist Microsoft branchenweit führend bei der Einhaltung internationaler und branchenspezifischer Compliance-Standards in Azure. Für James Pierre-Noel, Senior Director Product Management bei ABB Enterprise Software, war das reichhaltige Angebot an Dienstleistungen ausschlaggebend. Darüber konnte das Unternehmen seine Workforce-Management-Lösung intelligenter und die Außendiensttechniker produktiver machen. Und Thomas Rösch, Geschäftsführer bei ZF Openmatics, würdigt die Flexibilität und Skalierbarkeit der IoT-Lösungen von Microsoft – aus seiner Sicht die Voraussetzung, um eigene Lösungen zu entwickeln und auszurollen. Die drei fassen die Vorteile auch aus meiner Sicht ziemlich gut zusammen.

IDC: Werfen wir einen Blick in die Zukunft: IoT-Ökosysteme werden immer komplexer und umfassen viele Komponenten und eine Fülle von Daten. Wie positionieren Sie sich innerhalb solcher Ökosysteme und wie werden Sie Ihren Kunden helfen, diese Komplexität zu beherrschen?

Seutter:  Die Implementierung moderner Technologien ist mittlerweile so komplex, dass kein Unternehmen alleine in der Lage ist, die damit verbundenen Herausforderungen zu meistern. Wir fördern daher Innovationen über Partnerschaften, nicht über Wettbewerb, und verstehen uns selbst für unsere Kunden als einer dieser Partner. Wir machen Industrieunternehmen zukunftssicher und unterstützen sie beim Aufbau digitaler Kompetenzen, damit sie selbst zu Anbietern von digitalen Lösungen werden können.

IDC: Danke für den spannenden Austausch, Herr Seutter!

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