IDC Predictions 2022: Welche IT-Trends für CIOs in Deutschland relevant sind

von Katja Schmalen

Das vor uns liegende Jahr 2022 wird eine Fortsetzung des herausfordernden Jahres 2021 werden, in dem CIOs und IT-Leitende an mehreren Fronten Veränderungen bewältigen mussten, die sich aus einer Vielzahl von Umwälzungen und mitunter ad hoc Aufgabenstellungen ergaben und bei denen es auf Tempo, Skalierung und die Beherrschung facettenreicher Anforderungen ankam.

Unter dem Motto „Navigating the Winds of Change” fasst IDC die Anforderungen des Jahres 2022 zusammen. Jeder hat es dabei ein Stück weit selbst in der Hand zu entscheiden, ob die Projekte bildlich gesehen mit „Rückenwind“ umgesetzt werden können, oder ob mit „Gegenwind“ zu rechnen ist. Die Beherrschung beider Szenarien wird wohl das realistische Bild sein. IDC Experte Matthias Zacher hat für uns die Auswirkungen der weltweiten Entwicklungen für den deutschen Markt eingeordnet.

Die Kluft zwischen denen, die profitieren und denen, die ums Überleben kämpfen, wird immer größer

Matthias Zacher für IDC CIO HUBDie entscheidenden Herausforderungen für IT-Entscheider bestehen in den nächsten Monaten darin, digitale Infrastrukturen einschließlich Cloud Computing in den Griff zu bekommen, das IT-Geschäftsmodell weiterzuentwickeln sowie die Nutzung von Daten und die Datensicherheit zu optimieren.

Ein Trend, auf den wir in vielen Artikeln immer wieder hingewiesen haben, kommt immer stärker zum Tragen: Die Kluft zwischen den Unternehmen, die von der Erholung profitieren, und denen, die ums Überleben kämpfen, wird immer größer.

CIOs müssen noch deutlich ambitionierter in ein strategisches Handeln kommen und einen stärkeren Beitrag zum allgemeinen Business ihrer Organisation leisten. In den nächsten Jahren werden CIOs auch in Deutschland entscheidend dazu beitragen, ihre Unternehmen durch den Wandels zu navigieren, indem sie unternehmensübergreifende IT-Ökosysteme aufbauen und verbessern, neue Geschäftsmodelle und Erlösquellen proaktiv unterstützen, Mitarbeitende fördern, die Ausfallsicherheit stärken und das Unternehmen insgesamt robuster und damit reslilienter machen.

Winds of Change: Die IDC Top 10 Prognosen für IT-Entscheider

IT-Führungskräfte auf der ganzen Welt stehen jetzt verstärkt unter dem Druck, neue Business-Modelle zu finden, Modernisierungsbremsen zu lösen und eine nachhaltige IT einzuführen. Sie sehen sich aktuell Herausforderungen und Chancen ausgesetzt, denen sie wahrscheinlich so kein zweites Mal im Leben begegnen werden. Das gilt selbstverständlich auch für IT-Manager in Deutschland:

Prognose 1: Bis 2026 werden 65 Prozent der CIOs einen technologiegestützten, agilen und widerstandsfähigen Kreislauf aufbauen, der eine kollaborative Unternehmensführung, neue Servicebereitstellungsmodelle und eine ergebnisorientierte Ausrichtung umfasst.

Blick auf Deutschland: Die Bildung widerstandsfähiger technologiegestützter Kreisläufe ist auch für jedes Unternehmen in Deutschland, egal ob KMU oder Enterprise,ein Muss. Vielfach sind diese Kreisläufe vorhanden; allerdings sind sie eher statisch als agil. Somit muss Agilität stärker als bisher berücksichtigt werden, denn überall dort, wo ein proaktives Handeln erforderlich ist, kann Agilität einen echten Mehrwert leisten.

Prognose 2: 60 Prozent der CIOs werden bis 2023 hauptsächlich an ihrer Fähigkeit gemessen, neue Geschäftsmodelle und Erlösquellen zu entwickeln, die auf intensiver unternehmens- und branchenweiter Zusammenarbeit basieren.

Blick auf Deutschland: Dieser Aspekt ist für IT-Entscheider in Deutschland noch nicht umfassend relevant. Die IT wird in vielen Unternehmen (noch) nicht als Wertschöpfer betrachtet.  Er verweist aber auf einen Trend, den jeder Verantwortliche beachten sollte, denn die IT muss ihren Beitrag zur Businessinnovation erhöhen.   

Prognose 3: Bis 2025 werden 75 Prozent der CIOs und CFOs aufgrund von Projektverzögerungen oder -ausfällen, die durch die schlechte technische Umsetzung von Software oder Produkten – in der IT  als technischen Schulden bezeichnet – verursacht werden, gezwungen sein, formelle Verfahren für das Management dieser technischen Schulden zu forcieren oder einzuführen.

Blick auf Deutschland: Dieser Aspekt ist auch hierzulande relevant. Wir müssen am Ball bleiben und auch wieder besser werden, um Projekte „in Time“ und „in Budget“ umsetzen zu können. Expertenmangel, nicht geplante Kosten, die berühmte „heiße Nadel“ oder ein „Overengineering“ werden aber in den nächsten Jahren immer wieder zu verzeichnen sein. 

Prognose 4: Angesichts der zunehmenden Notwendigkeit von hybriden und intelligenten Arbeitsplätzen werden bis 2024 60 Prozent der CIOs den Anwendersupport neu konzipieren und COE-Teams (Center of Excellence) einrichten, um die notwendigen Investitionen in Technologie und Prozesse zu steuern.

