Wie Entwickler die Zukunft der digitalen Innovation vorantreiben

von Katja Schmalen

In der Geschichte der Informationstechnologie haben Programmierer eine entscheidende Rolle gespielt, weil sie sowohl die Betriebssystemsoftware als auch die Anwendungen für Computer geschrieben haben. Trotzdem fanden sich die Entwickler in der Regel in abgedunkelten Räumen wieder – oft tief in den Büros der IT-Abteilung versteckt und für einen Großteil des Unternehmens unsichtbar. Sie wurden vom Management oft als Overhead betrachtet und behandelt. Nur wenige schafften es, die Karriereleiter bis zum Vice President IT oder CIO emporzuklettern; und nur ganz selten konnte ein CIO  die Position des CEO erklimmen. Für die meisten Informatiker hielt die Karriere nicht mehr bereit, als Algorithmen zu entwickeln und gut funktionierenden, zuverlässigen Code zu schreiben.

Aber ab dem Jahr 2000 fing die Welt der Entwickler an, sich zu verändern. Mit dem aufkommenden Internet und zehn Jahre später der Erfolgsgeschichte der Smartphones, bot sich für Developer ein völlig neues Feld abseits der klassisch zentralisierten Systeme, die Terabytes von Daten und Tausende von Programmen beherbergten.

Das letzte Jahrzehnt hat gezeigt, dass intelligente und gut geschriebene Software zu Umwälzungen geführt hat – was etliche CEOs völlig unvorbereitet traf. Beispiele dafür sind Unternehmen wie Airbnb, Uber, Lyft, Craigslist, eBay und Social-Media-Unternehmen wie Twitter, LinkedIn, Facebook und YouTube. Was alle diese Firmen gemeinsam haben: Keines von ihnen verfügte anfangs über nennenswertes Kapital.

Airbnb zum Beispiel stand in starker Konkurrenz zu gut etablierten und kapitalkräftigen Unternehmen wie Hilton Hotels & Resorts und Marriott International. Aber das Startup hatte keine mit Gebäuden verbundenen Kapitalausgaben, musste keine Wartung, kein Personal und Vermögensverwaltung bezahlen oder Abschreibungen tätigen. Airbnb setzte auf attraktive Software, damit Endkunden Übernachtungen in schönen Lagen zu geringen Kosten buchen konnten. Ähnliche Umbrüche haben sich durch Digital Natives in der kapitalintensiven Mietwagenbranche, bei Kleinanzeigen in Zeitungen und traditionellen Medienunternehmen vollzogen.

Jetzt sehen wir eine weitere Welle digitaler Innovation heranrollen. Heutzutage sind es jedoch gut etablierte, kapitalträchtige Unternehmen, die ihre finanziellen Mittel zusammen mit innovativer und disruptiver Software einsetzen, um neue Märkte zu schaffen. Viele Führungskräfte dieser Unternehmen haben leicht irritiert beobachtet, wie Amazon sich vom Buchverkäufer zum Verkäufer von Haushaltswaren und schließlich verderblicher Waren wie Lebensmittel gewandelt hat – und auf seinem Weg etliche Unternehmen ruiniert hat – man denke an Versandhändler wie Quelle, Neckermann aber auch einige Kaufhausketten wie jüngst Karstadt.

Manche Firmannamen, die jetzt in den USA als digitale Innovatoren auftauchen, sind nicht neu – es sind langjährige Branchengrößen wie John Deere, Caterpillar, FedEx, JPMorgan Chase, Walmart und Best Buy.

Vom Software-Anwender zum Software-Entwickler

Eine der faszinierendsten Veränderungen in diesem Bereich ist, dass Unternehmen nicht mehr nur Konsumenten von Software sind, sondern zu Organisationen werden, die ihren Software-Bedarf planen und selbst Code erstellen. Unternehmen gehen dazu über, vorhandenen Code gezielt einzusetzen, selbst zu entwickeln und sowohl innerbetrieblich als auch an Partner zu distribuieren. Sie gehen auch dazu über, ihre eigenen Entwicklungen Partnern im Unternehmensumfeld anzubieten und gemeinsam zu nutzen. Für in ihrer Branche führende Unternehmen kann die Ausweitung der Unternehmensaktivitäten auf neue Kanäle dabei helfen, deutlich größere Kundenkreise zu erschließen und den Umsatz zu steigern.

Der Übergang zu einer digitalen Innovationsfabrik besteht aus vier sogenannten Säulen (englisch: „Pillars“) der digitalen Innovation: Planung, Beschaffung, Entwicklung und Vertrieb. Die ersten drei Säulen kennen Entwickler gut, weil sie zu ihrem Daily Business gehören. Sie wissen, wie man Entwicklungspläne erstellt und dass selten Projekte ohne Planung in Angriff genommen werden (sollten). Die Beschaffung von Source-Code-Komponenten gehört mittlerweile ebenfalls zu den typischen Aufgaben, da es für alltägliche algorithmische Probleme mittlerweile eine Unzahl an frei verfügbaren Open-Source-Lösungen gibt und man nicht alles selbst entwickeln muss. Und als drittes: das Entwickeln von Software können Entwickler sowieso.

Die vierte Säule „Vertrieb“ ist natürlich für viele Unternehmen neu, die sich bisher noch nicht mit dem Verkauf von Software befasst haben.

Tatsächlich gehen heutzutage viele Unternehmen dazu über, ihr eigene Software mit einer größeren Community zu teilen und so für eine breite kollaborative Weiterentwicklung zu sorgen. In anderen Fällen verkaufen sie Software- und Daten-Dienste sowie andere Ressourcen an Partner, Kunden und Mitbewerber – die gerne dafür bezahlen, weil sie von der Nutzung profitieren.

Was kommt als nächstes?

IDC  definiert die Rolle von Entwicklern und DevOps-Fachkräften in einem digitalen Innovationsszenario in einigen Papern, darunter in diesem: Developers: Driving the Future of Digital Innovation. Aber auch beim IDC Digital Summit DevOps für Entscheider aus dem deutschsprachigen Raum werden wir uns die Entwicklung ganz genau anschauen.

Sollten Sie das alles nur als eine vorübergehende Modeerscheinung einstufen, bedenken Sie, dass heute bereits 64 % der 2000 größten Unternehmen weltweit eine Plattform betreiben, die auf die Integration externer Entwickler ausgerichtet ist. Das heißt, dass mehr als die Hälfte dieser Firmen proaktiv versuchen, eine Gemeinschaft von Entwicklern, Anwendern, Kunden und Partnern aufzubauen, die an Projekten mit gemeinsamen Zielen zusammenarbeiten können – natürlich nicht ohne den Hintergedanken, Ihnen hoffentlich auch etwas verkaufen zu können.

Zu den Organisationen mit einer Entwicklerplattform gehören bekannte Anbieter wie die Bank of China, JP Morgan Chase und Wells Fargo in der Finanzdienstleistungsbranche, BMW, Ford, General Motors und Toyota im Automobilsektor sowie Unternehmen wie Bristol-Myers Squibb und Johnson & Johnson in der pharmazeutischen Industrie.

Software wird scheinbar zu einem Werkzeug, das nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens erhöht, sondern auch völlig neue Einnahmequellen für die beteiligten Unternehmen erschließen kann.

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