Blick auf Deutschland: Anwendersupport ist entscheidend, um eine reibungslose Unterstützung  interner und extener Kunden zu gewährleisten. Das ist umso wichtiger, da der Anteil der hybriden und der Home-Office-Arbeitsplätze weiter steigen wird. Support-Tools sind vorhanden, aber für eine Support-Kultur ist mitunter noch Luft nach oben.   

Prognose 5: Bis 2026 werden 85 Prozent der Unternehmen, deren Datenmanagement die Geschäfts- und Betriebsstrategien eher hemmen, CIOs in die Lage versetzen, unternehmensübergreifende Investitionen in Data Governance, Qualität und Compliance zu tätigen.

Blick auf Deutschland: Die Datenbereitstellung und Datennutzung muss auch in den Unternehmen in Deutschland verbessert werden. Daten sind das wichtigste Asset. Sie müssen ihr Potienzial auch entfalten können. Die wachsende Cloud-Nutzung bringt aber zusätzliche Aufgaben hinsichtlich Governance, Security und Compliance bei Daten mit sich.

Prognose 6: Bis 2024 werden 40 Prozent der CIOs darin scheitern, die Fähigkeit der IT zur Bereitstellung moderner digitaler Infrastrukturen, zur Unterstützung von technologie-basierter Governance des Ökosystems und zur Erzielung besserer Geschäftsergebnisse auf Basis technologischer Architekturen zu verbessern.

Blick auf Deutschland: Die Gefahr des Scheiterns besteht auch hierzulande. Digitale Infrastrukturen sind die Basis der digitalen Transformation. IT-Entscheider sollte diesen Aspekt besondere Aufmerksamkeit widmen, da schon einfache Fehler überdurchschnittlichen Korrekturaufwand nach sich ziehen. 

Prognose 7: Durch den Druck von Investoren, die Verwaltungskosten zu minimieren, werden bis 2024 40 Prozent der Unternehmen mindestens 25 Prozent der direkten IT-Ausgaben in operative Produkt- und Dienstleistungsbereiche verlagern.

Blick auf Deutschland: Der Kostendruck wird sich für alle Unternehmen und Organisationen weiter erhöhen. Das Auslagern von IT-Bereichen und -Diensten, die nicht zur Sicherstellung des Kerngeschäfts gehören, sollte aus diesem Grund eine realistische Option sein.  

Prognose 8: Trotz der Kosten und Reibungsverluste werden 60 Prozent der CIOs eine systemweite Multifaktor-Authentifizierung als effektiven Basisschutz zur Abwehr zunehmender Cybersicherheitsbedrohungen bis 2022 nutzen.

Blick auf Deutschland: Sichere digitale Identitäten sind die Basis für digitales Vertrauen. IDC empfliehlt, Identity- und Asset-Management in seinen unterschiedliche Ausprägungen einschließlich Multifaktor-Authentifizierung stärker zu nutzen, da Erhebungen von IDC hier noch deutliche Lücken in Deutschland zeigen.

Prognose 9: Bis 2025 werden 60 Prozent der CIOs zusammenarbeiten, um gemeinsam die Vorteile von Branchen-Ökosystemen als wichtige Ressource für Innovation, Datenaustausch, Differenzierung und Cybersecurity-Risikomanagement zu nutzen.

Blick auf Deutschland: Ökosysteme gehören zu Recht zu den zentralen Schlagworten in Business und IT. Die Zusammenarbeit und Verflechtung in Liefer- und Produktionsketten ist in Deutschland und über die Grenzen hinaus sehr hoch. CIOs und IT-Verantwortliche müssen proaktiv die Zusammenarbeit mit dem Business vertiefen.   

Prognose 10: 55 Prozent der G2000-CIOs werden bis 2023 dafür sorgen müssen, eine nachhaltige IT zu implementieren und Umwelt-, Sozial- und Governance-Prozesse in den Technologielebenszyklus von der Akquisition bis zum Verkauf einzubetten.

Blick auf Deutschland: Nachhaltigkeit und Sustainability werden mittelfristig auch in  deutschen Unternehmen umfassend präsent sein. Alle großen Unternehmen und zahlreiche KMU sind bereits erste Schritte gegangen, und das vollkommen zurecht Jeder Entscheider – nicht nur in der IT – sollte sich mit diesem Thema befassen.

Empfehlungen für CIOs und Technologie-Einkäufer

Angesichts der volatilen und unsicheren wirtschaftlichen Aussichten ist das, was in der Vergangenheit gut funktioniert hat, keine Garantie für zukünftigen Erfolg. Ausserdem müssen CIOs damit rechnen, dass sie zunehmend größere und komplexere Aufgaben übernehmen werden – wie zum Beispiel die immer wichtiger werdenden Themen soziale Verantwortlichkeit für IT-Mitarbeiter sowie die Nachhaltigkeit der IT.

CIOs und IT-Entscheider müssen sich auf neue Spielregeln einstellen. Es geht dabei um den Aufbau modularer und anpassungsfähiger digitaler Infrastrukturen, die Schaffung und Orchestrierung von Business-Ökosystemen, die als Erweiterungen der IT-Landschaften fungieren, die Beherrschung der immer komplexeren und vielfältigen Cloud-Computing-Umgebungen und die Schaffung datenzentrierter Kulturen und Anwendungsfälle.

Die Fachbereiche und die IT-Abteilungen verzahnen sich immer intensiver. CIOs in Deutschland, die die „Winds of Change“ beachten, werden den „Rückenwind“ bald spüren und damit Hürden leichter überspringen als viele andere Kolleginnen und Kollegen.

 


Das Video zu den IDC FutureScape: Worldwide CIO Agenda 2022 Predictions und zu vielen anderen Fokusthemen steht ab sofort On-Demand für Sie zur Verfügung.

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